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GASTGEWERBE

Hoteliers wollen sich von Buchungsportalen emanzipieren

Die Preisklauseln und Kommissionen der Buchungsportale setzen den Hoteliers zu. Trotz geplanter politischer Schutzmassnahmen müssen die Gastbetriebe aber auch Selbstkritik üben.
13.01.2018 | 09:59

Alexandre Beuchat, SDA

Schweizer Hoteliers kommen heute nicht mehr an Online-­Buchungsplattformen vorbei. Auf gesetzlichem Weg wollen sie sich gegen deren Preisdiktat wehren. Doch für eine Emanzipation von Booking.com und Co. braucht es mehr: eine eigene Digitalisierungsstrategie.

Der Anteil der Reservationen von Hotelzimmern, die über Online-Plattformen vorgenommen werden, steigt laufend. 2016 erreichte er über 27 Prozent, wie das Tourismusinstitut der Wal­liser Fachhochschule HES-SO in einer Studie errechnet hat.

Unterstützung durch Parlament

Dabei dominieren die drei Plattformen Booking.com, Expedia und HRS den Markt. Den Löwenanteil davon hat sich Booking.com gesichert: Rund drei von vier Reservationen über Online-Buchungsplattformen werden über diese Seite getätigt. Die Online-Plattformen profitieren von ihrem Technologiefortschritt und ihren Marketinganstrengungen.

Hoteliers können es sich also kaum leisten, nicht auf diesen Plattformen vertreten zu sein. Die Onlineriesen können deshalb ihre Bedingungen gut durchsetzen. Laut dem Branchenverband Hotelleriesuisse unterjochen sie die Hotelbetreiber mit immer restriktiveren Vorgaben.

Als besonders problematisch bezeichnet der Verband die sogenannte enge Preisparitätsklausel: Diese verbietet es Hoteliers, den Kunden auf ihren eigenen Internetseiten bessere Preise anzu­bieten als auf den Buchungsplattformen. Auf anderen Buchungsplattformen, am Telefon oder der Laufkundschaft dürfen die Hotels dagegen tiefere Preise an­bieten – diese weite Preisparität hat die Wettbewerbskommission (Weko) verboten. Mit ihrer Kritik an der engen Preisparität ist die Branche in Bundesbern auf offene Ohren gestossen. In der letzten Herbstsession beauftragte das Parlament den Bundesrat mit einer Motion, solche Bestpreisklauseln für Hotels auf Buchungsplattformen zu verbieten.

Hohe Kommissionen

In Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien hat der Staat bereits zu Gunsten der ­Hotels eingegriffen. «Wir wollen nur gleich lange Spiesse», sagt Christophe Hans, Leiter Wirtschaftspolitik bei Hotellerie­suisse. «Wir haben einen Etappensieg erreicht», kommentiert er den Parlamentsentscheid. Der Bundesrat hat nun zwei Jahre Zeit, um zu handeln.

Das Dossier ist in Bern aber weiterhin umstritten: Die Gegner einer stärkeren Regu­lierung argumentieren, solche Internetseiten brächten Fortschritte für die Konsumenten. Die Befürworter hingegen sehen solche Klauseln als Behinderung des gesunden Wettbewerbs. Doch die Klausel ist nicht der einzige Kritikpunkt an den Onlineriesen von Seiten der Hotels: Sie monieren auch überzogene Kommissionen und mangelnde Transparenz der Rankings auf diesen Plattformen, die bestimmen, wie weit oben ein Hotel gelistet ist. So hat auch der Preisüberwacher die Online-Buchungsplattformen ins Visier genommen. Im September hat er ein Verfahren gegen Booking.com eingeleitet. Zuvor hatte er bei einer Untersuchung Hinweise auf einen Preismissbrauch bei den Kommissionen, die die Hotels zahlen müssen, gefunden.

Die Plattform weist diese Vorwürfe vehement zurück: Die Tarife seien seit 2010 nicht mehr gestiegen. Laut der Studie der HES-SO haben die Hoteliers 2016 152 Millionen Franken Kommissionen an die Online-Buchungsplattformen gezahlt, im Schnitt sind das pro Hotel 34000 Franken. Die Höhe der Kommissionen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Booking.com startete einst als kleines Start-up, das war 1996. Seither hat sich die niederlän­dische Seite fortlaufend zu einem Digitalriesen gemausert. Die Gruppe sei ein wahrhafter Marketing-Champion, sagt Roland Schegg, Professor am Institut für Tourismus der HES-SO. Die Plattform höre nie auf, sich den Kundenbedürfnissen anzupassen und entwickle sich ständig weiter. «Wir haben den Eindruck, dass Booking konstant Änderungen auf bestimmten Märkten testet. Dadurch beweisen sie eine unermessliche Flexibilität», sagt Hans von Hotelleriesuisse.

Umdenken ist nötig

In den Augen von Tourismusprofessor Schegg ist die Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen nötig, aber genügt allein noch nicht, damit sich die Hotels emanzipieren können. Die unaufhaltsame Evolution der Digitalisierung biete nämlich auch neue Möglichkeiten. So erlaubten es soziale Netzwerke, auf eine Art in Kontakt mit Kunden einzutreten, die vor 20 Jahren noch nicht möglich gewesen sei. Gewisse Hoteliers hätten ihr Marketing einfach an Booking ausgelagert. Diese Strategie sei zwar möglich, führe aber zum Verlust der Unabhängigkeit, sagt Schegg.

Dabei hätten die Hotels die Chance, eine Beziehung zu den Kunden aufzubauen, die Booking.com nicht habe. Die Hoteliers müssten eine digitale Strategie entwickeln. Dabei seien auch Zusammenarbeiten zwischen mehreren Akteuren wie den Tourismusbüros und den grossen Hotelketten denkbar. «Man muss fortlaufend auf allen Niveaus innovieren und versuchen, wie ein Start-up zu funktionieren», sagt Schegg. Das ist noch nicht in allen Köpfen an­gekommen: Viele touristische Akteure verharren laut Schegg weiterhin in einem traditionellen Schema.

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