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EMMEN

Alterszentrum Herdschwand: Heizung bewusst abgestellt?

Das frühere Alterszentrum Herdschwand soll abgerissen werden. Die Gegner werfen nun dem Gemeinderat vor, er lasse die Bauten absichtlich verlottern.
01.02.2018 | 04:39

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Der Streit um das Herdschwand-Areal in Emmen ist schon fast eine «Never Ending Story». Am 4. März wird allerdings ein wichtiger Richtungsentscheid in der Sache Herdschwand gefällt. Das Volk befindet darüber, ob die Gebäude des ehemaligen Altersheims abgerissen und durch die Neubauten des Projekts «Neuschwand» ersetzt werden.

Wenige Wochen vor der Abstimmung gehen die Wogen einmal mehr hoch. Grund ist der Tag der offenen Tür, der am letzten Wochenende in der Herdschwand stattfand. Interessierte konnten sich dabei ein Bild vom baulichen Zustand der über 40-jährigen Gebäude machen.

Heizung ist seit dem Herbst abgestellt

Bei ihrem Rundgang durch die Räume mussten sich die rund 80 Besucher allerdings warm anziehen. Denn nachdem die letzten vorübergehenden Bewohner der Herdschwand-Gebäude im Sommer 2017 ausgezogen waren, wurde die Heizung abgestellt, die Heizungsrohre sind zugeschweisst. «Das ist gemäss Fachleuten grob fahrlässig. Man nimmt irreparable Schäden an den Gebäuden bewusst in Kauf», sagt Rolf Stähli, Präsident des Emmer Komitees «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller».

Nun kann man einwenden, dass es wenig Sinn macht, ein leer stehendes Gebäude zu heizen, das demnächst abgebrochen wird. Nur: Beschlossene Sache ist der Abriss der Herdschwand-Bauten eben noch nicht. Sollte der geplante Abbruch am 4. März an der Urne scheitern, kommt eine Sanierung wieder ins Spiel. Doch ob eine Sanierung überhaupt Sinn macht, hängt auch vom baulichen Zustand der Gebäude ab. Die Abriss-Gegner werfen der Gemeinde vor, sie ­lasse die Herdschwand-Gebäude bewusst verlottern, damit am Ende ein Abbruch unumgänglich wird. Dabei habe gerade der Besuchstag gezeigt, dass der Zustand der Gebäude im Moment noch erstaunlich gut sei, sagt Rolf Stähli. «Die Zimmer wären problemlos bewohnbar.»

Komitee prüft Anzeige gegen Gemeinderat

Das Komitee «Herdschwand erhalten» hat gestern einen offenen Brief an den Gemeinderat geschickt, um gegen das Vorgehen der Gemeinde zu protestieren. Gemeinderat Urs Dickerhof (SVP) bestätigt den Eingang des Schreibens. Der Gemeinderat werde im Laufe der nächsten Wochen eine Antwort formulieren. Für Rolf Stähli ist klar: Sollte die Nicht-Beheizung der Räume zu grösseren Schäden führen, wird das Komitee eine Anzeige gegen den Gemeinderat wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht prüfen. «Man hat nicht einmal das Wasser aus den Heizkörpern ausgelassen. Bisher hatten wir einfach Glück, dass es keine längeren Frostperioden gab», sagt Stähli.

Die Abstimmung vom 4. März ist bereits die zweite zum Thema Herdschwand. Im Jahr 2015 hat das Volk die Weichen gestellt für den Verkauf des Areals an die Losinger Marazzi AG, indem es den Vorkaufsvertrag bewilligte. Daraufhin wurde der Bebauungsplan «Neu­schwand» erarbeitet, der eine Neuüberbauung des Areals vorsieht. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Wird der Bebauungsplan am 4. März abgelehnt, kommt auch der Landverkauf für 16,5 Millionen Franken nicht zu Stande. Das Areal würde dann im Besitz der Gemeinde bleiben, und auch der Abriss der Gebäude wäre vorerst sistiert. Neben dem Bebauungsplan stimmen die Emmerinnen und Emmer in vier Wochen noch über eine zweite Frage ab. Es geht darum, ob die Herdschwand-Gebäude sofort abgerissen werden sollen oder erst bei der Realisierung des Neubauprojekts.

Das Projekt «Neuschwand» sieht mehrere Mehrfamilien­häuser anstelle der heutigen Überbauung vor. Einzig das frühere Personalhaus des Alters­zentrums soll erhalten bleiben. Insgesamt sollen auf dem Herdschwand-Areal 150 neue Wohnungen entstehen.

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