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SURSEE

Hotel «Bellevue» soll für 6,9 Millionen Franken verkauft werden

Das Hotel «Bellevue» steht zum Verkauf. Nachdem das Restaurant schon vor über zwei Monaten schloss, ist die Pächterfamilie nun definitiv abgesprungen – und der Besitzer vor vollendete Tatsachen gestellt.
12.04.2018 | 19:50

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Es ist eine der exquisitesten Adressen in Sursee, das Restaurant Hotel Bellevue. Direkte Sicht auf den Sempachersee, eine schöne Terrasse und eine gute Küche zeichnen das Haus mit dem markant weissen Turm aus. Doch die Pächterfamilie kann den Betrieb offenbar nicht weiterführen. Der Besitzer hat das Haus zum Verkauf ausgeschrieben, wie auf der Webseite immoscout24.ch zu lesen ist. Kaufpreis: 6,9 Millionen Franken.

Die Gründe für das Ausscheiden der Pächterfamilie sind unklar. Geschäftsführerin Susanne Kaufmann konnte am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Dafür der Eigentümer, Bruno Friedrich. Die Familie Kaufmann habe ihn vor gut einem Monat darüber informiert, dass sie den Betrieb aus finanziellen Gründen nicht mehr weiterführen könne, sagt er auf Anfrage.

Friedrich bedauere dies sehr, hat er doch zusammen mit seiner Familie das Hotel und Restaurant während 18 Jahren mit viel Herzblut geführt.

Betrieb seit Ende Januar eingeschränkt

Damals lief der Betrieb gut, das «Bellevue» gehörte zu den angesehenen Adressen der Region. «Zu Spitzenzeiten hatten wir bis zu 35 Mitarbeiter angestellt», erzählt Friedrich. Weil er aber ins Pensionsalter kam, hat er das «Bellevue» im November 2015 an die Familie Kaufmann aus Wohlen verpachtet. Sie konnten nun aber offenbar nicht in die grossen Fussstapfen ihres Vorgängers treten: Bereits Ende Januar dieses Jahres mussten sie das Restaurant schliessen. Nur die Hotelzimmer konnte man noch buchen. Zu den Gründen wollte Susanne Kaufmann damals auf Anfrage unserer Zeitung keine Auskunft geben.

Schon zu jener Zeit war Bruno Friedrich überrascht über das Vorgehen der Pächter. Dasselbe gilt für die jetzige Situation. Zwar könne er die nächsten sechs Monate noch auf die Mietzinsgarantie der Bank zählen. Und auch den Mietvertrag habe er noch nicht gekündigt, dieser laufe noch bis Ende Oktober. «Doch das Haus mit seinem ganzen Inventar bleibt bis auf weiteres ungenutzt», bedauert der Besitzer. Deshalb möchte er so schnell wie möglich einen Nachfolger finden. «Ein neuer Pächter wäre ein Anfang, aber am liebsten würde ich das Haus verkaufen», sagt er. Einige Interessenten haben sich laut Friedrich bereits gemeldet. Eine Kaufoption wäre auch der Pächterfamilie Kaufmann im Mietvertrag offen gestanden.

Das Hotel verfügt über 16 Doppelzimmer, 2 Suiten und 2 Einzelzimmer. Das ganze Grundstück ist rund 2400 Quadratmeter gross. Zudem stehen 50 private plus weitere Parkplätze der Gemeinde zur Verfügung. Grosse Investitionen stünden für den neuen Besitzer nicht an, versichert Friedrich. Denn das 1926 erbaute Gebäude wurde 1998 umgebaut und totalsaniert. «Und seither haben wir immer wieder kleinere Sachen erneuert», so Friedrich.

Sempachersee Tourismus bietet Hilfe an

Dass die Lichter im «Bellevue» nun bis auf Weiteres gelöscht sind und das Haus zum Verkauf steht, schlägt nicht nur Besitzer Bruno Friedrich auf den Magen. Auch bei Sempachersee Tourismus bedauert man die Situation. «Das ‹Bellevue› ist schon lange eines der schönsten Häuser der Region», sagt Geschäftsführer Peter Regli. «Diese Nachricht tut auch uns weh, das ‹Bellevue› ist ein Bijou.» Zwar hat die Region laut Regli dieses Jahr bis und mit Ende März deutlich mehr Übernachtungen verzeichnet, als noch im Vorjahr. Regli hofft, dass schnell eine Nachfolgelösung gefunden werden kann. Dafür würde er auch die Kanäle und Kontakte von Sempachersee Tourismus zur Verfügung stellen, um potenzielle Käufer auszumachen.

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