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LUZERN

SBB lenken bei Tessin-Verbindung ein

Ab dem 10. Dezember soll es wieder eine frühmorgendliche Direktverbindung von Luzern ins Tessin geben. Besser spät als nie, sagt die Interessenvertretung der Bahnkunden zur Kehrtwende.
14.03.2017 | 19:18

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Der am 1. Juni 2016 eröffnete Gotthard-Basistunnel ist mit einer Länge von 57 Kilometern ein Monument – und für viele Luzerner Bahnreisende auch ein Ärgernis. Grund: Seit der offiziellen Inbetriebnahme des Tunnels mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember letzten Jahres fährt der erste Zug erst um 10.18 Uhr direkt ins Tessin. Vor allem für Tagesausflügler geht wertvolle Zeit verloren – oder Komfort, wenn sie für eine frühere Ankunft im Süden in Arth-Goldau umsteigen müssen. Vor dem Fahrplanwechsel gab es schon vier Stunden früher eine Direktverbindung.

Jetzt lenkt Jeannine Pilloud ein. Die Leiterin Personenverkehr der SBB verspricht im Interview mit «Blick»: «Wir arbeiten daran, morgens einen frühen Zug direkt von Basel via Luzern ins Tessin zu führen.» Das soll «rasch» passieren, wenn möglich schon auf den nächsten Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017. Bereits zuvor soll das Angebot an Spitzentagen getestet werden.

60 Mal mehr Passagiere nach Zürich als ins Tessin

Als Grund, warum die SBB Luzern aufs Abstellgleis stellten, nennt Jeannine Pilloud die Passagierfrequenzen. Demnach würden über 90 Prozent der Luzerner unter der Woche nach Zürich fahren, aber nur rund 1,5 Prozent Richtung Gotthard. Wobei klar ist, dass Berufspendler einen  Grossteil der Passagiere Richtung Zürich ausmachen.

Den Widerstand haben die SBB offensichtlich unterschätzt. Es hagelte Vorstösse auf eidgenössischer und kantonaler Ebene, der Luzerner Regierungsrat und Wirtschaftsdirektor Robert Küng (FDP) versprach, sich für eine bessere Verbindung einzusetzen. Und selbst Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr, kritisierte die SBB im Interview mit unserer Zeitung: «In der Tat finden auch wir die Einbindung von Luzern nicht optimal.»

Die Kehrtwende begründet die SBB-Personenverkehrsleiterin so: «Wir möchten den attraktiven Gotthard-Basistunnel, der eine grosse Investition war, möglichst vielen Leuten zugänglich machen.» Die SBB seien lernfähig. «Wir beobachten und korrigieren Entscheide, die wir früher aufgrund anderer Annahmen gefällt haben.» Das rein mathematische Argument ist also einem emotionaleren gewichen.

Einen grösseren Anteil an der Kehrtwende dürfte Pro Bahn haben. Die Sektion Zentralschweiz der Interessenvertretung der Bahnkunden wurde nämlich am 9. Februar dieses Jahres bei Pilloud vorstellig, wie Präsidentin Karin Blättler auf Anfrage sagt. «Wir haben die zusätzliche Verbindung gefordert und den Wunsch geäussert, künftig den Zug ab Basel mit Abfahrt in Luzern um 8.18 Uhr gleich bis nach Mailand zu verlängern.»

Ob dies realisiert wird, ist noch unklar.  Ebenso, ob dafür eine spätere Verbindung geopfert wird. SBB-Mediensprecher Reto Schärli richtet gegenüber unserer Zeitung aus, dass aktiv kommuniziert werde, wenn mehr Details bekannt sind. Karin Blättler ist auf jeden Fall froh, dass die SBB einlenken. Allerdings hätte sie sich eine frühere Änderung gewünscht. In Zeiten der digitalen Fahrpläne wäre das durchaus machbar gewesen. «Aber besser spät als nie.»

Regierungsrat Robert Küng sagt auf Anfrage: «Ich freue mich, dass die SBB diese Direktverbindung ins Tessin rasch realisieren will. Damit wird eine zentrale Forderung von uns umgesetzt – nämlich mit direkten Verbindungen in den Süden den Knoten Luzern zu stärken. Das ist sowohl für unsere Wirtschaft und unseren Tourismus als auch für das nationale Bahnnetz bedeutend: Eine attraktive Nord-Süd-Verbindung via Luzern – die mit dem Durchgangsbahnhof noch attraktiver wird – ist eine wichtige Ergänzung zum stark frequentierten Knoten Zürich.»

Derzeit gibt es werktags von Luzern aus sieben Direktverbindungen ins Tessin. Vor dem 11. Dezember 2016 hat es sechzehn Direktverbindungen ins Tessin gegeben, die erste um 6.15 Uhr in der Früh.

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