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REISEN

Früh buchen lohnt sich doppelt

Der Euro dürfte gegenüber dem Franken dieses Jahr noch weiter zulegen. Die Sommerferien in Spanien, Griechenland oder Frankreich verteuern sich dadurch. Wer früh bucht, kommt günstiger weg.
18.01.2018 | 05:00

Rainer Rickenbach

TUI Suisse geht davon aus, dass die Preise für Badeferien am nördlichen Mittelmeer im Sommer zwei Prozent höher ausfallen als vor einem Jahr. Doch nur ein Teil davon hat seine Ursache im höher bewerteten Euro. «Auch die starke Nachfrage nach Mittelmeerdestinationen im letzten Sommer ist ein Grund für die teureren Preise», sagt TUI-Suisse-Sprecherin Bianca Schmidt. Vor allem in Spanien ziehe der Ansturm von 2017 ein höheres Preisniveau nach sich, ergänzt Prisca Huguenin-dit-Lenoir von Hotelplan Suisse. Auch sie rechnet mit einer leichten Preiserhöhung für Reisearrangements in den Euroländern am Mittelmeer. Damit hält sich der Preissprung zumindest vorerst in Grenzen. Denn die europäische Gemeinschaftswährung hat im Vergleich zum Franken innert einem Jahre zehn Prozent an Wert gewonnen. Kostete der Euro vor zwölf Monaten noch 1.06 Franken, so sind es jetzt mehr als 1.17 Franken.

Reiseveranstalter machen tagesaktuelle Preise

Die Zeiten sind vorbei, als die Reiseveranstalter Kontingente an Hotelzimmern und Flugzeugplätzen ein Jahr zu fixen Preisen im Voraus kauften, um sie danach zu ebenso festen Preisen an die Kunden weiterzureichen. Ein solcher Ablauf käme den Schweizer Konsumenten jetzt zugute. «Heute sind unsere Preise tagesaktuell. Steigt die Währung des Ziellandes zum Zeitpunkt der Buchung, wird es für die Kunden teurer. Verliert sie an Wert, kommen die Ferien günstiger zu stehen. Wir können den Wechselkurs nicht beeinflussen, denn wir verkaufen Reisen und sind keine Bank», sagt Huguenin-dit-Lenoir von Hotelplan Suisse. Auch bei TUI Suisse, Teil des marktmächtigen deutschen Reisekonzerns TUI, gibt es keine Fixpreise für die ganze Saison mehr. «Wir bieten tagesaktuelle Preise an. Diese werden direkt vom System des Hoteliers in unser Verkaufssystem eingespeist», sagt Schmidt. Der deutsche Reiseveranstalter besitzt eigene Hotels im Mittelmeerraum. Der Vorteil: Er ist bei der Preisgestaltung unabhängig und in der Regel günstiger. Nachteil: Die Auswahl an Hotels in der Umgebung von eigenen Häusern ist klein, da zuerst die eigenen Betten verkauft sein wollen.

Hotelplan Suisse hat keine eigenen Hotels, verfügt aber in Hotspots wie Mallorca oder Kreta noch über feste Kontingente. Einen andern Weg als den mit tagesaktuellen Preisen geht die DER Touristik Suisse AG (früher Kuoni): Sie hat einen grossen Teil des Sommer­ferienangebotes abgesichert, als der Euro noch unter 1.10 Franken lag. «Auf diesen Währungsabsicherungen beruhen unsere heutigen Preise», lässt sich DER-Chef Dieter Zümpel von der Nachrichtenagentur SDA zitieren. Während die Preisgestaltung für Hotels und Flugzeugplätze einem weltweiten orientalischen Bazar mit ständig wechselnden Angeboten ähnelt, richten sich die Kosten ausserhalb der Hotelanlagen für die Schweizer in den Euroländern ­getreu nach den Währungsschwankungen – momentan also rund zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr, Tendenz weiter steigend. Huguenin-dit-Lenoir: «Bei Einkäufen und Restaurantbesuchen fällt der Euro stärker ins Gewicht als bei den Reise­buchungen.» Auf die Flugpreise hingegen wirkt sich die Euro-Entwicklung kaum aus.

Frühbuchungen lohnen sich mehr als Last Minute

Mit Rabatten auf Frühbuchungen versuchen die Reiseveranstalter schon seit vielen Jahren, Planungssicherheit zu gewinnen. Dieses Jahr lohnen sie sich für Reisefreudige gleicht doppelt: Wer Mallorca für den Sommer bereits im Februar bucht, kommt nicht nur in den Genuss des Preisnachlasses, sondern entgeht auch der Gefahr, später wegen des weiter gestiegenen Euro höhere Tageskurspreise zu berappen. Denn alle Schweizer Ökonomen gehen davon aus, dass der Euro im Verlauf dieses Jahres zum Franken weiter an Wert zulegt.

Darum werden wohl auch die Last-Minute-Angebote in diesem Sommer preislich enttäuschend ausfallen. Spätbucher fahren zum Beispiel bei Hotelplan ohnehin nur drei bis fünf Prozent günstiger. «Frühbucher aber zahlen im Schnitt zwanzig Prozent weniger», sagt Huguenin-dit-Lenoir weiter. Schmidt von TUI Suisse verweist auf die grössere Auswahl, die sich ein halbes Jahr vor dem Abflug bietet: «Die beliebtesten Hotels sind für die Hochsaison schnell ausverkauft.» TUI Suisse bietet die Sommerangebote für dieses Jahr schon seit dem vergangenen November an. Hotelplan Suisse ebenfalls, die letzten Angebote kommen in diesen Tagen auf den Markt. Wie lange im Voraus es Frühbucherrabatte gibt, ist von Ferienziel zu Ferienziel unterschiedlich.

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