Kultur
20.04.2017 18:53

Simple Minds – Wohltemperiert und publikumsnah

  • Die Lichteffekte begeistern beim Konzert der Simple Minds im KKL.
    Die Lichteffekte begeistern beim Konzert der Simple Minds im KKL. | Bild: Roger Grütter (Luzern, 19. April 2017)
KKL ⋅ Simple Minds spielten am Mittwoch ihr einziges Konzert in der Schweiz in diesem Jahr. 40 Jahre Bühnenerfahrung liessen die Pop-Rocker sehr routiniert aussehen – sympathisch sind sie trotzdem geblieben.

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Gut anderthalb Stunden lang sorgten Simple Minds diesen Mittwoch für gute Stimmung im KKL. Dann war Schluss, und es war klar: Jetzt ist Schluss. Kein nachhaltiges Klatschen und hoffnungsvolles Warten, dass da noch mal einer auf die Bühne kommt. Das Publikum verhielt sich gleich vernünftig wie die Kult-Formation aus Schottland: Es räumte brav die Plätze.

Nach dem Konzert trifft man im Zug auf einen Fan aus dem Aargau, der befindet: «Die guten Sachen im Leben sind konzentriert. Es muss ja nicht jeder vier Stunden am Stück singen wie ein Springsteen.» Das Ambiente sei edel gewesen, der Sound im KKL brillant und das ganze Set-up sehr schön.

Sänger mischt sich unters Publikum

Und dass die Band trotz lauter Rufe aus dem Publikum ihren Hit «Belfast Child» nicht spielte? Der treue Fan aus dem Aargau winkt ab und sagt: «Sie boten ­einen guten Querschnitt ihrer Musik aus den ganzen 40 Jahren, brachten viel Bekanntes – zwar ohne ‹Belfast Child› und ‹Mandela Day› –, aber na gut.» Immerhin sei sogar David Bowies «Andy Warhol» performt worden – was wolle man mehr. Bevor er aus dem Zug aussteigt, lobt der Mann, der ein paar Jahre jünger sein dürfte als Simple-Minds-Bandleader und -Sänger Jim Kerr (57): «Es war sehr intim, und Kerr zeigte eine extreme Nähe zum Publikum.»

Das stimmt. Immer wieder schüttelt Jim Kerr Hände vom Bühnenrand aus, winkt den Leuten auf den Balkonen zu, mischt sich einmal sogar mitten unters Volk und stellt von dort seine Mannschaft vor: Sängerin Sarah Brown, die eine tolle Stimme hat und in ihrem Reifrock aussieht wie Scarlet Overkill aus dem animierten Blockbuster «Minions», seinen getreuen Gitarristen Charlie Burchill und die weiteren Musiker an Schlagzeug, Keyboard und Bass.

Diese Publikumsnähe passt natürlich perfekt zum dazugelieferten Hit «Stand By Love» aus dem «Real Life»-Album von 1991: «Get up on love and stand by me / Stand by love, stand by me.»

Duett mit KT Tunstall

Einen Song zuvor haben sich zu «Big Sleep» aus dem 82er-Album «New Gold Dream» die ersten Fans von ihren Sitzen erhoben, um mitzutanzen und mitzuklatschen. Kerr kniet auf dem Bühnenrand, nicht mehr so schmal wie 1982, aber noch immer sehr gut bei Stimme. Die Band spielt an diesem Abend einige Lieder dieses Albums, das entstand, als sich die Schotten langsam, aber sicher vom New Wave verabschiedeten und sich dem besser verkaufbaren Pop/Rock näherten. «New Optimism», so nannte sich der euphorische Sound damals, dem auch U2 huldigten.

Es scheint, als habe Kerr noch keine rechte Lust darauf, im ausverkauften KKL-Saal das zu tun, was viele von ihm erwarten: die grössten Ohrwürmer der Simple Minds zu spielen. «Don’t You (Forget About Me)», Hit von 1985 und Türöffner für die britische Band zum US-Markt, gibts erst kurz vor zehn Uhr. Mit ganzem Herzen ist Kerr nicht dabei, es ist eine eher wohltemperierte Performance. Dafür mag er sein Publikum und ruft um 22.10: «You don’t wanna go home?»

Nein, die Zuhörer wollen noch bleiben. Im lila Licht, vielleicht auch im roten, gelben, blauen oder pinkfarbenen – die Lichteffekte begeistern den ganzen Abend, tritt Special Guest KT Tunstall (41) nochmals auf die Bühne. Die schottische Singer-Songwriterin glitzert in goldenen Hosen und performt zusammen mit dem mittlerweile nassgeschwitzten Jim Kerr als erste Zugabe dessen Song «Promised You A Miracle», wieder vom «New Gold Dream»-Album. Die Stimmung: eine gutmütige Party.

Dann endlich: «Let me see your hands!», ruft Kerr und setzt zu «Alive & Kicking» (Album «Once Upon A Time», 1985) an. Ein Rhythmus, schnell und begeisternd. Im Saal erinnert man sich wohl gerade kollektiv an die 80er-Jahre – der mit dem weissen Cowboyhut wohl genauso wie der im grauen Jackett.

Schotten sind hart im Nehmen

«What you gonna do / when things go wrong? / What you gonna do / when it all cracks up?» Ja, was macht man, wenn die Dinge schieflaufen? Musik hören ist da immer eine gute Option. Selbst hätte die Autorin dieses Berichts das Konzert der Simple Minds, die 40 Jahre Bühnenerfahrung feiern, fast verpasst .

Ein Schneesturm im April führte zu einer blutenden Platzwunde und einem Aufenthalt in der Permanence inklusive einiger Stiche. Aber wie sagt man so schön: Schotten sind hart im Nehmen. Da können Fans (und Berichterstatter) sich ruhig mal eine Scheibe abschneiden.

Videos zum Artikel (1)

  • Simple Minds - Don't You (Forget About Me)

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