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LÄRM

Feuerwehr, Polizei und Sanität nachts mit Blaulicht, aber ohne Sirene

Feuerwehr, Polizei und Sanität sollen künftig nachts auf die Sirene verzichten können. Das schlägt der Bundesrat vor. Der Feuerwehrverband fürchtet um die Sicherheit auf der Strasse.
20.05.2017 | 05:00

Maja Briner

Wenn die Feuerwehr nachts ausrückt, kann die Sirene den einen oder anderen aus dem Schlaf reissen. Das stört den Genfer Nationalrat Roger Golay (MCG): Er verlangt, diese Lärmbelastung müsse reduziert werden. Die Forderung stösst beim Bundesrat auf offene Ohren: Er strebt eine Neuregelung an, wie er in seiner Antwort auf Golays Motion schreibt. Konkret sollen Feuerwehr, Sanität und Polizei nachts nur das Blaulicht einschalten und auf die Sirene verzichten können, wie das Bundesamt für Strassen erklärt. Heute ist das nur dann erlaubt, wenn der Fahrer sich im Wesentlichen an die Verkehrsregeln hält. Sobald er aber zum Beispiel ein Rotlicht überfahren will, muss er die Sirene benutzen – selbst wenn die Strassen leergefegt sind. Der Bundesrat will den Vorschlag noch dieses Jahr in die Vernehmlassung geben.

Die Idee begeistert jedoch nicht alle. Der Schweizerische Feuerwehrverband befürchtet, dass die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer sinken würde. Walter Pfammatter, stellvertretender Direktor des Verbands, mahnt: «Bereits heute stellen wir fest: Den Verkehrsteilnehmern ist immer weniger bewusst, dass eine dringliche Dienstfahrt eine ausserordentliche Situation darstellt.» Sie reagierten spät oder falsch oder gar nicht – und gefährdeten dadurch sich und andere. Werde die Lautstärke der Sirene massiv reduziert oder falle diese ganz weg, so werde diese Gefahr noch grösser, warnt der Feuerwehrverband.

Beim Verband Schweizerischer Polizeibeamter kommt der Vorschlag des Bundesrat hingegen grundsätzlich gut an. Dieser sei interessant, sagt Generalsekretariat Max Hofmann. «Wir haben Verständnis, dass das Horn nachts als Stör- und Stressfaktor wahrgenommen wird.» Hofmann glaubt nicht, dass es ohne Sirene zu mehr Unfällen mit Polizeiautos kommen würde. «Das Blaulicht wird in der Dunkelheit deutlich besser wahrgenommen als tagsüber. Es bringt wahrscheinlich nachts viel mehr als die Sirene», sagt er.

Der Verband fordert aber eine eindeutige Regelung. «Die Spielregeln müssen klar sein, es darf keinen Interpretationsspielraum geben», sagt Hofmann. «Es muss vorgeschrieben sein, dass zum Beispiel von 23 Uhr abends bis 6 Uhr morgens das Horn nicht benutzt werden darf.» Eine Regelung, dass unter gewissen Umständen auf die Sirene verzichtet werden kann, lehnt der Verband ab. Denn die Verantwortung dafür, ob die Sirene eingeschaltet würde, läge dann bei den Polizisten. Kommt es zu einem Unfall, könnte der fahrende Polizist je nachdem dafür bestraft werden, dass er die Sirene nicht eingeschaltet hat. «Das wäre problematisch», sagt Hofmann.

Diese Bedenken teilt auch der Feuerwehrverband. Die Rechtsunsicherheit für die Einsatzkräfte würde dadurch noch grösser, warnt Pfammatter. «Denn während wir innert Sekunden und Minuten entscheiden müssen, kann der Richter nach monatelangem Aktenstudium immer etwas finden, wenn er will.»

Reduktion wäre gut für die Gesundheit

Besonders betroffen vom Sirenen-Lärm der sind beispielsweise Anwohner von grossen Spitälern. Was bedeutet das für ihre Gesundheit? Laut Martin Röösli, Leiter der Abteilung Umwelt und Gesundheit am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel, ist bisher nicht untersucht worden, ob die nächtliche Lärmbelästigung durch die Sirenen langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Rööslis Forschungsgruppe hat aber kürzlich zwei Studien veröffentlicht, die zeigen, dass Verkehrslärm das Risiko erhöht, an Diabetes zu erkranken oder an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben. Bei letzteren gab es laut Röösli einige Indizien, dass vor allem der Nachtlärm entscheidend ist. «Unbestritten ist, dass Schlafmangel langfristig die Gesundheit schädigt», sagt der Forscher. «Daher ist die Reduktion jeglicher Lärmquellen in der Nacht grundsätzlich gut für die Gesundheit.»

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