Panorama
19.05.2017 08:02

Kleines Geschäft mit grossen Folgen

  • Blick in ein Freibad.
    Blick in ein Freibad. | Archivbild: LZ
WASSERQUALITÄT ⋅ Je mehr es im Freibad nach Chlor riecht, desto mehr Verunreinigungen hat es im Wasser. Eine davon: Harnstoff aus menschlichem Urin.

Mit dem Beginn der Badi-Saison steigt Schwimmern auch wieder der typische Chlorgeruch in die Nase. Chlor ist ein Desinfektionsmittel und soll im Badewasser Keime abtöten. Den Badi-Geruch verbinden die meisten von uns deshalb auch mit Sauberkeit. Doch das ist ein Irrtum: Je stärker das Odeur, desto dreckiger ist das Wasser. Denn der Duft entsteht erst, wenn sich das Chlor mit anderen Substanzen im Badewasser verbindet, zum Beispiel mit Harnstoff.

«Ein Teil des Harnstoffs gelangt ins Wasser, weil Badende ins Becken pinkeln», sagt René Schittli, Badewasserinspektor des Kantons Zürich. «Nicht nur Kinder tun es, sondern auch Erwachsene.» Sogar Leistungssportler erleichtern sich gerne mal im Wasser – wie der Schwimmstar Michael Phelps in Interviews zugegeben hat.

Was die Schwimmer abgeben, müssen die Badi-Betreiber wieder herausholen. Sie reinigen das Wasser laufend, schweizweit geltende Höchstwerte sind einzuhalten. Diese sind im Freibad für Harnstoff jedoch dreimal höher als im Hallenbad, weil dort mehr Leute im Wasser sind und Verunreinigungen einbringen, erklärt René Schittli. Er selber nimmt bis viermal pro Jahr in jedem Zürcher Bad entsprechende Wasserproben.

Die Wasserqualität über­prüfen auch die Badi-Betreiber. «Dreimal täglich kontrollieren unsere Bademeister das Wasser», sagt Philipp Buchelt, Leiter des Schwimmbads Geiselweid in Winterthur. Das ist nicht nur wegen der Wasserpinkler nötig. Denn Harnstoff ist auch ein natürlicher Bestandteil unserer Haut und diverser Lotions. «Genau deshalb ist es so wichtig, vor dem Baden zu duschen», sagt Buchelt.

Je mehr Leute duschen, desto weniger Chemikalien brauchen die Betreiber ins Wasser zu geben. Doch das Duschen konsequent durchzusetzen, sei gar nicht so einfach, sagt Wasserinspektor Schittli. Er beobachtet oft, dass Gäste sich vom Bademeister nichts vorschreiben lassen wollen. Im Schwimmbad Geiselweid sei man aber konsequent, sagt Badi-Leiter Buchelt: «Wer sich nicht an die Regeln hält, wird aus der Badi gewiesen.»

 

Ramona Ronner

wissen@luzernerzeitung.ch

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