Schweiz
21.04.2017 05:00

Ausländische Abgassünder im Visier

  • Ein Kontrolleur im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld.
    Ein Kontrolleur im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld. | Bild: Urs Flüeler/Keystone (20. April 2017)
MANIPULATIONEN ⋅ Knapp 100 Lastwagen mit manipulierten Abgassystemen sind in den letzten Monaten in der Schweiz entdeckt worden. Die Behörden wollen den Kampf gegen die Betrüger nun intensivieren.

Michel Burtscher

Vom «grossen Bschiss» bei den Lastwagen war die Rede, dem nächsten Abgasskandal: Anfang Februar hatte der Bund die Kantonspolizeien auf manipulierte Abgasanlagen von Lastwagen aufmerksam gemacht. Ein kleines Gerät, ein sogenannter Adblue-Emulator, verwandelt moderne Fahrzeuge in Dreckschleudern, die viel zu viel Stickoxid ausstossen (siehe Kasten). Zu Lasten der Umwelt sparen die Fuhrhalter so Geld. Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) wurden seither gegen 100 manipulierte Fahrzeuge entdeckt. Diese stammen ausschliesslich aus dem Aus­land, vor allem aus Osteuropa und Italien.

Am Donnerstag nun haben sich die involvierten Behörden und Branchenverbände getroffen und das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Abgassünder besprochen. Ihr Ziel ist es, Manipulationen an den Lastwagen künftig schneller und einfacher zu erkennen, wie sie nach dem Treffen mitteilten. Im Schwerverkehrskontrollzentrum (SVZ) bei Erstfeld in Uri informierten sich die Akteure gegenseitig darüber, wie die Adblue-Emulatoren an die Bordelektronik der Fahrzeuge angeschlossen werden können. Das erleichtere die Suche bei einer allgemeinen Kontrolle, da diese stets unter Zeitdruck ausgeführt werden müsse.

37 Manipulationsfälle bei 4000 Kontrollen

Doch wie gross ist das Ausmass der Manipulationen überhaupt? Für den «Kassensturz» hatte ein deutscher Umweltwissenschaftler im Februar stichprobenartig die Abgase ausländischer Lastwagen auf Schweizer Strassen untersucht. Das Fazit: Bei mehr als einem Viertel der Fahrzeuge stellte er zum Teil massive Überschreitungen des Stickoxid-Ausstosses fest. Ein solches Ausmass der Manipulation können die Behörden jedoch nicht nachweisen. «Wir können das mit unseren Kontrollen im Schwerverkehrszentrum Uri bisher nicht bestätigen», sagt dessen Leiter Stefan Simmen. Seit dem 10. Februar haben er und seine Mitarbeiter 37 Manipulationsfälle bei 4000 kontrollierten Fahrzeugen entdeckt. Das SVZ bei Erstfeld ist das grösste seiner Art in der Schweiz. Tag für Tag werden dort Lastwagen kontrolliert, die auf der Nord-Süd-Achse unterwegs sind. Simmen betont, man habe in den letzten zwei Monaten viel Zeit investiert und analysiert, wie die Abgassysteme der Lastwagen manipuliert werden. Die Kontrollen habe man dann entsprechend angepasst, sagt er. Simmen hat den Verdacht, dass es neben den eingebauten Emulatoren auch Softwaremanipulationen geben könnte. «Bisher konnten wir das aber noch nicht beweisen. Wir analysieren hier mit Hochdruck weiter», sagt er.

Geht den Kontrolleuren ein manipulierter Lastwagen ins Netz, befragen sie den Chauffeur ausführlich. Die Fahrer beteuern laut Simmen dabei jeweils, sie hätten nicht gewusst, dass ihre Fahrzeuge manipuliert sind. Das hilft ihnen aber nicht: Die Manipulation muss behoben werden, bevor sie weiterfahren dürfen. Es sei vor allem der Zeitverlust bei der Kontrolle durch die Polizei oder dann für den Rückbau vor Ort, der den Fahrern und Spediteuren wehtue, sagt Simmen. Denn: Die Bussenkaution beträgt in diesen Fällen lediglich 900 Franken.

Auch die Politik ist in dieser Sache unterdessen aktiv geworden: Die Berner Nationalrätin Regula Rytz fordert in einer Motion, dass der Bundesrat einen Aktionsplan gegen die «gesundheits- und umweltgefährdende» Manipulation von Abgasanlagen beim Schwerverkehr umsetzt. Konkret will sie, dass die Kontrollen intensiviert und eine Informationskampagne an der Grenze gestartet werden. Unterstützt wird die Parteipräsidentin der Grünen dabei unter anderem vom Aargauer SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner.

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