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Gewalt auf Facebook: Gegensteuer zur Zensur

Kommentar

Bruno Knellwolf über über die zunehmend problematischen Posts auf Facebook.
19.04.2017 | 08:48

Der Abschaum alles Menschlichen lagert sich in sozialen Netzwerken ab. Was bis vor kurzem noch als unvorstellbar bezeichnet wurde, bekommt nun ein Gesicht. Die schlimmsten Horror-Fantasien werden über Facebook und Co. zur alltäglichen Realität – auf jedem Handy, auf jedem Computer. Entstellte Leichen, Enthauptungen, Tiermisshandlungen, Kinderpornografie – alles in Nahaufnahme. Etwa 1,8 Milliarden Menschen sind auf Facebook und somit Empfänger, aber auch mögliche Absender der Perversionen.

Und die Datenmenge wächst laufend. Da kann man sich leicht vorstellen, dass die Kontrolle derselben immer komplexer wird. Facebook versucht, dessen mit Algorithmen Herr zu werden, was aber schnell an Grenzen stösst. Dem Rechner fehlt das Gefühl dafür, eine Hinrichtung von einer Operation im Spital zu unterscheiden. Also braucht es eine menschliche digitale Müllabfuhr, welche diese nach Standardnormen ausführt. Diese sind bei Facebook aber wenig transparent. Pornografische Inhalte, auch vermeintliche, haben es generell schwerer als Gewaltdarstellungen.

Die Zensur erscheint so oft widersprüchlich und ist je nach Land unterschiedlich. Facebook hat so Einfluss darauf, was Millionen von Menschen sehen oder nicht. In Zeiten, wo sich immer mehr über soziale Netzwerke politisch informieren, ist dieser Einfluss auf die politische Bildung bedeutend. Da gilt es, Gegensteuer zu geben, zu Hause, in der Schule. Wer jetzt aber mit dem Finger auf Facebook zeigt: Die zu kontrollierende Datenmenge ist exorbitant, da haben schon viel kleinere Plattformen Mühe, ihr Internetangebot von Hasstiraden freizuhalten.

Bruno Knellwolf

nachrichten@luzernerzeitung.ch

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