Wirtschaft
13.11.2017 11:32

IWF sieht Europa immer mehr als Zugmaschine

  • Gemäss IWF kommt Dynamik in die europäische Wirtschaft. (Symbolbild)
    Gemäss IWF kommt Dynamik in die europäische Wirtschaft. (Symbolbild) | KEYSTONE/EPA/FRIEDEMANN VOGEL
KONJUNKTUR ⋅ In Europas Wirtschaft läuft es derzeit insgesamt rund - von einigen Problemen vor allem auf dem Arbeitsmarkt einmal abgesehen. Der Internationale Währungsfonds erwartet weiter eine gute Entwicklung. Aber es gibt auch mahnende Töne.

Europa wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) immer mehr zur Zugmaschine der Weltwirtschaft. In seinem am Montag veröffentlichten regionalen Ausblick erklärte der Fonds: "Die europäische Erholung hat sich verstärkt und merklich verbreitert." Das Wachstum in Europa liefere einen grossen Beitrag zur Steigerung der globalen Wirtschaftsleistung.

Die Analyse des IWF bezieht sich auf den gesamten Kontinent, nicht nur auf die Länder der EU. Eine Rolle spielen dabei auch Staaten wie Ungarn, Polen, Russland und die Türkei. Vorgestellt wurde die Analyse im bosnischen Sarajevo.

Die Experten der internationalen Organisation, die auch Finanzhilfen für angeschlagene Volkswirtschaften gegen Reformzusagen bereitstellt, betonten, dass es jedoch weiter Ungleichgewichte gebe. So bleibe die Entwicklung am Arbeitsmarkt in den Ländern Europas unterschiedlich.

In einigen wirtschaftlich noch schwächeren Staaten hätten die Arbeitslosenquoten das Niveau vor der letzten grossen Krise erreicht - ebenso in einigen hoch entwickelten Ländern. Die meisten Schwellenländer profitierten von einem robusten Lohnwachstum. In vielen fortgeschrittenen Ländern Europas blieben diese Steigerungen hingegen schwach. Zuvor hatte auch die Europäische Zentralbank (EZB) auf die verhaltene Lohnentwicklung in der Eurozone hingewiesen.

Auf mittlere Sicht gebe es eine Reihe von Wachstumsrisiken, warnt der IWF. Er verweist auf die ungünstige Bevölkerungsentwicklung in den zunehmend älter werdenden Gesellschaften und auf das verhaltende Produktivitätswachstum.

Die Politik sollte daher die verbesserten allgemeinen Aussichten nutzen und die Staatsfinanzen festigen. Zudem sollten die Wirtschaftsstrukturen reformiert werden, um künftig Schocks besser auffangen zu können. Gerade Staaten mit soliden Staatsfinanzen müssten hier ihre Spielräume nutzen.

Da die Inflation in weiten Teilen Europas niedrig sei, könnten die meisten Notenbanken in Europa ihre Geldpolitik locker halten. Das Zinsniveau ist nach wie vor ebenfalls extrem gering - was Kredite und Investitionen billig hält, aber Sparer schwer belastet. Um die Eurozone widerstandsfähiger zu machen, ist laut IWF eine Vollendung der Banken- und Kapitalmarktunion notwendig.

Bereits in seinem Oktober-Ausblick hatte der IWF die Prognosen für Europa deutlich angehoben. So rechnet er hier im Jahr 2017 insgesamt mit einem Wachstum von 2,4 Prozent, 2018 dann von 2,1 Prozent. In der Eurozone werden 2,1 Prozent (2017) und 1,9 Prozent (2018) erwartet. (sda/dpa)

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