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GÜTSCH-BAHN

Anwohner «erfreut und besorgt»

Dass das Bähnli hinauf zum Gütsch bald wieder fährt, stösst auf viel Zustimmung. Der Fahrpreis gibt aber noch zu reden.
20.08.2015 | 06:28
Bildergalerie: Gütschbahn-Kabinen werden montiert

Die Fahrkabinen der neuen Gütschbahn – einem Schräglift – nahmen ihren Weg auf die Schiene durch die Luft: Sie wurden per Pneukran auf die Fahrwerke abgesenkt.

Video: Die Kabine der Gütschbahn schwebt herab

Nach jahrelangem Stillstand wird die Gütschbahn in Luzern bald wieder fahren. Wir waren dabei, als die erste Fahrkabine des sogenannten Schräglifts angeliefert und am Seil heruntergelassen wurde. (Christian Volken , 18. August 2015)

Nach sieben Jahren Stillstand soll sie nun endlich wieder fahren: die Gütschbahn, von der Baselstrasse hinauf zum Hotel Château Gütsch. Am Dienstag wurden die beiden neuen Kabinen auf die bestehenden Gleise montiert (gestrige Ausgabe). Inzwischen fanden erste Testfahrten statt. «Wir sind mit beiden Kabinen je einmal hinauf- und hinuntergefahren», sagt Thomas Müller von der Herstellerfirma Inaurn-Schätti AG.

«Die Stromzufuhr funktioniert», so Müller. Die Testfahrten sollen nächste Woche intensiviert werden. Wann die Bahn ihren öffentlichen Betrieb aufnimmt, steht aber noch immer nicht fest. In der ersten Septemberhälfte solle es so weit sein, lässt die Gütsch Immobilien AG, in deren Besitz sich Hotel und Bahn befinden, zurzeit verlauten.

Talstation bald fertiggestellt

Entscheidend ist die Konzessionserteilung durch den Kanton. «Bevor diese erfolgen kann, müssen alle Bauarbeiten beendet sein», sagt dazu Thomas Müller. Die neue Talstation ist zurzeit zwar noch mit Bauabschrankungen zugesperrt, die Arbeiten sind aber weit fortgeschritten.

«Es fehlen nur noch die beiden Eingangstore sowie die Trassee-Blechabschlüsse», erklärt Projektleiter Pete Widmer vom Büro für Bauökonomie Luzern. Sowohl die neue Talstation mit dem markanten 11 Meter hohen Portal wie auch das Design der neuen Kabinen schufen die Luzerner Architekten Daniele Marques und Iwan Bühler.

In den betroffenen Quartieren verspricht man sich viel von der Wiedereröffnung der Gütsch-Bahn. «Wenn nun aus der Bauruine ein neues Gütsch-Bähnli hervorgeht, wirkt das belebend aufs Quartier», sagt Josef Moser vom Quartierverein Wächter am Gütsch, in dem sich grosse Teile der Basel-/Bernstrasse (BaBeL) befinden. «Einheimische, vor allem ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Sentihof-Überbauung, freuen sich, wieder einmal auf den Gütsch zu gelangen und auf die Stadt hinabzublicken.»

«In die Stille des Waldes»

«Es stärkt die Lebensqualität im Quartier, nur schon zu wissen, dass ich mich per Knopfdruck von der lauten Strasse in die Stille des Waldes befördern lassen kann», sagt Moser. Auch Touristen würden es schätzen: «Sie werden nicht mehr herumstehen und fragen, wie man denn zum schönen Schloss hochkommt.»

Natürlich sei die Inbetriebnahme der Gütsch-Bahn «für uns sehr wichtig», sagt auch Hans Bammert, Präsident des Quartiervereins Bernstrasse. «Dabei denke ich vor allem an die Bewohner der neu erstellten Gütschhöhe.» Er erhofft sich dadurch auch eine Verkehrsberuhigung der Zufahrt über die «doch sehr schmale und stark frequentierte Kanonenstrasse».

Erleichterter Schulweg

Die Überbauung Gütschhöhe mit 56 Wohnungen wurde 2012 von der Wohnbaugenossenschaft Gefa erstellt. Deren Präsident Pascal Engelberger bestätigt: «Die Wiederinbetriebnahme der Gütsch-Bahn und ihre Integration in den Verkehrsverbund bedeuten eine Aufwertung für das ganze Gebiet.» Viele Anwohner versprächen sich davon etwa einen erleichterten Schulweg für Kinder, die in die Kantonsschule gehen. «Und viele wünschen sich die Gütsch-Bahn zurück für einen Besuch oder das Einkaufen am Wochenende in der Stadt.»

Eine allfällige Beteiligung an den Kosten für den Betrieb der Gütsch-Bahn steht für die Gefa aber nicht zur Diskussion. «Das ist nicht unsere Aufgabe», betont Engelberger. «Wir sind in erster Linie und vor allem bestrebt, günstigen Wohnraum für Familien anzubieten.»

Auch für Hugo P. Stadelmann, Verbandspräsident der Stadtluzerner Quartiervereine, ist klar: «Bewohner und Bewohnerinnen, Ausflügler und Ausflüglerinnen von nah und fern sowie Hotelgäste werden den neuen Gütschlift zu schätzen wissen.» In die allgemeine Freude über die Wiederinbetriebnahme der Gütsch-Bahn – genau genommen ist es ein Schräglift – mischen sich aber auch einige Bedenken. Vor allem der Fahrpreis gibt zu reden. Für die Fahrt mit der Gütsch-Bahn braucht es künftig ein Ticket der Zone 10. Eine Einzelfahrt wird somit 4 Franken kosten (mit Halbtax 3 Franken). «Das ist viel zu teuer», sagte eine Gütschhöhe-Anwohnerin», die am Dienstag mit ihren kleinen Kindern den Kabineneinbau vor Ort als Zuschauerin mitverfolgte.

Wieso kann für die Fahrt auf den Gütsch nicht auch ein Kurzstrecken-Ticket für 2.50 Franken gelten? «Die Kurzstrecke ist im Tarifverbund nur für Busse, nicht aber für Bahnen gültig», sagt dazu Christoph Zurflüh, Verkehrsverbund Luzern. «Es gilt auch zu beachten, dass ein Grossteil der Gäste mit dem ÖV an die Talstation anreist und somit bereits über ein Zone-10-Ticket verfügt. Zudem erhalten alle Gäste, die über den Buchungskanal von Luzern Tourismus buchen, das ÖV-Ticket für ihre Aufenthaltsdauer geschenkt.»

Keine Billettautomaten

Der Schräglift auf den Gütsch kann von den Kunden künftig per Knopfdruck bestellt werden. Weder bei der Berg- noch bei der Talstation werden Billettautomaten installiert, lediglich zwei Entwerter. Bei der Talstation kann man sich Tickets bei der rund 50 Meter entfernten Bushaltestelle Gütsch besorgen. Für die Talfahrt gibt es die Möglichkeit, sich Tickets online herunterzuladen. Ob es künftig auch möglich sein wird, Tickets bei der Hotelrezeption zu erwerben, steht zurzeit noch nicht fest.

Die Betriebszeiten der Gütsch-Bahn würden jenen der VBL entsprechen, sagte Gesa Eicher von der Gütsch Immobilien AG auf Anfrage unserer Zeitung. Definitiv stehen aber auch diese noch nicht fest.
 

Hugo Bischof

 

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