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KONZERT

Argovia Philharmonic mit Fülle und Licht

Die Argovia Philharmonic ist zum ersten Mal im KKL aufgetreten, zusammen mit dem Ensemble Corund aus Luzern. Dabei hatten sie gleich die 9. Sinfonie von Beethoven im Gepäck. Neben vielen Glanzpunkten gab es auch Schatten.
12.01.2018 | 07:51

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Früher war es das Aargauer Symphonie-Orchester. Seit fünf Jahren, quasi als Geschenk zum fünfzigsten Geburtstag, nennen sie sich Argovia Philharmonic. Vordergründig eine reine Namensänderung, war es die sichtbare Initialzündung in die erfolgreiche Zukunft. Das Orchester verkauft heute fünfmal mehr Abonnemente und führt in einem Jahr doppelt so viele Konzerte und andere Aktivitäten, knapp 120, durch.

Es reiht sich so in die Liste der klassischen Orchester ein, welche in den letzten Jahren in der Schweiz erfolgreich nach oben eilten. Das Kammerorchester Basel, ein gerngesehener Gast im KKL, hat etwa mit seinem Beethoven-Zyklus Furore gemacht. Und natürlich das Luzerner Sinfonieorchester, das in den letzten Jahren auch international stark an Profil gewann.

Temporeicher Beethoven

Das Konzert vom Mittwochabend im ausverkauften Konzertsaal des KKL zeigt, auf welch beachtlichem Niveau in der Schweiz gearbeitet wird. Die Argovia Philharmonic wirbt mit dem Motto «das innovative Sinfonieorchester». Im KKL zeigt sich dies vor allem im schön dekorierten Entree, wo festliche Bouquets von lachsfarbenen Amaryllis und Weidenkätzchen die Besucher empfangen. Im Programm wird dann auf publikumswirksame Klassik gesetzt, Sinfonien von Beethoven und Schubert. Und es ist ein temporeicher Beethoven, der erklingt. Der Chefdirigent des Orchesters, Douglas Bostock, stülpt dem ersten Satz der 9. Sinfonie eine schnelle Lesart über. Die Musiker spielen akzentreich, teils trocken und kurz.

Dies gibt dem ersten Teil des Konzertes ein intensives Stampfen. Spektakulär ist der lange Höhepunkt, die weite Fortestelle mit der akzentuierenden Kesselpauke. Die gleiche schnelle, kurze und federnde, teils etwas schroffe Akzentsetzung wird auch im Schlusssatz zum wichtigen Element, gibt der Cellomelodie einen speziellen Effekt. Oder wenn die Bratsche unisono, fast mechanisch mit den Celli die Melodie zeichnet, verstärkt dies die Schicksalstendenz des Stückes.

Man kann über die Tempowahl geteilter Meinung sein, aber es ist über weite Strecken ein spannender, intensiver Beethoven, der erklingt. Das Molto Vivace (2. Satz) ist leicht und spritzig, weist Eleganz auf. Spitz werfen die Holzbläser ihre Triolen. Die frühlingshafte, tänzerische Stimmung, der leichte Schwung überzeugt. Dem langsamen Adagio fehlt hingegen die Weite. Teils ebenfalls schnell genommen, nimmt das Tempo diesem Teil etwas von seinem Zauber, lässt ihn richtungslos. Manche unpräzise Einsätze tragen das Ihre dazu bei.

Auch geht dem Orchester in den lauten Tutti-Stellen, im tosenden Finale der 9. Sinfonie die Strahlkraft ab. Dem Klang fehlt die Erdung. Das Forte dürfte weicher und ausgewogener sein. Der Star des Schlusssatzes ist das Ensemble Corund aus Luzern. Der von Stephen Smith geleitete Chor überzeugt mit Fülle und Licht. Die Diktion ist klar, der Sound homogen, das Volumen steht. Organisch zeichnen die Sänger die Linien. Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Ana Maria Labin überzeugt mit ihrer weittragenden Stimme. Der junge Schweizer Bariton Äneas Humm singt mit vollem Klang, stellt allerdings zu sehr sein Vibrato in den Mittelpunkt.

Das dämonische Element

Vor der Pause erklang die Ouvertüre «Die Geschöpfe des Prometheus» (Beethoven). Sie überzeugte allerdings nicht recht. Die folgende unvollendete Sinfonie von Franz Schubert (Nr. 7) hat ganz andere Qualitäten. Vor allem den ersten Satz zeichnet Bostock fast schon dunkel, setzt auf das dämonische Element der Komposition. Mit teils harten Schlägen trennen die Musiker die lange Steigerung, geben ihr Intensität. Im schwebenden Andante fehlt dann wieder etwas die Leichtigkeit, die elegante Note. Es ist jedoch ein vielversprechendes Debüt der Argovia Philharmonic im KKL, das auf weitere Konzerte hoffen lässt.

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