zurück
SINS

Kirchenchor Sins: «Mitglieder dürfen stolz auf sich sein»

Am Adventskonzert des Sinser Kirchenchors wuchsen einige der Sänger über sich hinaus. Gedankt wurde das vom Publikum mit Standing Ovations.
12.12.2017 | 07:13

Regen plätschert in den noch weissen Schnee. Vor der Kirche flackern kleine Kerzen im gläsernen Windschutz. Das Kirchenschiff ist voll und es ist still. Nur vom Balkon an der Rückwand schwebt aus dem Off die Melodie von «Dona Nobis», streicht über die Köpfe der Besucher und brandet glockenhell über den Mensa Domini in die Apsis.

Der Dirigent des Sinser Kirchenchors Meinolf Kalkuhl hat sich für das Adventskonzert am vergangenen Sonntag ein abwechslungsreiches Programm ausgedacht. Nach dem Vortrag der Pastoral-Messe von Ignaz Reimann auf dem Balkon schreitet der Chor durchs Mittelschiff an die Stirnseite der Kirche Maria Geburt, wo sich dem Chor eine kleine Bläserformation der Musikgesellschaft Sins anschliesst. Beim «Adeste Fideles» von John F. Wade legt besonders der Basston der Tuba einen vollen Teppich für die mehrstimmigen Bögen des Chors. «Auch wenn es Sie in den Fingern jucken mag, klatschen Sie bitte nicht zwischen den Stücken.» Die Präsidentin und langjährige Sopransängerin des Vereins, Josy Isenegger, wendet sich mit einem kurzen Begrüssungswort an die Gemeinde und hält sie dazu an, sich die Begeisterung für den Schluss des Konzerts aufzusparen.

Gesanglich, aber auch menschlich fordernd

So legt sich eine ungewohnte Stille zwischen die Stücke, die erst nach dem ergreifenden Stück «Jerusalem» von Stephen Adams kurz zu zerreissen droht. Es ist das erste der drei Stücke, bei ­ dem der Baritonsolist Mamuka Tepnadze vom Zürcher Opernhaus mitsingt. Mit seiner beeindruckenden Stimmgewalt füllt er die ganze Kirche und interpretiert das Stück mit so viel Pathos, dass es dann am Schluss der eine oder andere in der Kirche doch nicht mehr aushält und einige verlorene kleine Klatscher durch die Halle flattern. Der Dirigent des Chors, Kalkuhl, hat Tepnadze engagiert, «damit das Niveau der Aufführung auch meinem persönlichen Niveau entspricht», meint er nach der Aufführung. «Ich selber arbeite auch am Zürcher Opernhaus, und da bin ich sozusagen an der Quelle für solche Talente.» Oft engagiere er auch mehrere Solisten, um einzelne Stücke in kleineren Formationen singen zu lassen. Diese Herausforderung habe er diesmal aber zum ersten Mal den Mitgliedern des Chores selber anvertraut. Diese haben die Aufgabe mit Bravour gemeistert.

Besonders die drei Sopranistinnen Iris Caglioni, Silvia Schönberger und Yvonne Zumbühl trugen ihre Dreigesänge mit einer eingespielten Klarheit vor. «Zu zweit oder zu dritt vor einem so grossen Publikum die eigene Stimme zu zeigen, ist eine grosse gesangliche, aber auch menschliche Herausforderung», meint Kalkuhl zur Darbietung seiner Musiker. «Die Mitglieder des Chors, die sich dieser Herausforderung gestellt haben, haben alle grosse Fortschritte gemacht und dürfen stolz auf sich sein.» Und so wurden der ganze Chor, die Bläser der Musikgesellschaft Sins sowie die Unterstützung vom Opernhaus am Ende mit ausdauernden Standing Ovations im Kirchenschiff belohnt.

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Leserkommentare
Weitere Artikel