Luzern
16.04.2017 05:00

Ostern ist für Familie Stocker wie Weihnachten

  • Ihre Hühner kann man leasen: Stephan und Andrea Stocker mit Tochter Alina.
    Ihre Hühner kann man leasen: Stephan und Andrea Stocker mit Tochter Alina. | Bild: Boris Bürgisser (Greppen, 12. April 2017)
GREPPEN ⋅ Hunderte Eier bringen Stephan und Andrea Stocker per Post oder Kurierfahrt derzeit täglich an Mann und Frau. Dass sie gar bis nach Zürich liefern, gründet auf einer gewieften Geschäftsidee.

Es gackert bei der Familie Stocker. Die zweieinhalbjährige Tochter Alina macht eine Stallführung, stampft in Gummistiefeln durch eine Horde Hühner. 345 sind es an der Zahl. Bei gut jedem zehnten Huhn ziert ein farbiges Band die Beine. Die Tiere sind an Private vermietet. Hühnerleasing nennt sich das.

Für 192 Franken kann man bei der Familie Stocker in Greppen für ein Jahr lang ein Huhn auf Zeit kaufen, darf es besuchen – und kriegt jeden Monat 21 Eier geschenkt, was der durchschnittlichen monatlichen Legeleistung entspricht. Er habe sogar Kunden aus Zürich, sagt Stephan Stocker (35), der zusammen mit seiner Frau Andrea (33) den Hof führt. «Ein Hotelier hat für jeden seiner rund zehn Lehrlinge ein Huhn geleast. Die Eier müssen diese im Betrieb abgeben, womit gekocht wird.»

Seit drei Jahrzehnten im Eiergeschäft

Die Eier der Leasing-Hühner müssen abgeholt werden, andere Kunden beliefern die Stockers per Post. Und in den Tagen vor Ostern haben sie einige Pakete aufzugeben. «Es ist Hochsaison. Ostern ist wie Weihnachten, alle wollen Eier haben», sagt Stephan Stocker. Ob unbearbeitet ab Hof, hart gekocht oder in Form von Eier­kirsch: Die Stockers liefern alles, was die Kunden wünschen. Einmal wöchentlich machen sie Kurierfahrten und beliefern die mehrheitlich privaten Abnehmer, Hotels und kleine Dorfläden – 70 Rappen kostet ein solches ausgeliefertes Freilandei. Der Rest wird ab Hof verkauft – für 50 Rappen pro Stück. «Wir machen alles in Direktvermarktung», sagt Stocker. «Einerseits zieht so kein Zwischenhändler Geld heraus, und wir können unsere Produkte zu fairen Preisen verkaufen. Andererseits wollen die Kunden vermehrt wissen, woher ihre Nahrungsmittel kommen und was mit den Hühner passiert, wenn sie keine Eier mehr legen.» Und was passiert mit den Tieren, wenn nach gut einem Jahr Schluss ist mit Legen? Stocker macht keinen Hehl daraus, dass die Hühner betäubt und geschlachtet werden. «Man darf den Leuten nichts vormachen. Landwirt zu sein, heisst nicht einfach nur in einer Idylle zu leben.» Man lege aber grossen Wert darauf, die ganze Wertschöpfungskette eines Tieres zu nutzen, so Stocker weiter. «Den Grossteil der toten Hühner können wir weiterverwerten, indem wir etwa Geflügelbratwurst oder Geflügelrauchwurst herstellen.»

Doch bis es so weit ist, sollen die Freilandhennen Eier legen. Rund 320 nehmen Stephan und Andrea Stocker täglich aus dem Stall. So, wie es bereits Stephans Eltern gemacht haben – vor mehr als drei Jahrzehnten haben sie sich auf das Geschäft mit Freilandeiern spezialisiert. An Grossverteiler konnten sie damals liefern – doch Mitte der 1990er-Jahren kam die Eierbranche unter Druck. «Die Zwischenhändler wollten bei Kleinbetrieben, wie wir einer sind, keine Lastwagen zum Abholen mehr vorbeischicken, weil dies anscheinend zu teuer war.» Familie Stocker musste mit der Eierproduktion zurückfahren – und stellte auf die Direktvermarktung um. «Heute haben wir für unsere Hofgrösse wieder einen beträchtlichen Hühnerbestand.» Das Geschäft laufe – der Hühnerboom, wie es Stocker nennt, hält weiter an. «Aber es ist ein schmaler Grat zwischen Angebot und Überangebot. Können wir eine Woche lang weniger Eier verkaufen, bleiben wir plötzlich auf Hunderten sitzen», sagt Stocker. «Dann nehmen wir den Telefonhörer in die Hand und versuchen noch möglichst viele unter Bekannten loszuwerden.»

Einzigartig in der Schweiz – Feigen aus der Region

Immerhin haben Eier eine relativ lange Haltbarkeit – bis nach drei Wochen dürfen sie immer noch unter dem Siegel «frisch» verkauft werden. Anders verhält es sich mit einem anderen Produkt, das Familie Stocker vor einigen Jahren lanciert hat. Das Ehepaar hat eine Feigen-Anlage mit rund 160 Bäumen gepflanzt – eine solche Plantage ist bis dato laut Stocker einzigartig in der Schweiz. Und wer weiss, vielleicht kann die Familie Stocker mit ihren gewieften Geschäftsideen nach dem Hühnerleasing erneut einen Trend setzen. Ob sich die Feigen auch finanziell auszahlen, ist derzeit unklar. «Wir sind noch in der Anfangsphase. Aber es läuft gut.»

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Mehr Informationen unter:

www.kirchweg-greppen.ch

www. Ein Video finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/video

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