Kultur
18.06.2017 20:32

B-Sides-Festival: Musikglitzer jenseits des Mainstreams

  • Moon Duo bot mit sphärischem Sound einen der fesselnden Auftritte des diesjährigen B-Sides.
    Moon Duo bot mit sphärischem Sound einen der fesselnden Auftritte des diesjährigen B-Sides. | Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 17. Juni 2017)
KRIENS ⋅ 4600 Besucher in drei Tagen: Das B-Sides auf dem Krienser Sonnenberg blickt auf eine erfolgreiche 12. Ausgabe zurück. Bei dieser wagten die Verantwortlichen erstmals ein interkulturelles Experiment.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Die Macher des B-Sides haben es den total 4600 Besuchern der 12. Ausgabe augenfällig bewiesen: Sie sind Künstler, wenn es darum geht, eine Atmosphäre zu schaffen, die einen in andere Welten entrückt. Wo sonst schwebt eine Decke funkelnder CD-Stücke über den Schlangen, die auf das Verrichten urtümlichster Bedürfnisse warten? Wo sonst zieren Glitzerbänder die Grünpflanzen auf der Bar, wo sonst bahnt sich ein lichtergeschmückter Bauchladen mit Popcorn den Weg durch die Menge?

Sehr zufrieden zeigt sich der Medienverantwortliche Benedikt Geisseler: «Das B-Sides ging ohne Zwischenfälle über die Bühne. Freitags- und Samstagstickets waren schon im Vorfeld alle weg. Und dank Headliner Agnes Obel strömten auch am Donnerstag noch kurzfristig viele auf den Sonnenberg, sodass das Festival beinahe komplett ausverkauft war.»

Zuckerstock statt Feuerwerk

Die Liebe zum Detail liess einen getrost darüber hinwegschauen, dass es am Samstag musikalisch zwar glitzerte und funkelte, für ein Feuerwerk vielleicht aber doch ein Knaller fehlte. Geboten wurde der Sternenregen eines Zuckerstocks: kurze, aber intensive Momente.

Etwa bei Moon Duo. Den Gästen aus Portland wäre mehr Mond und weniger Abendrot zu gönnen gewesen, ihr sphärisches Werk hätte zu späterer Stunde zaghaftes Mitwippen wohl in ausgelassenes Getanze verwandelt. Zu fesseln vermochte auch Visitor, das Trio rund um die Luzernerin Lea Fries. Ihre glasklare Stimme wandelte über einen Teppich kühler Elektroklänge und schuf im Zelt eine Intimität, von der sich gerne auch jene hätten einhüllen lassen, die draussen vergebens auf Einlass warteten.

Gespannt war man am Samstag auch auf Big Zis, den bekanntesten Namen auf dem Tagesprogramm. Die Zürcher Rapperin meldete sich Ende 2016 mit einer neuen EP zurück, sieben Jahre und drei Kinder nach dem letzten Album. Als erster Headliner des Abends hatte sie eine Herkulesaufgabe zu meistern, zu heterogen war das Publikum noch vom Kinderprogramm zuvor, zu gross andernorts die Lust nach veganem Essen in Knallfarben.

Einer, der hingegen kurz vor Mitternacht noch positive Lebensgeister weckte und vereinzelt Hände in die Höhe schnellen liess, war Yaw Atta-Owusu von Ata Kak. Der bald 57-jährige Ghanaer verkörperte jene Idee von Hoffnung, die das parallel zum Open Air laufende Projekt «The Art of a Culture of Hope» vermitteln wollte: warmherzige Grooves, durchmischt mit Reggae und Rap, und mittendrin ein graumelierter Sänger mit einnehmender Präsenz. Ins Staunen ob seiner Agilität mischte sich zuweilen die Sorge, dass seine Bewegungen in einen Hexenschuss münden könnten.

Ein Versprechen löste das B-Sides damit auch heuer ein: Es ist ein Festival, das Entdeckungen jenseits des Mainstreams garantiert und erstmals auch auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem Kulturprojekt zurückblickt. Geisseler: «Mit dem grösseren Team und noch mehr Ideen, die damit einflossen, bescherte uns die Kooperation zwar sicher Arbeit. Dieser Mehraufwand aber hat sich gelohnt.»

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