Panorama
18.05.2017 08:25

Kopf des Tages

Karriere mit Rückenansicht

LONDON ⋅ Es ist die Hochzeit des Jahres in Grossbritannien: Prinzenschwägerin Pippa Middleton gibt einem Hedgefonds-Manager das Ja-Wort.

Es ist Wahlkampf auf der Insel und ein langweiliger noch dazu. Wer mag es da den Medien verdenken, wenn sie mit Begeisterung die Geschichte zweier schöner junger Leute präsentieren, die sich an diesem Samstag das Ja-Wort geben wollen. Zumal die Braut auch noch einen direkten Draht ins Königshaus hat! Da beschwören frohe Schlagzeilenschreiber leicht einmal die «Hochzeit des Jahres» (year). Oder ist es doch die «Hochzeit der Rückseite» (rear)? Das hübsche Wortspiel verdanken wir der ehrwürdigen «Times», aber auch keine andere Londoner Gazette lässt den Hinweis aus, dass die Braut ihre Berühmtheit vor allem ihrem aparten Hinterteil zuzuschreiben hat. Philippa Charlotte Middleton, genannt Pippa, trat ins gleissende Rampenlicht der Öffentlichkeit als Schleppenträgerin für ihre ältere Schwester Kate, die an jenem Frühlingstag 2011 den Prinzen William heiratete und zur Herzogin von Cambridge wurde.

Ihre eigentlich untergeordnete Rolle spielte die brünette Brautjungfer, damals 27, mit Bravour, ihr figurbetontes weisses Kleid brachte vor allem die Rückseite wirkungsvoll zur Geltung. Rasch bildete sich auf Facebook eine «Gesellschaft zur Würdigung von Pippa Middletons Hinterteil», aus der kleinen Schwester wurde über Nacht ein Star. Daraufhin versuchte sich die studierte Literaturwissenschaftlerin als Zeitungskolumnistin und Buchautorin mit dem vielversprechenden Titel «Celebrate». Dass man zum Sackhüpfen die Beine in einen Sack stecken muss oder selbstgebackene Plätzchen am besten luftdicht verwahrt – bitte, falsch ist das ja nicht. Allerdings auch nicht gerade sensationell neu, weshalb der Verlag den Vorschuss von rund einer halben Million Euro für das Party-Handbuch doch ein wenig bereute.

Nun also eine Party in eigener Sache. Anders als Kate hat sich Pippa keinen echten Prinzen geangelt, alle Gerüchte der Boulevardpresse über ein Techtelmechtel mit Williams jüngerem Bruder Harry blieben Fantasien. Immerhin hat es zu einem «Herrn der Welt» gereicht, dem früheren City-Trader und Hedgefonds-Manager James Matthews, 41, womit wieder einmal bewiesen wäre, dass sich Gleich und Gleich gern zueinander gesellen: die Symbolfigur sinnentleerten Celebrity-Lebens zu einer Ikone der ebenso sinnfreien turbokapitalistischen Hochfinanz.

Im Garten des elterlichen Anwesens in Bucklebury (Grafschaft Berkshire) westlich von London hat sich Pippa eine Glasmarkise von stattlichen Ausmassen errichten lassen – auch in England ist das Wetter im Mai häufig unbeständig, und die geschätzt 350 geladenen Gäste sollen weder nasse Füsse noch kalte Hintern bekommen. Vor der Party darf eine ausgewählte Schar von Gästen – die Angaben schwanken zwischen 100 und 150 – der Trauung in der anglikanischen Dorfkirche von Englefield beiwohnen. Die Königskinder George, knapp 4, und Charlotte, 2, streuen Blumen, deren Eltern Kate und William dienen als Betreuungspersonal. Eingeladen sind auch Prinz Harry und dessen neue Freundin, die US-Schauspielerin Meghan Markle. Mal sehen, ob der Auftritt der 35-Jährigen der Braut die Schau stiehlt, wie einst Pippa der Schwester vor sechs Jahren. Alles halb so wild, wie sich einer Bemerkung auf Markles Blog entnehmen lässt, die wie angegossen auf die junge Braut passt: «Dein Hintern ist genau richtig.»

 

Sebastian Borger, London

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