Wirtschaft
12.11.2017 05:00

Vier-Sterne-Hotels fast so günstig wie Jugendherbergen

  • Jugendherbergen sind nach wie vor sehr populär, auch weil sie so gar nichts mehr mit den alten Massenlagern mit ihren verstaubten Decken ­gemein haben. Im Bild der Wellnessbereich der Jugendherberge Saas Fee.
    Jugendherbergen sind nach wie vor sehr populär, auch weil sie so gar nichts mehr mit den alten Massenlagern mit ihren verstaubten Decken ­gemein haben. Im Bild der Wellnessbereich der Jugendherberge Saas Fee. | Bild: Maxime Schmid/Keystone (19. Oktober 2014)
PARAHOTELLERIE ⋅ Die Krise ist ausgestanden. Der CEO der Schweizer Jugendherbergen erwartet eine «vielversprechende Saison». Probleme bereitet ihm dagegen der Preiskrieg der Vier-Sterne-Häuser in den Städten.

Interview: Dominik Buholzer

Fredi Gmür, Schweiz Tourismus verkündete dieser Tage die Trendwende bei den Gästezahlen. Ist die Krise ausgestanden?

Es ist unglaublich, was abläuft, seit sich der Franken gegenüber dem Euro zwischen 1.15 und 1.16 bewegt. In den letzten zwei, drei Monaten haben wieder spürbar mehr Europäer Ferien bei uns in der Schweiz gebucht. Erfreulich ist insbesondere das Comeback der Deutschen.

Ist bei den Schweizer Jugendherbergen also Aufatmen angesagt?

Es atmet die gesamte Branche auf. Es kann eine vielversprechende Saison geben.

Was ist dafür entscheidend?

Früher Schnee – den haben wir jetzt. Nun muss er noch bleiben. Das ist nach zwei schneearmen Wintern ganz entscheidend.

Ab nächstem Jahr hat Schweiz Tourismus mit Martin Nydegger einen neuen Direktor. Was erwarten Sie von ihm?

Zuerst einmal muss ich vorausschicken, dass seine Wahl für alle im Tourismus eine kleine Überraschung war. Niemand hatte gedacht, dass ein Mitglied der Geschäftsleitung für Jürg Schmid nachrücken könnte.

Hätten Sie sich gewünscht, dass ein Externer das Rennen macht?

Ganz im Gegenteil: Ich bin sehr glücklich. Es war gerade in der jetzigen Situation sehr wichtig, dass ein Tourismusfachmann ans Ruder kommt.

Weshalb?

Wir haben keine Zeit für Experimente. Je mehr Zeit wir verlieren, desto mehr wirft dies uns zurück.

Was erwarten Sie von Martin Nydegger?

Er wird weniger Ecken und Kanten haben als sein Vorgänger. In diesem Sinne hoffe ich, dass er die Branche einen kann. Es gibt zu viele Player, die nur ihren eigenen Erfolg im Auge haben. Ich traue ihm zu, dass er Inputs setzen kann, dass wir wieder mehr an einem Strick ziehen.

Die Schweizer Jugendherbergen vermochten sich trotz der widrigen Umstände auch 2016 behaupten. Mit einem Minus von 3 Prozent schnitten sie im Vergleich zu den anderen Branchenteilnehmern gut ab.

Das stimmt. Aber auch ein Minus von 3 Prozent ist für mich zu viel.

Wie sieht es für das aktuelle Jahr aus?

Wir werden bei den Logiernächten zulegen können. Vor allem die Buchungen für den Winter entwickeln sich sehr erfreulich. Zu schaffen macht uns aber das Preisdumping der Hotellerie in den Städten. Zimmer in einem Vier-Sterne-Hotel sind plötzlich nicht mehr viel teurer als in einer Jugendherberge.

Was tun Sie?

Wir führen auf den Winter hin ein dynamisches Preismodell ein. Das heisst, die Preise variieren von Tag zu Tag, passen sich den Umständen an, so auch dem Verhalten der Mitbewerber. Wir haben dazu eigens eine Stelle und klare Regeln geschaffen: Der Preis für ein Zimmer darf sich maximal um 25 Prozent nach oben und unten bewegen. Ausserdem vereinfachten wir das Preissystem für Kinder, und bei Schulgruppen übernachten die Begleitpersonen gratis.

Interessant. Ich dachte, die grösste Konkurrenz würde Airbnb darstellen?

Natürlich könnte ich jetzt jammern ... Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen. Wir fordern vom Gesetzgeber aber, dass für Airbnb bezüglich Sicherheitsbestimmungen und Taxen die gleichen Spielregeln gelten wie für alle anderen Player. Es geht nicht an, dass ein Anbieter bevorzugt wird.

Ist die Aufregung um Airbnb nicht ein wenig übertrieben?

Ich bin nicht für ein Verbot. Aber wir dürfen auch nicht einfach zuschauen. Wenn es Immobilienfirmen gibt, die 21/2-Zimmer-Wohnungen auf Airbnb für 1700 Franken am Wochenende vermieten, kann ich nur den Kopf schütteln. Es geht letzten Endes auch um das Image der Schweiz als Ferienland. Solche Angebote sind nicht mehr seriös.

Wird dieses Problem nicht der Markt selber lösen?

Bis Airbnb eingreift und einen Anbieter vom Netz nimmt, braucht es sehr viel. Also darauf können wir uns nicht verlassen.

In Luzern wollen Sie eine zweite Jugendherberge eröffnen. Mit gut 300 Betten wird es eine der grössten der Schweiz. Standort soll beim Verkehrshaus sein. Wann ist es so weit?

Ich hoffe, wir können das Projekt im Jahre 2020 umsetzen. Die Lage ist einmalig. Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten.

Auffallend viele Südkoreaner übernachten in Jugendherbergen. Nach den Schweizern und den Deutschen ist es die drittgrösste Nation. Wie kommt das?

Jugendherbergen gelten bei Südkoreanern als sichere Unterkünfte. Zudem gibt es in Südkorea selber bereits ein gut ausgebautes Netz an Jugendherbergen. Das spielt uns in die Hände. Ganz abgesehen davon, dass sie unauffällige, angenehme Gäste sind.

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