Wirtschaft
11.05.2017 15:37

Moneyhouse muss vor dem Speichern von Personendaten nachfragen

  • Auf moneyhouse.ch lassen sch neben Firmendaten auch solche von Personen abfragen.
    Auf moneyhouse.ch lassen sch neben Firmendaten auch solche von Personen abfragen. | Screenshot Luzernerzeitung.ch
URTEIL ⋅ Die auf Wirtschafts- und Bonitätsauskünfte spezialisierte Firma Moneyhouse muss ihre Daten häufiger überprüfen. Ferner darf sie ohne Einwilligung der betroffenen Personen keine Persönlichkeitsprofile bearbeiten. Das Bundesverwaltungsgericht hat eine entsprechende Klage grösstenteils gutgeheissen.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte war im Juli 2015 mit einer Klage ans Bundesverwaltungsgericht gelangt. Er rügte, dass mit dem verlinken von Namen mit Angaben über Leumund, Familienverhältnisse, Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Wohnverhältnisse Persönlichkeitsprofile entstünden und bearbeitet würden.

Das Bundesverwaltungsgericht ist in seinem am Donnerstag publizierten Urteil zum Schluss gekommen, dass es für die Weitergabe dieser Profile an Nutzer von Moneyhouse einer ausdrücklichen Einwilligung der jeweiligen Person bedarf.

Irrelevante Daten löschen

Den Interessen der Premium User von Moneyhouse, die zu solchen Profilen Zugang haben, stehe gemäss Gericht die Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen entgegen.

Daran ändere auch das wirtschaftliche Interesse von Moneyhouse nichts. Ebenso irrelevant sei, dass Moneyhouse bereits veröffentlichte Daten verarbeite und zugänglich mache.

Die Firma muss auf Geheiss des Bundesverwaltungsgerichts alle Daten von natürlichen Personen löschen, die nicht relevant sind für die Beurteilung der Bonität.

Zudem muss Moneyhouse die Richtigkeit der Informationen jährlich im Verhältnis von 5 Prozent der auf ihrer Plattform gemachten Abfragen prüfen. Um wie viele Datensätze es sich dabei handelt, geht aus dem Urteil nicht hervor, weil die Zugriffszahlen vom Gericht geschwärzt wurden.

Weiterzug offen

Ob das Urteil an das Bundesgericht weitergezogen wird, ist derzeit noch offen, wie eine Sprecherin der NZZ-Mediengruppe gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Seit 2014 ist Moneyhouse Teil des Geschäftsbereichs Business Medien der NZZ.

In einer schriftlichen Stellungnahme vom Donnerstag bezeichnete das Unternehmen das Urteil als "differenziert." Bei der Frage der Persönlichkeitsprofile sei Moneyhouse allerdings anderer Meinung. Die Kriterien, was das Gericht unter einem Persönlichkeitsprofil verstehe und weshalb Moneyhouse durch die Datenbearbeitung Persönlichkeitsprofile erstellt haben solle, seien nicht abschliessend definiert.

Zufrieden zeigte sich Moneyhouse mit weiteren Entscheiden des Bundesverwaltungsgerichts: Die Firma könne weiterhin Daten von Privatpersonen publizieren, die für eine Bonitätsauskunft erforderlich seien, und diese Daten in Suchmaschinen indexieren.

sda

Meist gelesene Artikel

Der Kassier hat rund 165'000 Franken aus den Vereinskassen entwendet.
LUZERN

Kassier veruntreut 165'000 Franken

Der Traktor rutschte im steilen Gelände ab und kam erst im angrenzenden Wald zum Stillstand.
ROMOOS

Tödlicher Arbeitsunfall mit Traktor

Auf Facebook macht Viktor Röthlin bereits wieder Scherze über seinen Unfall.
OBWALDEN

Viktor Röthlin verletzt sich bei Reitunfall

Polizeikommandant Adi Achermann (vorne) und Kripo-Chef Daniel Bussmann (ganz hinten) am 27. Juni auf dem Weg zu ihrer Gerichtsverhandlung zum Fall Malters.
LUZERN

Fall Malters: Staatsanwaltschaft und Privatkläger melden Berufung an

Es passierte auf der Ufschötti: 17-Jähriger wurde am Wochenende brutal verprügelt.
STADT LUZERN

17-Jähriger brutal verprügelt

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann bei der Präsentation der neusten Sparpläne.
LUZERN

Junge Grüne fordern Rücktritt von Finanzdirektor Marcel Schwerzmann

Pfarrer Daniel Krieg während der Sonntagsstille.
SCHWINGEN

Auch der Pfarrer fasst sich am Schwingfest kurz

Eugen Elmiger, CEO von Maxon Motor, mit einem Stöckli-Bike, das durch den Maxon-Antrieb zum E-Bike wird.
SACHSELN

Maxon Motor wächst zum Weltkonzern

Diese Goldbarren bleiben auch nach fünf Jahren im Fundbüro in Klingnau AG: Kurz vor Ablauf der Meldefrist erheben zwei Personen Anspruch auf den wertvollen Fund.
WERTVOLLER FUND

Fetter Fund auf Magerwiese im Aargau

BERLIN

Deutschland will Erdogans Auftritt nicht erlauben

Zur klassischen Ansicht wechseln