Panorama
19.06.2017 11:28

Waldbrand in Portugal wütet weiter

  • Feuerwehrmänner kämpfen an mehreren Fronten gegen den Waldbrand, doch die Flammen fressen sich weiter vorwärts.
    Feuerwehrmänner kämpfen an mehreren Fronten gegen den Waldbrand, doch die Flammen fressen sich weiter vorwärts. | KEYSTONE/AP/PAULO DUARTE
PORTUGAL ⋅ In Portugal kämpfen Hunderte Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Zivilschutzes und des Militärs unermüdlich gegen den schlimmsten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte. Ein Ende des Alptraums ist noch nicht in Sicht.

Bisher forderte der verheerende Waldbrand mindestens 62 Todesopfer. Die Flammen frassen sich am Montag im Bezirk Leiria 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon durch die bergige Waldregion auf vier Fronten vorwärts.

Sie bedrohten mehrere Dörfer und waren nahe dran, auch die Nachbar-Bezirke Coimbra und Castelo Branco zu erreichen, wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa unter Berufung auf Sprecher der Feuerwehr und des Zivilschutzes berichtete. Für die Einsatzkräfte gab es keine Pause.

Unter anderem seien zehn Bewohner des kleinen Dorfes Aguda am Montag in Sicherheit gebracht worden, hiess es. In der Region um den Kreis Pedrógão Grande waren am Montag nach einer Mitteilung des Zivilschutzes mehr als 900 Feuerwehrmänner mit knapp 300 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen im Einsatz. Trockenheit, Temperaturen von mehr als 30 Grad und starke Winde behinderten den Angaben zufolge die Löscharbeiten.

Dreitägige Staatstrauer

Die Zahl der Todesopfer blieb seit Sonntagabend zwar unverändert, die Behörden warnten aber, dass diese noch steigen könne. Man habe nämlich einige Gebiete noch nicht erreichen können, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Jorge Gomes, vor Journalisten. Die Zahl der Verletzten hatte Innenministerin Constança Urbano de Sousa am Sonntagabend mit 62 angegeben.

Eine von der Regierung angeordnete dreitägige Staatstrauer begann am Montag. Ministerpräsident António Costa sagte: "Die Tragödie schockiert uns durch ihre Dimension." Es ist der Waldbrand mit den meisten Todesopfern in Portugal seit Beginn der Aufzeichnungen.

Auch Präsident Marcelo Rebelo de Sousa sprach von einer "Tragödie". Ganz Portugal leide mit den Familien der Opfer, doch ebenso gross sei die Solidarität, erklärte er am Sonntagabend. Die Katastrophe in der abgeschiedenen ländlichen Region treffe Menschen, "von denen man kaum spricht", fügte er hinzu.

Die EU sagte dem Land Hilfe zu. Auf Bitten Portugals würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe drei Maschinen zugesagt. Zudem helfe Spanien mit zwei Flugzeugen.

Blitzeinschlag als Auslöser

Das Feuer war am Samstag aufgrund eines Blitzschlags an einem Baum in Pedrógão Grande ausgebrochen. Wegen starker Winde breitete es sich rasch aus und wurde vor allem für viele Autofahrer auf einer Nationalstrasse zur Todesfalle, als das Feuer ihre Wagen einschloss. Auf der "Todesstrasse", wie Medien schrieben, starben mindestens 30 Menschen. Viele Opfer verbrannten bis zur Unkenntlichkeit.

Zudem wurden in der dünn besiedelten, von Pinien- und Eukalyptusbäumen beherrschten Region Dutzende Häuser zerstört. Über die Grösse der zerstörten Waldfläche wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Viele Menschen sind schockiert und fassungslos. Eine ältere Frau weinte und rief: "Das ist das Ende der Welt." Eine andere Frau sagte im TV-Sender RTP: "Wir haben alles verloren, unser Haus, unsere Tiere, alles." Ein Mann meinte: "In meinen 53 Jahren habe ich so etwas nicht gesehen." (sda/dpa/afp)

Meist gelesene Artikel

Ein verletzter Blauhai musste auf Mallorca eingeschläfert werden (Symbolbild)
MALLORCA

Blauhai vor Mallorca sorgt für Panik

Diese Gruppe hatte einen Auftritt mitten im Dorf.
TRADITION

150'000 Besucher am Jodlerfest in Brig

Fall Malters: Am 9. März 2016 kam es hier zu einem Polizeieinsatz mit tödlichen Folgen.
PROZESS

Fall Malters: Psychologe war ein Anfänger

Der Schwanenplatz als Festmeile: Marash & Dave heizten dem Publikum am Samstagabend ein.
VERANSTALTER ZIEHEN BILANZ

100'000 Besucher feiern am Luzerner Fest

Heftige Blitzgewitter entluden sich in der Nacht auf Sonntag im Tessin. Es fiel viel, sehr viel Regen. (Archivbild)
WETTER

Überschwemmungen im Tessin – Temperaturen bleiben schweizweit sommerlich

Xherdan Shaqiri (links) demonstriert sein Können beim Torwandschiessen auf der Luzerner Allmend.
FUSSBALL

Shaqiri auf Besuch in Luzern: «Ich komme gerne und oft hierher»

Die Zentralschweizer in Brig: Stefan Fischer aus Fürigen (links), Obmann der Luzerner Fahnenschwingervereinigung, Dirigentin Erika Zanini mit Ehemann Reto und Sohn Raphael aus Schattdorf (oben rechts) und Richard Huwiler aus Ruswil, Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes.
JODLERFEST

«Jodeln ist Balsam für Herz und Seele»

Zeigte sich gut aufgelegt im ersten Training auf der Allmend: Rückkehrer Christian Schwegler.
FC LUZERN

Einwurfspezialist zurück in der Heimat

Voller Körpereinsatz: Walliser Fahnenschwinger gaben am gestrigen Festumzug in Brig alles.
EIDGENÖSSISCHES JODLERFEST

Alle Klassierungen auf einen Blick

Die Re 420 278-4 mit dem Wappen der Gemeinde Cham fährt für SBB Cargo.
ZUG/FRAUENFELD

Endlich gefunden: die Loki Cham

Zur klassischen Ansicht wechseln