Wirtschaft
14.11.2017 07:43

Gerangel um den Riesen-Airbus

PARIS ⋅ Airbus erhoffte sich zum Auftakt der Flugshow in Dubai einen Milliardendeal für seinen Riesenflieger A380. Den Zuschlag erhielt nun aber ausgerechnet der Rivale Boeing.

Wenn sich das Flugzeug nicht mehr verkauft, wird es wenigstens gefeiert: Vor zehn Tagen hatte Airbus der Fluggesellschaft Emirates ihren hundertsten A380 ausgeliefert. Das geschah in Erfüllung eines weit zurückliegenden Vertrages. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Golf-Airline liess bei der feierlichen Zeremonie in Hamburg durchblicken, bei der folgenden Airshow in Dubai könne Airbus mit einem neuen Grossauftrag für seinen doppelstöckigen Riesenflieger rechnen.

Bis an den Sitz des europäischen Flugzeugbauers im südfranzösischen Toulouse herrschte Aufatmen: Seit über einem Jahr hat er von seinem Prestigeflieger kein einziges Exemplar mehr abgesetzt. Am Sonntag erfolgte dann in Dubai eine Ankündigung über einen Megadeal. Der Käufer war aber nicht Airbus, sondern Erzfeind Boeing. Die Amerikaner erhielten von Emi­rates zur allgemeinen Über­raschung einen Bauauftrag über 40 B787-10 im Wert von 15,1 Milliarden Dollar. Der Rückschlag ist hart. Der A380, von US-Medien bereits zum «Ladenhüter» gestempelt, hätte einen neuen Auftrag dringend benötigt. Die Werke laufen seit bald einem Jahr mit dem minimalen Produktionsrhythmus. Andere Airlines als Emirates verlieren zunehmend das Interesse an Grossraumflugzeugen mit 500 Sitzen. Das Passagiervolumen nimmt zwar weltweit zu, weshalb Airbus den Bedarf an A380 auf Jahrzehnte hin als ausgewiesen annahm. Doch das internationale Flugverkehrsmanagement ist in den letzten Jahren perfektioniert worden; die Airlines meistern ihr zunehmendes Passagiervolumen auch mit mittelgrossen Flugzeugen.

Dubai hat beim A380 das Sagen

Das bedroht die gesamte Airbus-Strategie, die Entwicklungskosten von 10 Milliarden Euro für den A380 in Kauf genommen hatte. Dabei hätte auch der neue Emirates-Deal Airbus nur eine Verschnaufpause verschafft. Noch sind 100 A380-Aufträge hängig, was die Produktion auf mehrere Jahre sichert. Mögliche Abbestellungen sind dabei aber ausgerechnet. Vor allem zögert Airbus selber, wie von den Airlines verlangt, neue Mittel in die Weiterentwicklung des A380 zu stecken. Diese Selbstzweifel sind letztlich der Grund, dass Emirates den Kauf neuer A380-Maschinen aufgibt oder zumindest vertagt. Der Chef der staatlichen Airline Dubais, Tim Clark, erklärte gestern, er brauche zuerst die Garantie, dass Airbus den A380 «mindestens zehn Jahre» weiterbaue. Sonst lohnten sich die Investitionen nicht. Luftfahrtexperten fragen sich, ob die neue Bestellung noch bis Ende der Dubai Airshow am Donnerstag nachgeholt werde. Die Airbus-Manager dürften allerdings ziemlich verschnupft sein über die Art, wie sie in Dubai desavouiert wurden. Doch haben die Europäer überhaupt die Wahl? Der Überraschungscoup der Emirati zeigt, wer beim A380 heute das Sagen hat: Es ist nicht länger die Airbus-Zentrale in Toulouse, sondern das Scheichtum Dubai, Eigner von Emirates. Beugt sich Airbus-Chef Tom Enders dem Wunsch der Golf-Airline nicht, droht der A380, sein wichtigstes Unternehmen, schneller auszulaufen als geplant.

Stefan Brändle, Paris

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