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E-COMMERCE

Geoblocking-Verbot: Online-Shopping ohne Grenzen auch bald in der Schweiz?

Webshops, die blockiert werden, weil sie eine ausländische Länderkennung haben – das sogenannte Geoblocking ist in der EU verboten worden. Auch Schweizer könnten in Zukunft ohne Hindernisse im Netz einkaufen. Die Meinungen darüber sind geteilt.
10.12.2017 | 19:15

Andreas Lorenz-Meyer

Die Schranken beim Online-Shopping in Europa fallen gerade. Die EU hat sich auf eine Verordnung zum Verbot von Geoblocking geeinigt. Geoblocking bedeutet, dass der Onlinehändler Kunden aus anderen Ländern blockiert oder sie umleitet. Wer zum Beispiel aus Österreich die französische Seite eines Webshops ansteuert, kann dort nicht einkaufen oder wird auf die Seite mit der Landesendung .at gelenkt.

Das ist nun nicht mehr erlaubt. Onlinehändler müssen allen Kunden in Europa einen uneingeschränkten Zugang zu ihrem Shop gewähren. Egal, woher sie stammen. Die Schweiz könnte es der EU nachmachen und ein Verbot erlassen. Eine gute Idee?

Die EU reguliert an der Zeit vorbei

Stefan Meierhans, der Preisüberwacher des Bundes, spricht sich für ein Geoblocking-Verbot aus. «Das Problem ist, dass es hierzu wohl eine Abstimmung mit der EU bräuchte, gerade wie beim Roaming auch. Wenn dies gelänge, wären aber sicher positive Wirkungen zu erwarten. Die Schweizer könnten nicht nur günstiger auf ausländischen Seiten einkaufen, sondern die Preise auf den entsprechenden Schweizer Seiten kämen dadurch auch unter Druck, glaubt Meierhans. Da die Schweiz das Hochpreisland par excellence ist, dürfte der umgekehrte Fall – Verteuerungen auf Schweizer Seite aufgrund des Verbots von Geoblocking – die absolute Ausnahme bleiben.

Meierhans bekommt viele Meldungen aus der Bevölkerung. Er beobachtet, dass nicht nur Schweizer Anbieter Geoblocking betreiben. Die Gründe dafür? Kleine Anbieter kennen sich mit den Zollformalitäten nicht aus und wollen kein Risiko eingehen. Andere Betreiber haben logistische Gründe. «Der ganz wesentliche und im Vordergrund stehende Punkt ist aber klar die Marge», sagt Meierhans. «In der Schweiz soll abgeholt werden, was abgeholt werden kann – und das ist aufgrund des höheren Wohlstands hierzulande mehr als im Ausland.» Die Wahrscheinlichkeit, dass es bald zu einem Verbot von Geoblocking in der Schweiz kommt, hält der Preisüberwacher für gering. In der aktuellen politischen Situation geht er nicht davon aus, dass es schneller geht als beim Roaming – «wo wir schon ein Jahrzehnt am Kämpfen sind», wie er sagt. Bei einem der grössten Schweizer Onlinehändler, der Digitec Galaxus AG, schätzt man die Veränderung anders ein. Im kommenden Jahr geht das Zürcher Unternehmen mit dem Shop galaxus.de über die Grenze nach Deutschland. Mediensprecher Alex Hämmerli begrüsst Massnahmen für die Stärkung eines digitalen Binnenmarkts. Doch gebe es die Klausel, dass EU-Onlinehändler zwar in alle EU-Länder verkaufen, aber nicht liefern müssen. «Dadurch verkommt die neue Regelung zur Farce. Wenn die Konsequenz der Verordnung ist, dass ein italienischer Kunde zwar ohne Umwege in einem dänischen Onlineshop einkaufen kann, er für seine Bestellung aber nach Kopenhagen fliegen muss, ist den Konsumenten damit kaum gedient.» Sowieso könne man heute schon mit einem einfachen Browser-Plug-in auf blockierte Länderseiten zugreifen. Die EU reguliere also an der Zeit vorbei. Tatsache sei doch, dass der globale Einkauf noch nie so einfach war wie heute.

Seco analysiert die Situation

Auch ohne Verbot würde Digitec Galaxus den Einkauf aus anderen EU-Ländern auf galaxus.de zulassen, zum Beispiel aus Frankreich oder Holland. Durch die mehrsprachige Webseite (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch) sei man dafür auch gut aufgestellt. «Grundsätzlich sind wir für liberalen Handel», sagt Hämmerli. «Jedem Onlinehändler soll es freistehen, in welche Länder er liefert und in welche nicht.» Das Verbot des Geoblockings bringe den Kunden wegen der Selbstabholer-Klausel wenig. Und Unternehmen zwingt es nur mehr Pflichten auf – mit entsprechenden Umsetzungskosten. Sollte sich auch die Schweiz dazu entschliessen, Geoblocking für Onlinehändler zu verbieten, würde sich für Digitec Galaxus nichts ändern. Für den Gesamtmarkt sieht Sprecher Hämmerli keinen Handlungsbedarf.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco steht, was Geoblocking betrifft, im regelmässigen Austausch mit der EU-Kommission. «Da die EU nun Regulierungen erlassen hat, nehmen wir eine vertiefte Bewertung vor», sagt Mediensprecher Fabian ­Maienfisch. «Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob ein solcher Entscheid einen Nachteil für die Schweiz darstellt und wie man allfällige Nachteile beheben könnte.» Die Analysen des Seco laufen, darum sei es jetzt zu früh, schon Konkretes zu nennen.

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