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KOMMENTAR

Heirats­strafe: Aufgeblasenes Problem

Redaktor Tobias Bär über die sogenannte Heiratsstrafe und das neue Steuermodell für Paare.
21.03.2018 | 21:44

Von einer allgemeinen steuerlichen Benachteiligung von Verheirateten gegenüber Konkubinatspaaren kann keine Rede sein. 330000 Ehepaare, die meisten davon im Rentenalter, sind bei den Steuern tatsächlich schlechtergestellt. 370000 Ehepaare geniessen im Vergleich mit unverheirateten Paaren in gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen aber gar einen Bonus. Für die Behebung eines Problems, das die Mehrheit der Verheirateten also gar nicht kennt, will der Bundesrat Steuereinbussen von über einer Milliarde Franken pro Jahr in Kauf nehmen.

Dies notabene nur zwei Jahre, nachdem das Volk eine CVP-Initiative gegen die «Heiratsstrafe» abgelehnt hat. Das knappe Nein war allerdings in erster Linie den Konstruktionsfehlern der Initiative geschuldet. Das Argument, Ehepaare dürften steuerlich nicht länger benachteiligt werden, fand auch im Lager der Gegner breite Zustimmung. Unter Zugzwang stand der Bundesrat zudem durch das Drängen des Parlaments. Der Vorschlag einer alternativen Steuerberechnung scheint nun mehrheitsfähig zu sein. Zu hoffen ist es. Dann wäre das Problem der «Heirats­strafe», das seit Jahren grösser gemacht wird, als es ist, endlich vom Tisch.

Tobias Bär

schweiz@luzernerzeitung.ch

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