Luzern
29.04.2017 05:00

Neues Schiff vor Jungfernfahrt schon 50-mal vermietet

  • Das MS 2017 wird am Donnerstag getauft.
    Das MS 2017 wird am Donnerstag getauft. | Leser Stefan Zürrer
  • Eine Grafik zu den Besonderheiten des MS 2017.
    Eine Grafik zu den Besonderheiten des MS 2017. | Janina Noser
  • Die Technischen Daten und die Timeline.
    Die Technischen Daten und die Timeline. | Grafik: LZ
  • Ein Grössenvergleich der verschiedenen Schiffe.
    Ein Grössenvergleich der verschiedenen Schiffe. | Grafik: LZ
MS 2017 ⋅ Am Donnerstag erhält das «MS 2017» seinen Namen. Jetzt wird klar: Das neue Flaggschiff hat 15,5 Millionen Franken gekostet – rund 2 Millionen mehr als budgetiert. Der Mehraufwand dürfte sich aber auszahlen.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Einer der wichtigsten Tage für Christen ist jener, an dem sie getauft werden. Ähnlich verhält es sich bei den Schiffen – und damit auch beim neusten Nachwuchs der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV): Am Donnerstag wird das «MS 2017» getauft und sticht für seine Jungfernfahrt in See. Dann heisst es entweder «Aquamarin», «Aquarius», «Diamant», «Lake Lu­cerne» oder «Orion». Diese Namen hat ein SGV-internes Gremium für die engere Auswahl erkoren. Ursprünglich waren 4500 Vorschläge aus der Bevölkerung eingegangen (Ausgabe vom 7. November 2016).

Wie das Schiff auch immer heissen mag – schon jetzt zeichnet sich ab, dass es einen starken Markteinstieg feiern wird. Werner Lüönd, der Marketing- und Verkaufsleiter der SGV, sagt: «Wir konnten das Schiff jetzt schon 50-mal vermieten.» Der erste private Anlass wird gar nur einen Tag nach der Jungfernfahrt stattfinden. Die SGV geht davon aus, dass sie pro Vermietung rund 20'000 Franken umsetzt – inklusive Gastronomieanteil. Macht unter dem Strich also 1 Million Franken. Die Anzahl der Vermietungen sei nicht überraschend, wohl aber der Zeitpunkt. Lüönd: «Ich bin erstaunt darüber, dass wir bereits vor der Einweihung schon 50 Buchungen verzeichnen konnten.»

Fast 15 Prozent teurer als geplant

Das sind erfreuliche Nachrichten für die SGV. Und wohl auch erleichternde. Denn das Schiff wurde mit 15,5 Millionen Franken fast 15 Prozent teurer als ursprünglich budgetiert: «Die Planungs- und Bauphase dauerte ganze fünf Jahre. Während dieser Zeit kam noch die eine oder andere Idee hinzu, welche umgesetzt wurde.» Zudem sei bei einem völlig neu konzipierten Schiff zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses immer eine gewisse Unsicherheit dabei. Lüönd ist sich aber sicher, dass diese Mehrkosten nicht zu schwer wiegen werden: «Bei einem Projekt, das so lange dauert und sehr innovativ ist, ist eine solche Kostenentwicklung vertretbar.»

Im Fall des «MS 2017» ist die Innovation augenscheinlich. Das 63,5 Meter lange und 13,5 Meter breite Schiff wartet mit Attraktionen auf, die für ein normales Kursschiff unüblich sind. Bei­spiele sind eine Wasserterrasse im Heck, eine Kompasslounge und eine Bar auf dem Sonnendeck sowie eine Innengalerie, die nach Bedarf verstellt werden kann (siehe Bildstrecke).

Die wohl grösste Überraschung verbirgt sich unter Deck: der Nautilus-Raum. Über eine Wendeltreppe gelangen die Schiffsgäste in eine Kaverne, die unter Wasser liegt. Durch eingebaute Fenster können sie so das Treiben unterhalb der Oberfläche beobachten.

Ende Mai nimmt das «MS 2017» mit dem Wechsel auf den Sommerfahrplan seinen regulären, täglichen Betrieb auf. Geht es nach der SGV, wird die Reise von Luzern nach Flüelen zum Event. Ein Phänomen, das sich in der ganzen Branche beobachten lässt, wie Werner Lüönd sagt: «Um im grossen Tourismusmarkt überzeugen zu können, braucht es attraktive und überraschende Angebote.»

Experte: SGV kann Marktanteile vergrössern

Diese Meinung teilt Jürg Stettler, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern: «Ein erfolgreiches Angebot im Tourismusbereich muss heute eine Topqualität sowie einen Innovationscharakter haben. Und ein Unternehmen muss sein Angebot so inszenieren, dass es zu einem Erlebnis für die Kunden wird.»

Die SGV könne mit dem «MS 2017» seine Marktanteile in der bestehenden Zielgruppe vergrössern und möglicherweise neue Zielgruppen erschliessen. Als Beispiele für eine neue Klientel nennt Stettler Geschäftsleute oder die jüngere Generation, welche von der Kompasslounge angezogen werden könnten. Gleichzeitig bleibt aber die unbestrittene Transportfunktion des Schiffs. «Die Multifunktionalität», so Stettler, «macht das ‹MS 2017› zu einem sehr guten Beispiel eines attraktiven, neuen Produkts.»

Dass eine solche Innovation nötig ist, glaubt auch Werner ­Lüönd: «Immer mehr Anbieter buhlen um die gleichen Gäste. Daher ist es wichtig, deren Bedürfnisse möglichst exakt abzuholen.» Laut Stettler beweist die starke Nachfrage vor der Einweihung des «MS 2017», wie populär Produkte mit innovativem Charakter sind. In der Zentralschweizer Tourismusbranche gibt es gemäss dem Professor noch weitere Beispiele: die Cabriobahn aufs Stanserhorn, die Hängebrücke im Gebiet Sattel-Hochstuckli oder den «Dragon Ride» auf den Pilatus.

Doch wo Licht ist, ist der Schatten bekanntlich nicht weit. Stettler: «Bergbahnen, die heute lediglich eine Transportfunktion übernehmen, werden in Zukunft Probleme bekommen, im Markt zu bestehen.» Im Sommer mehr als im Winter, denn die Wintersportler würden eine Bergbahn ja primär wegen ihrer Transportfunktion benutzen. Im Sommer schenke besonders das Ausflugsgeschäft ein.

Ob Bergbahn oder Schifffahrtsgesellschaft, für beide ist laut Stettler das Gleiche wichtig: «Wenn die Unternehmen keinen Mehrwert bieten können, wird es schwierig.»

Bilderserien zum Artikel (3)

Videos zum Artikel (3)

  • Airbrushkünstler kreiert Unterwasserwelt

  • Ein Rundgang auf der «MS 2017»

  • «MS 2017»: Der Bau im Zeitraffer

Kommentare

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30.04.2017 20:13

Ich freue mich auf den 4. Mai und bin gespannt wie ein Regenschirm. Ich habe damals beim Wettbewerb den Namen " AQUAMARIN" eingegeben, welcher sich unter die ersten fünf plaziert hat. Vielleicht hatten ja viele andere auch diese Idee! !? Ich habe seither nichts mehr gehört. Es würde mich freuen, wenn dieses wunderschöne Schiff diesen passenden Namen bekäme. Auf jeden Fall allzeit gute Fahrt! Rita

Walter Kopp, Meierskappel ⋅ Beiträge: 2
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