Panorama
12.08.2017 14:33

130 Verhaftungen an der Street Parade

  • Ein Bild der Street Parade aus der Luft.
    Ein Bild der Street Parade aus der Luft. | EPA/CHRISTIAN MERZ
  • Street Parade ist gestartet.
    Street Parade ist gestartet. | KEYSTONE/Christian Merz
STREET PARADE ⋅ 900'000 Raver haben am Samstag rund ums Zürcher Seebecken gefeiert und getanzt. Die Polizei verhaftete insgesamt 130 Personen, das sind fast doppelt so viele wie 2016.

Die ersten der 25 Love Mobiles starteten um 14 Uhr im Seefeld. Bereits eine Stunde vorher hatte das Warm-up auf acht Bühnen entlang der Strecke rund ums Seebecken begonnen. House- und Technoklänge dröhnten, und die wummernden Bässe gingen durch Mark und Bein.

Bunt und schrill wird die Street Parade durch Besucher in fantasievollen Kostümen. Dabei gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Passend zum diesjährigen Plakat mit allerlei bunten Vögeln zog beispielsweise eine Gruppe pinke Flamingos durch die Stadt.

Zu bestaunen gab es jedoch auch zuckersüsse Cupcakes, Engelchen und Teufelchen, kunstvolle Körperbemalungen, Federn, Gold, Pailletten und allerlei schräge Kopfbedeckungen.

"Sensationelle Stimmung"

Die letzten der rollenden Bühnen erreichten um 22 Uhr ihr Ziel. Um Mitternacht wurden die Regler auch auf den Bühnen abgedreht. Das Ende der Mega-Party bedeutete dies jedoch nicht. Nach der Street Parade wird traditionell in unzähligen Clubs weitergefeiert.

Mit dem diesjährigen Motto "Love never ends" wollten die Veranstalter ein Zeichen setzen für Liebe, Friede, Freiheit und Toleranz. Und sie zeigten sich sehr zufrieden: "Die 26. Street Parade war ein voller Erfolg", teilten sie mit. Mediensprecher Stefan Epli sagte am Nachmittag, die Stimmung sei sensationell und "es geht ab wie selten".

Erneut wurde der Mega-Anlass auch vom Wetter begünstigt. Noch am Morgen war es grau und regnerisch. Doch die Wolken machten immer mehr der Sonne Platz und bei angenehmen Temperaturen von um die 20 Grad blieb es trocken.

Positive Bilanz von Schutz & Rettung

Durch die vergleichsweise niedrigen Temperaturen mussten nur sechs Personen von der Sanität wegen Kreislaufproblemen versorgt werden. Auch die Gesamtbilanz von Schutz & Rettung fällt positiv aus: Mit 526 war die Zahl der behandelten Personen um fast 24 Prozent niedriger als im Vorjahr, wie es in einer Mitteilung vom Sonntag heisst. 55 Personen wurden in ein Spital überwiesen.

Erfreulich war, dass keine schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen behandelt werden mussten. Massiv zurückgegangen ist die Zahl der Schnittverletzungen. Der wiederholte Aufruf zu gutem Schuhwerk und das Abfallkonzept der Veranstalter schienen sich positiv auszuwirken, schreibt Schutz & Rettung.

273 Patienten mussten wegen übermässigem Alkohol- und/oder Drogenkonsum behandelt werden. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. In der Notunterkunft wurden bis in die Morgenstunden des Sonntags 90 Personen zur Überwachung und Betreuung eingeliefert.

Ausserdem versorgte die Sanität Prellungen, Stauchungen und Brüche, Insektenstiche und allergische Reaktionen. Insgesamt 30 Personen mussten sich wegen Reizstoffen die Augen behandeln lassen. Wie bereits im Vorjahr hatten Diebe teilweise Pfefferspray gegen ihre Opfer eingesetzt.

Zunehmende Aggressivität im Laufe der Nacht

Wegen übermässigem Alkohol- und Drogenkonsum kam es zu diversen Auseinandersetzungen und Streitereien. Die meisten verliefen glimpflich, auch wenn die Aggressivität im Laufe der Nacht zunahm, wie Stadt- und Kantonspolizei am Sonntag mitteilten. Gegen 0.45 Uhr zog sich ein 24-jähriger Schweizer im Kreis 1 lebensgefährliche Stichverletzungen zu. Der Täter ist unbekannt, der Tatablauf noch unklar.

Kurz nach 21.15 Uhr gerieten mehrere Personen an der Bahnhofstrasse aneinander. Dabei wurden zwei junge Männer verletzt und mussten ins Spital gebracht werden. Einer davon wurde bereits wieder entlassen. Der zweite wird noch wegen einer Augenverletzung behandelt. Insgesamt hätten sich die Sicherheitsmassnahmen des Veranstalters sowie von Stadt- und Kantonspolizei bewährt, heisst es in der Mitteilung.

Gefälschte 50-Euro-Noten

Im Verlauf des Samstags und in der Nacht auf Sonntag wurden rund 130 Personen aus 25 verschiedenen Nationen verhaftet. Sie sind zwischen 15 und 49 Jahre alt. Gründe für die Festnahme waren unter anderem Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Raub, Diebstahl, Körperverletzung und Sachbeschädigung. 35 mutmassliche Dealer wurden festgenommen. 2016 waren es noch 67 Festnahmen.

Ausserdem gab es vereinzelte Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Bereits am Samstagvormittag verhaftete eine Patrouille der Kantonspolizei am Hauptbahnhof drei Italiener, die knapp 200 gefälschte 50-Euro-Noten mit sich führten. (sda/zfo)

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  • Die Streetparade 2017 aus dem Helikopter

  • Street Parade 2017: So feiert Zürich seine Mega-Party

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