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ALEXANDER STUDHALTER

Umstrittener Luzerner Investor legt sein Vermögen offen

Obwohl mit allen Merkmalen für ein Promi-Leben gesegnet, hat er das Rampenlicht bisher gescheut. Nun hat Alexander Studhalter genug vom Ruf des Schattenmanns und legt sogar die Steuerrechnung auf den Tisch.
03.12.2017 | 05:00

Balz Bruppacher

Es sind zwei Ereignisse, die den gelernten Buchhalter mit Geschäftsbeziehungen auf der halben Welt veranlassen, sich zu «outen», wie er es formuliert. Da ist zum einen die Qualifikation als Strohmann. Sie ging vor zehn Tagen wieder durch die Medien, als der russische Oligarch Suleiman Kerimow in Südfrankreich vorübergehend festgenommen wurde. Zum anderen kann Alexander Studhalter es gerade jetzt nicht brauchen, wenn seine Integrität in Frage gestellt wird. Hat er doch soeben 84 Millionen Euro in die Hand genommen, um mit dem Medienunternehmer und FC-Basel-Präsidenten Bernhard Burgener die Münchner Constantin Medien AG zu übernehmen.

Der 49-jährige Luzerner kann zwar verstehen, dass viele Lampen rot leuchten, wenn von russischen Oligarchen die Rede ist. Er wehrt sich aber gegen pauschale Vorurteile. «Ich kenne Suleiman seit über zwei Jahrzehnten, er ist mein Geschäftspartner und ein persönlicher Freund», sagt Studhalter und fügt hinzu: «Er ist regelmässig ein Gast in Südfrankreich.» Südfrankreich oder genauer gesagt die Halbinsel von Cap d’Antibes ist auch der «Tatort», um den sich die Auseinandersetzungen mit der französischen Justiz drehen.

Villenkauf in Südfrankreich als Streitobjekt

Und das kam nach Darstellung von Studhalter so: Er selber war es, der sein Auge auf «diesen wohl schönsten Flecken der Erde» an der Côte d’Azur geworfen und 2006 dort die legendäre Villa «Medy Roc» mit direktem Meerzugang erworben hatte. Drei weitere Villen rund um das 70 000 Quadratmeter grosse Grundstück kamen bis 2010 hinzu, zuletzt die Villa «Hier». Der Rechtsstreit betrifft einerseits den Kaufpreis; anderseits geht es um die Frage, wer an Land und Villen wirklich berechtigt ist.

Studhalter bezahlte nach eigenen Angaben 35 Millionen Euro, nachdem ein unabhängiges gerichtliches Gutachten den Wert auf gut 31 Millionen Euro geschätzt hatte. Mehr als sechs Jahre ­später eröffnete das Untersuchungsrichteramt in Nizza Ende 2014 eine Voruntersuchung gegen Studhalter wegen Verdachts auf Geldwäscherei und Steuerbetrug. Grund: Der tatsächliche Kaufpreis der Villa habe 127 Millionen Euro betragen. Studhalter wehrte sich in einem ersten Anlauf erfolgreich gegen die Vorwürfe. Nach einem Wechsel im Untersuchungsrichteramt kamen die Beschuldigungen im März dieses Jahres aber erneut auf den Tisch. Die Villa «Hier» wurde am 22. Mai beschlagnahmt. Studhalter wird zudem verdächtigt, beim Villenkauf als Strohmann für Kerimow agiert zu haben.

Studhalter weist alle Vorwürfe zurück und ist überzeugt, dass er fälschlicherweise ins Visier der Justiz geriet. Und zwar im Zuge eines Steuerverfahrens gegen den französischen Verkäufer der Villa. Zum Verdacht, er habe als Strohmann für Kerimow gehandelt, sagt er: «Sämtliche meiner Immobilien in Südfrankreich gehören ohne Einschränkung mir, und ich habe alle Geschäfte ausschliesslich auf meine Rechnung und in meinem Namen getätigt.» In einem längeren Gespräch am Sitz seiner Holding in Luzern gibt sich der Unternehmer gelassen und auskunftsfreudig. Ein bisschen zu ärgern scheint ihn allerdings, dass man ihm nicht zutraut, seine Investitionen selber zu finanzieren.

Vermögen von 191 Millionen auf der Steuerrechnung

Als Beweis des Gegenteils legt der in Horw wohnhafte Studhalter die jüngste Steuerrechnung auf den Tisch. Demnach verfügen er und seine Frau über ein steuerbares Vermögen von 190,991 Millionen Franken. Das steuerbare Einkommen beträgt 5,675 Millionen. Und auf dem Einzahlungsschein der Horwer Steuerverwaltung steht für 2017 ein Steuerbetrag von 1 555 249.95 Franken. Ein Blick in Revisionsberichte seiner beiden Holdinggesellschaften Swiru und Stuurman Holding bestätigt, dass es Studhalter nicht an Geld mangelt. Das in französischen Medien verwendete Attribut Milliardär sei allerdings insofern nicht zutreffend, als dies das Vermögen der gesamten Familie berücksichtige, sagt er.

Ist es vor allem das Vermögen der Eltern, das den 49-Jährigen zu einem derart reichen Mann gemacht hat? Studhalter verneint nicht, dass das Elternhaus finanzielle Starthilfe bot. Familiäre Beziehungen standen auch am Anfang der Russland-Connection. «Schon zu Zeiten der Sowjetunion hatten wir immer wieder Kontakte nach Russland», erinnert sich Studhalter. Und zwar über den Rudersport. Vater Rudolf Studhalter war im Internationalen Ruderverband und in der Lucerne Regatta Association aktiv, der er heute noch als Ehrenpräsident angehört.

Als 20-Jähriger PCs nach Russland verkauft

So kam es, dass Studhalter 1988 als 20-Jähriger neben der Ausbildung zum Bücherexperten damit begann, Personalcomputer nach Russland zu liefern. Abnehmer war der sowjetische Staat. «Dank dieser Erfahrung konnte ich ein Netzwerk aufbauen, das mir in den wilden 90er-Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zugutekam», sagt Studhalter. 1996 begegnete er dem Geschäftsmann Suleiman Kerimow, der zur wichtigen Bezugsperson wurde. In Luzern gründete Studhalter 1996 die Swiru Holding AG (Abkürzung von Switzerland und Russia). Im folgenden Jahrzehnt folgten zahlreiche Investitionen in Russland, unter anderen im Luftverkehr, im Energie- und Rohstoffsektor sowie im Finanzwesen. «Ich war zeitweise Grossaktionär von Gazprom, als die Gesellschaft noch unterbewertet war», sagt Studhalter.

Sein Geschäftscredo umschreibt er wie folgt: investieren, restrukturieren, Mehrwert schaffen und neue Investitionsobjekte suchen. So stieg Studhalter aus dem Engagement im Luftverkehr und im Ölgeschäft wieder aus, mit Gewinnen in dreistelliger Millionenhöhe. Im Vordergrund stehe die Absicht, festgefahrene Situationen wie nach dem Untergang der Sowjetunion zu deblockieren und neue Perspektiven zu schaffen, sagt Studhalter. Die Rollen zwischen Kerimow und ihm seien dabei stets getrennt gewesen. «Er brachte seine Beziehungen und sein Wissen um die Investitionsobjekte ein; ich kümmerte mich um Strukturierung und Neuausrichtung», sagt Studhalter.

Seit einer Refokussierung im Jahr 2006 konzentriert Studhalter seine Investitionen auf die institutionelle Vermögensverwaltung, auf Immobilien der obersten Preisklasse und auf den Grundstückerwerb in Moskau und Umgebung. Zu dieser Strategie gehören auch die Käufe der Villen auf Cap d’Antibes. Studhalter hat dort ein Luxus-Resort errichtet, das exklusiv seinen Freunden und Geschäftspartnern zur Verfügung steht. 55 Mitarbeiter lesen den Mietern alle Wünsche von den Lippen ab. Studhalter selber fliegt in der Regel freitags für das Wochenende hin. Persönlichen Luxus gönnt sich der Luzerner unter anderem mit einem Ferrari. Das Auto mit der Chassis-Nummer 399 geriet 2006 in die Schlagzeilen, als Kerimow am Steuer sass und in Nizza einen schweren Unfall baute. Daneben hat Studhalter «eine kleine Bugatti-Sammlung».

Wenig Flair für den Fussball

Protziges Auftreten ist aber nicht sein Ding. Mit ein Grund, dass Studhalter und seine Familie nicht auf den einschlägigen Listen über die Reichsten im Lande figurieren. Auch das Mäzenatentum hängt der Luzerner nicht an die grosse Glocke. «Es ist mir wichtig, dass wir auch etwas von unserem Erfolg zurückgeben», sagt er. Zusammen mit seinem acht Jahre jüngeren Bruder Philipp sitzt er im Stiftungsrat der Suleyman Kerimov Foundation, die laut Stiftungszweck in Not und in Bedrängnis geratene Menschen unterstützt. Eine eigene wohltätige Stiftung will Studhalter demnächst mit seiner Frau gründen. «Ready for the family» lautet das Motto. Mit dabei ist Studhalter bei der soeben gegründeten Blue Balls Foundation, die dem gleichnamigen Luzerner Festival den Nachwuchs sichern soll.

Und wie steht es mit dem Fussball? Sein Bruder Philipp präsidiert den FC Luzern, Geschäftspartner Kerimow hat riesige Summen in den FC Anzhi Makhachkala in Dagestan investiert, und nun kommt FC-Basel-Präsident Bernhard Burgener als neuer Partner hinzu. Alexander Studhalter winkt ab: «Fussball als reines Hobby ist nicht meine Sache, was aber nicht bedeutet, dass mich das Geschäft mit dem Fussball nicht fasziniert, ja interessiert, ist es doch ein wichtiger und wertvoller Bestandteil des Investments in die Gruppe von Bernhard Bur­gener.» Seine sportliche Liebe gilt mehr noch dem Rudersport, sass er doch als 18-Jähriger bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Schweizer Achter. Ein Gemälde mit rudernden Frauen schmückt auch das schlichte Sitzungszimmer am Sitz seiner Gesellschaften. Dass Studhalter angesichts der jüngsten Ereignisse geschäftlich ins Rudern kommt, scheint hingegen wenig wahrscheinlich.

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