Schweiz
18.05.2017 12:02

Graubünden arbeitet dunkles Kapitel auf

  • Ein Blick in die Geschichte Graubündens: Regierungsrat Martin Jäger mit der neuen Studie über fürsorgerische Zwangsmassnahmen.
    Ein Blick in die Geschichte Graubündens: Regierungsrat Martin Jäger mit der neuen Studie über fürsorgerische Zwangsmassnahmen. | Ruedi Lämmler/sda
VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG ⋅ Graubünden hat als einer der ersten Kantone die Geschichte über 150 Jahre fürsorgerische Zwangsmassnahmen wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Publikation beleuchtet vor allem die "Korrektionsanstalta Realta", wo 1500 Menschen zwangsweise untergebracht worden waren.

Die am Donnerstag in Chur vorgestellte Studie beleuchtet administrative Versorgungen, Fremdplatzierungen und Entmündigungen in Graubünden vom 19. Jahrhundert bis heute. Ein wichtige Rolle spielte die "Korrektionsanstalt Realta" in Cazis. Sie war Mitte des 19. Jahrhunderts eine der ersten derartigen Anstalten in der Schweiz.

Vormundschaftsbehörden konnten in Realta "liederliche", "arbeitsscheue" und "herumziehende" Arme einweisen und jahrelang festhalten lassen, ohne dass die Betroffenen straffällig geworden wären. In einer Zeit, in der Armut als individuelles Versagen gedeutet wurde, wollten die Behörden abnorme Leute erziehen und disziplinieren. Etwa 1500 Personen sollen in Realta zwangsweise untergebracht worden sein.

Mehrere tausend Betroffene

Insgesamt seien in Graubünden mehrere tausend Personen von Zwangsmassnahmen betroffen gewesen, sagte Tanja Rietmann, die Hauptautorin der Studie von der Universität Bern, ohne genauere Zahlen nennen zu können. Im Vergleich seien Graubünden so viele fürsorgerischen Massnahmen angeordnet worden wie in anderen Kantonen, nicht mehr und nicht weniger.

Die 180 Seiten umfassende Studie, die im Auftrag der Bündner Regierung erstellt wurde, ist eine der ersten in der Schweiz, welche beschreibt, wie die Behörden in einem Kanton bei den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen agierten. (sda)

Meist gelesene Artikel

Blick auf das Sporthuus an der Luzernerstrasse.
EBIKON

Das «SportHuus» schliesst

Tobias Gafafer
KOMMENTAR

Leuthards Coup stärkt die SRG

EBIKON

Exklusiver Blick in die Mall of Switzerland

In sogenannten Repair-Cafés können defekte Geräte gemeinsam mit Reparaturprofis repariert werden.
LUZERN

Am Samstag wird geflickt wie noch nie

Taulant Xhaka lässt sich feiern: Er traf mit einem schönen Schuss zum 1:0
CHAMPIONS LEAGUE

Der FC Basel gewinnt in Moskau

KANTON LUZERN

Verkehrsunfall in Sursee – dunkler Personenwagen gesucht

Die Surfwelle in Ebikon wird nach dem Vorbild München (Bild) gebaut.
EBIKON

Surf-Indoorwelle eröffnet erst im März 2018

So könnte das Surseer Gebiet Münchrüti-Kleinfeld dereinst aussehen.
BAUEN

Sursee setzt auf neues Quartier

Ein Knabe in der Erziehungsanstalt Sonnenberg in Kriens. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1944.
KRIENS

Gedenktafel erinnert an Kinderleid

Der grösste aller Zentralschweizer Arbeitgeber ist das Luzerner Kantonsspital.
PERSPEKTIVEN 2018

Die 100 grössten Arbeitgeber der Zentralschweiz

Zur klassischen Ansicht wechseln