Luzern
09.04.2017 05:00

Monteverdi – eine Schweizer Autolegende kommt nach Luzern

  • Eines der Modelle der Marke Monteverdi: Monteverdi High Speed 375 S Fissore. (© Bilder: PD)
    Eines der Modelle der Marke Monteverdi: Monteverdi High Speed 375 S Fissore. | Bilder: PD
  • Der Monteverdi Hai 450 SS 1970. (© PD)
    Der Monteverdi Hai 450 SS 1970. | PD
  • Monteverdi Palm Beach 1975. (© PD)
    Monteverdi Palm Beach 1975. | PD
  • Der Monteverdi 450 GTS 1973. (© PD)
    Der Monteverdi 450 GTS 1973. | PD
  • Der Monteverdi Safari 4 x 4 1976. (© PD)
    Der Monteverdi Safari 4 x 4 1976. | PD
VERKEHRSHAUS ⋅ Mit seinen Sportwagen belieferte Peter Monteverdi einst weltweit die Reichen und Prominenten. Ab Donnerstag können die Besucher des Verkehrshauses diese legendären Fahrzeuge bestaunen.

Auch beim Automobilsalon von Genf waren 1970 die grossen und berühmten Hersteller vor Ort und präsentierten ihre Prachtexemplare. Bei Lamborghini war der Miura zu bewundern, Ferrari zeigte den Daytona, und Aston Martin führte seinen DBS V8 vor. Den italienischen und den englischen Luxusfahrzeugproduzenten entging damals aber nicht, was die Besucherinnen und Besucher beim Stand der Schweizer Automanufaktur Monteverdi in den Bann zog – nämlich ein formvollendeter Supersportwagen, der Hai 450 SS. In diesem Boliden steckt ein 7-Liter-V8-Hemi-Motor aus dem Hause Chrysler. Für die 100-km/h-Marke wurden 5, für die doppelte Geschwindigkeit 19,5 Sekunden gemessen. Entsprechend hoch war der Preis. Dieser lag bei 120 000 Franken.

Seit langem kann die Schweizer Wirtschaft in vielerlei Sektoren auf eine erfolgreiche Tradition zurückblicken. Im Motorfahrzeugbau aber, von Saurer/Berna einmal abgesehen, war das kaum je der Fall. Umso mutiger erscheint im Nachhinein der unternehmerische Entscheid, den Peter Monteverdi vor über 50 Jahren fällte. Der gelernte Automechaniker aus Binningen entschloss sich, mit der Produktion von Sportwagen zu beginnen.

Vom jüngsten Ferrari- Händler zum Konkurrenten

Bemerkenswert sind die Hintergründe dieses Entscheides. Noch keine 30 Jahre alt, war Peter Monteverdi 1965 der jüngste Ferrari-Händler weltweit. Enzo Ferrari kam dann allerdings überein, dass er dem jungen Schweizer die Vertriebsrechte für die italienischen Luxusfahrzeuge nicht mehr länger gewähren wollte und einen anderen Importeur bestimmte. Dieser Umstand stachelte den Baselbieter an, in direkte Konkurrenz mit Ferrari zu treten und eine eigene Sportwagenproduktion zu lancieren. Und zwar schnelle Autos, die aber in Sachen Komfort wie Klimaanlage, Automatik­getriebe oder Servolenkung keine Wünsche offenliessen.

Paul Berger hebt sich aus dem Ledersitz eines braun lackierten Monteverdi Palm Beach. Wie kein Zweiter kennt dieser Mann die Geschichte des Unternehmens, war er doch Geschäfts- wie auch Lebenspartner des 1998 verstorbenen Firmengründers. Berger steht nun in der Halle Strassenverkehr des Verkehrshauses der Schweiz, wo ab Donnerstag verschiedene Monteverdi-Exemplare für die Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Bis Ende letzten Jahres wurden die Autos im Museum von Binningen gezeigt. Diese 22 Fahrzeuge befinden sich seit 2015 im Besitz der Stiftung Peter Monteverdi Automobilbau. Berger präsidiert die Organisation.

Monteverdi wollte nicht in einem Konzern aufgehen

Berger sagt, das Unternehmen habe zwischen 1967 und 1984 rund 3000 Fahrzeuge verkauft. Viele in den Nahen und den Mittleren Osten. «Das grösste Problem war oft, dass, wenn wir einen Scheich belieferten, ein anderer dasselbe Fahrzeug bestellte mit dem Wunsch aber, dieses noch mit dem einen oder anderen Extra auszustatten.» Wer zu den Kunden von Monteverdi zählte, sagt Berger auch über 30 Jahre nach der Einstellung des Betriebes nicht. Bekannt ist jedoch, dass der Schah von Persien oder auch Gunter Sachs zu den Monteverdi-Kunden zählten. Weshalb aber wurde 1984 die Produktion eingestellt? Dazu sagt Berger: «Die technischen Entwicklungen im Automobilbau hätten Investitionen in Millionenhöhe erfordert. Dieses Geld hatten wir nicht, und der Anschluss an einen grossen Autohersteller kam für Peter Monteverdi nicht in Frage.»

 

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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