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GESUNDHEIT

Ärzte sollen zum Deutschtest

Seit Anfang Jahr müssen Spitäler prüfen, ob angestellte ausländische Ärzte genügend gut Deutsch können. Patientenschützern genügt die neue Regelung nicht: Sie fordern eine Sprachprüfung.
13.01.2018 | 12:00

Maja Briner

Wenn Arzt und Patient sich falsch verstehen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Angesichts der steigenden Zahl fremdsprachiger Ärzte in der Schweiz hat das Parlament deshalb das Gesetz verschärft: Seit Anfang Jahr müssen sich Mediziner in einem öffentlichen Berufsregister eintragen lassen, in dem auch die Sprachkenntnisse vermerkt werden. Spitäler und andere Arbeitgeber müssen prüfen, ob ihre Ärzte über die notwendigen Sprachkompetenzen verfügen. Auch die Kantone müssen diese unter die Lupe nehmen, bevor sie eine Berufsbewilligung erteilen.

Für die Spitäler bedeutet die neue Regelung einen zusätzlichen admini strativen Aufwand: Sie müssen sicherstellen, dass alle bei ihnen beschäftigten Ärzte den notwendigen Sprachnachweis innerhalb von zwei Jahren liefern. Der Aufwand sei aber gerechtfertigt, sagt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbands H+. Die Spitäler hätten zwar schon bisher darauf geachtet, dass die Ärzte über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügten. Daher ändere die neue Regelung kaum etwas, sagt er. Dennoch sei das neue Gesetz eine Verbesserung: «Der Fortschritt ist, dass es jetzt klar geregelt ist. Das verhindert schwarze Schafe.»

«Prekäre Situationen»

Doch Patientenschutzorganisationen bezweifeln das. Die neue Regelung zur Sprachkompetenz genügt nach Ansicht der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz nicht. «Die gestellten Anforderungen sind zu tief», sagt Geschäftsführerin Barbara Züst. Sie fordert, dass fremdsprachige Ärzte eine Sprachprüfung nachweisen müssen. Das ist auch nach der jüngsten Gesetzesänderung nicht der Fall.

Patientenschützer berichteten in der Vergangenheit wiederholt von Fällen, in denen Ärzte zu wenig gut Deutsch konnten. «Wir hören insbesondere im psychiatrischen Bereich von prekären Situationen», sagt Züst. Weil der Ärztemangel dort schon länger gross sei, gäbe es immer mehr Psychiater, die nicht deutscher Muttersprache seien. Dabei sei gerade in diesem Bereich die Kommunikation sehr wichtig. «Für Patienten, die beispielsweise unter Depressionen leiden, ist es oft sowieso schon ermüdend, darüber zu sprechen. Wenn der Psychiater dann nur die Hälfte versteht, resigniert der Patient», sagt Züst.

Um die Sprachkenntnisse von Ärzten zu beurteilen, steht Arbeitgebern und Kantonen neu unter anderem das Berufsregister zur Verfügung. Dort können Ärzte alle Sprachen eintragen lassen, bei denen sie über das Niveau B2 verfügen, das grundsätzlich als Mindestanforderung für ihre Arbeit gilt. Eine Prüfung braucht es für den Eintrag aber nicht: Hat zum Beispiel ein griechischer Arzt eine Weiterbildung auf Deutsch gemacht oder innerhalb der letzten zehn Jahre drei Jahre in einem deutschsprachigen Gebiet gearbeitet, gilt dies als Nachweis, dass er das Niveau erfüllt.

Keine «falschen» Ärzte mehr

Wie viele Ärzte nicht die nötigen Sprachkenntnisse haben, ist unklar. Beim Ärzteverband FMH heisst es, man verfüge über keine Zahlen. «Aufgrund von Äusserungen einzelner Patientenvertreterinnen muss die FMH aber davon ausgehen, dass es solche Fälle gibt», erklärt der Verband. Ob die neue Regelung griffig genug ist, könne die FMH so kurz nach Inkrafttreten nicht beurteilen. «Dies wird man in den nächsten Monaten sehen», sagt eine Sprecherin.

Einig sind sich FMH und die Stiftung SPO Patientenschutz über den Nutzen des obligatorischen Berufsregisters: Dieses erhöhe die Patientensicherheit. Durch die vollständige Registrierung werde das Risiko von «falschen» Ärzten – also Hochstaplern – eliminiert, heisst es bei der FMH. Zudem erhöht es die Transparenz für die Patienten: Das Register ist online für alle einsehbar. Patienten können so unter anderem nachschauen, über welche Weiterbildungen ein Arzt verfügt.

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