Wirtschaft
17.07.2017 07:39

Nun versucht es CNN in der Schweiz

  • Greg Beitchman von CNN International (links) und Christophe Rasch, CEO von CNN Money Switzerland. (© Bild: Facebook/CNN Money Switzerland.)
    Greg Beitchman von CNN International (links) und Christophe Rasch, CEO von CNN Money Switzerland. | Bild: Facebook/CNN Money Switzerland.
FERNSEHEN ⋅ Der kleine Markt, die Mehrsprachigkeit und die Dominanz der SRG machen die Schweiz zu einem harten Pflaster für private TV-Anbieter. Trotz zahlreichen Pleiten versucht es nun die globale Marke CNN.

Ernst Meier

Sie hiessen European Business Channel, RTLPro7 Schweiz, TV3 oder Tele24. Immer wieder versuchten TV-Pioniere und Medienunternehmen in den letzten drei Jahrzehnten, eine Fernsehalternative zu den SRG-Sendern und deren News-Berichterstattung zu etablieren. Doch alle Projekte scheiterten schon nach kurzer Zeit. Geblieben sind einzig regionale Anbieter wie TeleZüri, Tele 1 oder TV Ostschweiz – staatlich subventioniert – sowie nationale Unterhaltungssender wie 3+ oder Star-TV.

Nun versucht es erneut ein Medienunternehmen: Die amerikanische TV-Ikone CNN will Anfang Oktober mit CNN Money Switzerland auf Sendung gehen. Laut Eigendeklaration «der erste nationale TV-Kanal mit Business-News für und über die Schweiz».

3 Stunden live pro Tag, 30 Mitarbeiter

Anfang Jahr gab das Mutterhaus CNN International die Schweiz-Pläne bekannt. Seit einem Monat gibt es häppchenweise News zum Projekt. Täglich will CNN Money Switzerland von 18 bis 21 Uhr drei Stunden live senden. Dazu kommen mehrere Stunden vorproduziertes Programm, wie Chris­tophe Rasch erklärt. Er ist als Projektleiter und CEO für den neuen TV-Sender verantwortlich.

Rund 30 Journalisten und Techniker wird der Sender beschäftigen, sagt Rasch. Redaktion und Studio werden derzeit im vierten Stock des Medienparks in Zürich Altstetten eingerichtet. Eine überraschende Personalie gab der neue Sender Anfang Juli bekannt: Urs Gredig (47) wird Chefredaktor von CNN Money Switzerland. Mit dem langjährigen SRF-Redaktor, -Moderator und -Korrespondenten in London ist es CNN gelungen, ein hierzulande bekanntes Gesicht zu gewinnen. Ob der studierte Historiker am Bildschirm des Wirtschaftssenders zu sehen sein wird, lässt er noch offen. «Das ist noch nicht ganz klar, wahrscheinlich punktuell», sagte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Klar ist hingegen, dass auf CNN Money Switzerland ausschliesslich Englisch gesprochen wird. Die vier Aushängeschilder («Anchor-Women»), die schon bald in allen hiesigen Haushalten zu sehen sein werden, sind ebenfalls schon bekannt. Neben einer Schweizerin sind dies zwei Britinnen und eine US-Amerikanerin. Alle vier verfügen über langjährige Erfahrung bei TV-Sendern wie BBC, CNBC oder CNN – sie sind aber kaum jemandem in der Schweiz bekannt.

Wird CNN Money Switzerland hierzulande sein Publikum finden oder dereinst das gleiche Schicksal erleiden wie die eingangs aufgezählten TV-Projekte? «Entrepreneur zu sein, birgt immer Risiken, und dessen muss man sich bewusst sein. Wir haben jedoch genügend Zeit, den Sender aufzubauen und zum Erfolg zu führen», sagt Christophe Rasch.

4 Millionen Personen in der Schweiz sprechen Englisch

Zu finanziellen Fragen und zum Budget gibts von CNN keine Antworten. Christophe Rasch sagt lediglich: «Als Unternehmer streben wir einen Break-even natürlich so rasch wie möglich an.» Im Vergleich zu ähnlichen Sendern dürfte das Budget laut Schätzungen um die 20 Millionen Franken betragen. Schweizer Branchenkenner loben vor allem den unternehmerischen Mut von CNN. «Ich finde es positiv, dass gerade in einer Branche, wo derzeit vielerorts gespart wird und kaum jemand ein Experiment wagt, CNN die Initiative ergreift», sagt Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor des Medienmagazins «Persönlich» und persoenlich.com.

Ackeret streicht die Vorteile des Fernsehens heraus. «TV ist immer noch das stärkste Medium», sagt er. Die Attraktivität und die Möglichkeit, innert kurzer Zeit ein sehr grosses Publikum zu erreichen, sei auch im Zeitalter von Internet und Social Media nach wie vor gross.

In der Schweiz haben 92 Prozent aller Haushalte einen Fernseher, durchschnittlich schaut die Bevölkerung täglich 124 Minuten fern. 2016 wurde für 5,4 Milliarden Franken Werbung geschaltet (Print, Radio, TV, Online, Kino). Knapp ein Drittel davon ging in die Fernsehwerbung. Wird sich der Schweizer CNN-Ableger ein entsprechendes Stück vom Kuchen abschneiden können? Christophe Rasch ist zuversichtlich und führt aus: «In der Schweiz leben rund vier Millionen Menschen, die Englisch als Muttersprache, Zweit- oder Drittsprache sprechen. Führungskräfte von multinationalen Unternehmen, die weltweit 50 grössten NGOs und Sportorganisationen suchen eine englischsprachige Plattform, die sie in CNN Money Switzerland finden werden», sagt Christophe Rasch.

Trotz starker Konkurrenz durch etablierte TV-News von den SRG-Sendern und ausländischen Kanälen wie ARD, ZDF, RTL oder N-TV ist man bei CNN überzeugt, eine Marktlücke gefunden zu haben. «Bisher gibt es kein Medium, das die ganze Schweiz abdeckt», sagt Chris­tophe Rasch.

Schweizer Medien seien auf die Deutschschweiz oder die Romandie ausgerichtet. «Wir werden diese Lücke einer multimedialen Informationsplattform für Schweizer Wirtschafts- und Lifestyle-Themen von nationaler und internationaler Bedeutung schliessen», sagt Rasch.

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