Luzern
20.04.2017 05:00

Luzerner Theater will noch mehr Zuschauer

  • Sopranistin Nicole Chevalier begeisterte in der Oper «La Traviata» unter der Regie des neuen Intendanten Benedikt von Peter.
    Sopranistin Nicole Chevalier begeisterte in der Oper «La Traviata» unter der Regie des neuen Intendanten Benedikt von Peter. | Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater
FINANZIERUNG ⋅ Das Luzerner Theater reitet auf einer Erfolgswelle. Dank erfolgreichem «Raumtheater» mit mehr Zuschauern erhofft man sich nun auch im Sponsoring einen Sprung nach vorne.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzenerzeitung.ch

Im Luzerner Theater herrscht Aufbruchstimmung, ja geradezu Euphorie, seit zu Beginn dieser Spielzeit der neue Intendant Benedikt von Peter das Zepter übernommen hat. Schon im Dezember 2016, nach drei Monaten Spielzeit, vermeldete das Theater «eine nie da gewesene Auslastung von knapp 90 Prozent». Konkret: eine Steigerung der Besucherzahl ge- genüber der Vergleichsperiode 2013 (mit ähnlich vielen Aufführungen) um 50 Prozent – von 14 826 auf 22 151. Auch medial gibt’s fast nur Lob: So kam etwa die Oper «La Traviata» in den Zürcher Medien sehr gut weg. «Beifallsstürme für intensive ‹Traviata›» titelte auch unsere Zeitung am 4. April auf der Frontseite nach einer begeisternden, unkonventionellen Premiere der Verdi-Oper.

Ist das die sehnlich erwartete Trendwende in Sachen Publikumszuspruch beim Luzerner Theater, einem kulturellen Flaggschiff der Zentralschweiz? Wir sprachen mit den für die wirtschaftlichen Belange des Luzerner Theaters zuständigen Personen.

Per Ende März 25 Prozent mehr Besucher

Ohne die gegenwärtige Freude zu schmälern, sei vorab festgestellt: Ob sich die gegenwärtigen Erfolgsmeldungen auch finanziell positiv auswirken werden, darüber wird man erst nach Vorliegen der Jahresrechnung Ende Jahr Gewissheit haben. Adrian Balmer, seit 1995 Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters, freut sich über den anhaltenden Erfolg. Er setzt darauf, dass die neue künstlerische Direktion mit ihrem «Raumtheater» zusätzliche Zuschauergruppen vermehrt ins Haus an der Reuss und in die Aussenspielstätten locken wird.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie schwierig es ist, in Luzern und der Zentralschweiz das Theaterpublikum zu erneuern und zu erweitern. Auch unter Benedikt von Peters Vorgänger Dominique Mentha war das Theater innovativ, frech und setzte auf junge Themen. Nach anfänglichem Aufschwung nahm der Ertrag aus den Zuschauereinnahmen in den letzten vier Jahren der zwölfjährigen Ära Mentha aber ab (siehe Tabelle). Für Adrian Balmer ist klar: «Unser Ziel ist ein noch grösseres Publikum. Per Ende März verzeichnen wir rund 25 Prozent mehr Besucherinnen und Besucher als in der Vorjahresperiode, haben eine Platzauslastung von konstant über 80 Prozent und entsprechend höhere Ticketeinnahmen.»

Ein Faktor, der nicht matchentscheidend ist, die Rechnung aber ebenfalls beeinflusst, ist das Verhältnis zwischen Bezahl- und Freikarten in der Jahres­bilanz. Die Freikarten werden seit einiger Zeit im veröffentlichten Geschäftsbericht zur Gesamtbesucherzahl gerechnet, nicht aber im Reporting an den Zweckverband Kultur und den Stiftungsrat Luzerner Theater (siehe Kasten).

Eigenfinanzierungsgrad: Ehrgeiziges Ziel

Werfen wir einen Blick auf den Gesamtertrag des Theaters. Dort machen die Zuschauereinnahmen wie in allen öffentlich geförderten Kulturinstitutionen nur einen kleinen Teil aus. Der bei weitem grösste Einnahmenposten sind die Beiträge der öffentlichen Hand (Stadt und Kanton Luzern). Diese stiegen teuerungsbedingt beim Luzerner Theater von 17,2 Millionen Franken in der Saison 1998/99 auf 20,6 Millionen Franken in der Saison 2015/16 (inklusive 4,2 Millionen Franken für das Luzerner Sinfonieorchester). 2013/14 musste man bei den Beiträgen des Zweckverbands aufgrund von Sparmassnahmen der öffentlichen Hand eine Kürzung verkraften.

Aus dem Verhältnis zwischen Eigeneinnahmen und Subventionen der öffentlichen Hand ergibt sich der Eigenfinanzierungsgrad. Das Luzerner Theater hat gemäss Leistungsauftrag einen «Eigenfinanzierungsgrad von 20 Prozent anzustreben». Dies wurde seit der Gründung der Stiftung Luzerner Theater 1996 noch nie erreicht. Von einem solchen Wert können aber auch die meisten anderen vergleichbaren Theater in der Schweiz nur träumen. Viele Theater in Deutschland haben gar nur eine Einspielquote von 10 Prozent.

«Betagtes Theater» als Herausforderung

Doch das ehrgeizige Budget 2016/17 des Luzerner Theaters sieht einen Eigen­finanzierungsgrad von über 19 Prozent vor. Um den Eigenfinanzierungsgrad zu steigern, setzt man beim Luzerner Theater vermehrt auf Sponsoring. «Als ich anfing, Mitte der 1990er-Jahre, waren es jährlich weniger als 100 000 Franken Drittmittel», sagt Balmer. Seither fand hier definitiv ein Wandel statt: Aktuell konnten die Drittmittel auf über 1 Million Franken gesteigert werden. «Dies ist notwendig, damit wir als kleinstes Dreispartentheater der Schweiz immer wieder Produktionen auf die Bühne bringen können, die national und auch international Beachtung finden», erklärt Balmer.

Insgesamt stagnierten die Sponsoringbeiträge über die letzten Jahre hinweg aber dennoch. Das hat gemäss Birgit Aufterbeck Sieber, Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters, unter anderem mit dem anhaltenden «KKL-Effekt» zu tun: «Als das Kultur- und Kongresszentrum Luzern um die Jahrtausendwende eröffnet wurde, lockte dessen ‹Neuigkeitseffekt› sehr viel Publikum an, das dann andernorts fehlte.» Mit seiner Ausstrahlung verhelfe das KKL Luzern den Veranstaltern zudem weiterhin, die grossen privaten und institutionellen Sponsoren zu Donationen zu motivieren. Aufterbeck Sieber spricht von einem «architektonisch sowie räumlich einmaligen Erlebniswert», den das KKL Luzern den Veranstaltern, deren Sponsoren und Besuchern biete: «Diesen müssen wir im betagten Luzerner Theater an der Reuss durch überraschende Raumgestaltungen oder durch Inszenierungen in Aussenspielstätten erst aufwendig kreieren. Wir freuen uns deshalb, dass wir mit dem begeisternden ‹Raumtheater› unseres neuen Intendanten Benedikt von Peter wieder deutlich an Publikum und Sponsoren zurückgewinnen.»

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