Schweiz
14.11.2017 13:03

Putzerfische reinigen weniger gut

  • Selbst im Maul der Muräne muss der Putzerlippfisch nichts befürchten: Der Reinigungsservice ist hoch willkommen.
    Selbst im Maul der Muräne muss der Putzerlippfisch nichts befürchten: Der Reinigungsservice ist hoch willkommen. | Silke Baron / Wikimedia Commons CC BY 2.0
KLIMA ⋅ Das Absterben des Great Barrier Reefs setzt Putzerfischen zu: Ihr Bestand ist um 80 Prozent zurückgegangen, wie eine Studie der Uni Neuenburg zeigt. Damit reagieren sie offenbar deutlich empfindlicher als andere Arten am Korallenriff.

Das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens leidet unter dem Klimawandel: Warme Wassertemperaturen und mehrere Zyklone in den letzten Jahren haben grosse Teile des Riffs absterben lassen oder stark beschädigt. Das hat sich nicht nur auf den Bestand, sondern auch auf die Qualität der Arbeit sogenannter Putzerfische ausgewirkt, wie Neuenburger Forschende im Fachblatt "Global Change Biology" berichten.

Diese Fische reinigen andere Fischarten, indem sie Parasiten und abgestorbene Haut von ihrer Körperoberfläche entfernen. Damit tragen sie zum Gleichgewicht und zur Gesundheit des Ökosystems bei. Redouan Bshary und sein Team von der Uni Neuenburg studieren seit 20 Jahren das Verhalten des Putzerlippfischs Labroides dimidiatus, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte.

Für die nun vorgestellte Studie verglich Doktorandin Zegni Triki Daten über den Putzerlippfisch, die zwischen 2003 und 2010/2011 gesammelt wurden, mit solchen aus den Jahren 2014 bis 2016.

Kein Vorzug mehr für Besucher

Dabei stellte sie fest, dass sich das Verhalten der Putzerfische verändert hat: Vor den besonders warmen und für das Riff sehr zerstörerischen Jahren 2014 bis 2016 gaben die Putzerlippfische Riffbesuchern, die quasi auf der Durchreise sind, den Vorzug gegenüber Riffbewohnern. 2016 war diese Strategie jedoch verschwunden, schrieb die Universität.

Weil der Bestand der Putzerfische um 80 Prozent zurückging, finden viele der Riffbesucher nicht auf Anhieb einen Reinigungsservice und müssen warten. Dabei werden sie von den Putzern jedoch nicht mehr prioritär behandelt.

Weniger Imagebewusstsein

Zudem scheinen sich die Putzerlippfische weniger um ihren guten Ruf zu scheren: Bshary und Kollegen hatten in einer früheren Studie gezeigt, dass sich die Putzerfische bei der Reinigung eines Klienten sozialer verhalten, wenn ein potenzieller neuer Kunde ihnen zusieht. Dieses Imagebewusstsein habe jedoch abgenommen, berichten die Forschenden.

Durch die verschlechterten Umweltbedingungen am Great Barrier Reef habe somit die Qualität und Effizienz der Arbeit der Putzerfische abgenommen. Da das Verhalten der Fische auf individuellem Lernen beruht, lasse sich dies aber auch wieder umkehren, betonen die Wissenschaftler. Vorausgesetzt der Zustand des Great Barrier Reefs verbessere sich. (sda)

Meist gelesene Artikel

Es weihnachtet in der Mall – sicher auch zur Freude ausländischer Touristen.
SHOPPING

Erst auf den Pilatus – dann in die Mall?

Das Epizentrum des Erdbebens war in Zug. Im Raum Zürich und Luzern war es kaum spürbar.
ERDBEBEN

In Zug hat die Erde gezittert

Stau auf der Seebrücke in der Stadt Luzern.
VERKEHR

Luzern – eine unerreichbare Stadt?

Der tödliche Unfall ereignete sich im Sonnenbergtunnel in südlicher Fahrtrichtung.
STADT LUZERN

Cabriolet-Fahrer stirbt nach Unfall im Sonnenbergtunnel

Ueli Maurer sitzt fest im Sattel – trotzdem bringt sich Magdalena Martullo-Blocher bereits als mögliche Nachfolgerin ins Spiel.
SPEKULATIONEN

Magdalena Martullo-Blocher: Eine Kandidatin, aber kein Posten

Die ersten Pirouetten auf dem Eisfeld beim KKL können ab Samstag gedreht werden.
LUZERN

Vorweihnächtliches Angebot: Vier Märkte, ein Eisfeld und Besinnliches

Beim Unfall entstand ein Sachschden von ca. 15'000 Franken.
ESCHENBACH

Autofahrer fährt Knabe auf Velo an und flüchtet

Die Zuger Marisa Gnos und Oliver Müller in der Kategorie Sie und Er (links). Simon Stalder vom TV STV Rickenbach (oben) am Barren und Nicole Strässle vom BTV Luzern am Boden.
GERÄTETURNEN

Schweizer Meisterschaften: «Wahnsinnig, diese Innerschweizer»

Christian Schneuwly (links) und der FCL tauchten erneut gegen Lausanne.
FUSSBALL

Alarm beim FC Luzern wegen der Ausbeute gegen die «Kleinen»

Eine Patrouille der Luzerner Polizei: Laut dem Kommandanten braucht es mehr Personal.
LUZERNER POLIZEI

Das Polizeikorps wächst nicht gleich schnell wie unsere Bevölkerung

Zur klassischen Ansicht wechseln