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TIERMEDIZIN

Bald können Pferde ins Spital gehen

Auf dem Areal des Pferdezentrums Auw wird eine Tierklinik gebaut, in der Pferde und Kleintiere stationär und ambulant behandelt werden. Auch chirurgische Eingriffe werden vorgenommen.
21.12.2017 | 04:40

Auf der westlich gelegenen Winterweide des Pferdezentrums, in dem momentan 35 Pensionspferde untergebracht sind, soll der zweistöckige Bau im Verlauf des nächsten Jahres entstehen. Die Baubewilligung ist bereits erteilt, der Baustart wird im Februar erfolgen. Gegen Ende des Jahres 2018 wird die Klinik bezugsbereit sein. Bauherrin des Objekts und Eigentümerin des Pferdezentrums ist Familie Huwiler aus Cham. Der 31-jährige Tierarzt Fabian Huwiler wird die Leitung übernehmen. Bereits bei der Übernahme des Pferdezentrums vor fünf Jahren bestand der Plan, dereinst eine Tierklinik auf dem Gelände zu bauen. «Die Bedingungen sind hier ideal», erklärt Fabian Huwiler. «Der Hof steht in der Industriezone und die Infrastruktur der Pferdepension kann genutzt werden.» Denn die stationäre Unterbringung von Grosstieren stellt hohe Platzanforderungen. Auf dem benachbarten Landwirtschaftsgebiet stehen den Tieren grosszügige Weideflächen zur Verfügung.

Geplant sind zwei Abteilungen, eine für die Behandlung von Pferden und eine für Kleintiere, welche von anfänglich zwei Ärzten, einem Assistenzarzt sowie zwei Tiermedizinischen Praxisassistentinnen geführt werden. Die gesamte Belegschaft ist bereits verpflichtet.

Moderner OP mit Aufwachbox

Die Pferdeabteilung wird mit einem modernen Operationssaal ausgestattet sein, einer Aufwachbox sowie vier bis fünf Krankenboxen zur stationären Aufnahme der Tiere. «Die Aufwachphase ist problematisch bei Pferden, weil es sich um Fluchttiere handelt», so Huwiler. Die Abteilung der Kleintiere wird einen Operationssaal sowie zwei Sprechzimmer umfassen. Angeboten wird allgemeine und Notfallmedizin im 24-Stunden-Betrieb. «Wir werden eine einheitliche Zentrale führen, von der aus beide Abteilungen betreut werden.» Fabian Huwiler will den Betrieb Schritt für Schritt aufbauen, sodass das Personal in der Lage sein wird, zu gegebener Zeit jegliche Operationen für Pferde sowie Eingriffe und Behandlungen von Klein- und Zootieren durchzuführen. «Wenn wir an unsere Grenzen stossen, werden wir externe Spezialisten beiziehen», betont der Tierarzt. Momentan betreibt er ein Einmannunternehmen als fahrender «Stördoktor». Mit seinem mobilen Einsatzfahrzeug behandelt er die Patienten auf den heimatlichen Höfen.

Es bedeute zwar eine grosse Herausforderung, ein Unternehmen dieser Grösse aufzubauen, betont Huwiler. «Aber ich finde, wenn ich die Möglichkeit habe, muss ich die Chance auch nutzen. Später habe ich vielleicht nicht mehr den Mut dazu.» Ausserdem ist es für ihn eine Erleichterung, künftig mit Berufskollegen zusammenarbeiten zu können.

Ein gutes Einzugsgebiet

Der junge Veterinär hat im Vorfeld genaue Bedarfsabklärungen für die Region getroffen. «Dies ist ein gutes Einzugsgebiet als Grenzregion zu den Kantonen Luzern, Zug und Zürich. Das Pferd wird heute weniger als Nutz-, sondern vielmehr als Haustier wahrgenommen, für das man bereit ist, eine gute medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.» Auch die Anzahl an Kleintieren, die medizinisch betreut werden müssen, ist steigend. Ausserdem stellt die Nähe zum AOI Center (Animal Oncology and Imaging Center) in Hünenberg, welches führend ist in der bildgebenden Diagnostik, einen grossen Standortvorteil dar. Dort wird schweizweit das einzige MRI-Gerät für Pferde betrieben, mit dem die Tiere stehend untersucht werden können. «Im Nutztierbereich sind wir zurückhaltend, weil wir die lokalen Tierärzte nicht konkurrenzieren wollen. Die Möglichkeit würde jedoch bestehen.»

Die Arbeit als Tierarzt bezeichnet Fabian Huwiler als Lebensaufgabe. «Es ist ein strenger Beruf für Körper und Geist mit langen Präsenz- und Arbeitszeiten. Aber die Arbeit mit den Tieren gibt einem viel zurück, und man bewegt sich oft im Freien.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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