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KANTON LUZERN

Alle 42 Sekunden verschwindet ein Quadratmeter Kulturland

Zwei kantonale Volksinitiativen verlangen den Schutz der Landschaft und damit einen weitgehenden Einzonungsstopp. Das dürfte zu vielen emotionalen Diskussionen führen. Zeit also für eine Auflistung von Fakten.
07.08.2017 | 05:00

 

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch

Die meisten Dörfer und Städte in der Schweiz sind in den letzten Jahrzehnten markant gewachsen – weil immer mehr Menschen hier leben und weil die Wohnfläche pro Kopf kontinuierlich steigt. Darum stehen heute Gebäude, wo in unserer Kindheit noch Kühe grasten. Darum wachsen Dörfer zunehmend zu Agglomerationsflächen zusammen.

Diese Tatsachen scheinen immer mehr Leute zu beschäftigen. Die sogenannte Zersiedlung wird als Problem wahrgenommen, das es zu lösen gilt. In diesem Zusammenhang zu sehen ist fraglos die 2012 vom Volk angenommene Zweitwohnungsinitiative. Eine satte Mehrheit der Urnengänger sagte ein Jahr später auch Ja zum revidierten Bundesgesetzes über die Raumplanung. Dieses fördert nun die Verdichtung bestehender Siedlungsgebiete, minimiert Einzonungen und schont damit die Landschaft. Ebenfalls 2013 fand im Kanton Luzern das neue Raumplanungsgesetz an der Urne eine Mehrheit. Das Bekenntnis zu einem sorgfältigeren Umgang mit der Ressource Land wurde damit bekräftigt.

Die Luzerner Agglomeration wird im grossen Stil verdichtet

Wer die Baustellen in der Luzerner Agglo besucht und die Pläne bevorstehender Grossüberbauungen studiert, merkt: Der Forderung nach innerer Verdichtung wird hier mittlerweile nachgelebt. Allein in der Stadt Luzern und den umliegenden Gemeinden entstehen in den kommenden Jahren auf schon bisher überbauten Flächen Tausende von Wohnungen und Arbeitsplätze. Das ist Wachstum ohne Kulturlandverlust.

Trotzdem ist das Thema brandaktuell geblieben: Auf nationaler Ebene wird es derzeit vom Bauernverband und den Jungen Grünen bewirtschaftet – beide Organisationen haben je eine Initiative eingereicht. Auch auf kantonaler Ebene wurden vor kurzem von einem überparteilichen Komitee zwei Volksbegehren zum Erhalt der Luzerner Kulturlandschaft lanciert (siehe Box und Interview). Diese vorgeschlagenen Verfassungs- und Gesetzesänderungen dürften in den kommenden Monaten erneut zu einer Debatte über die Zukunft unserer Siedlungsgebiete und Landschaften führen. Dabei werden die Bedürfnisse des Heimatschutzes und der Landwirtschaft den Entwicklungsbestrebungen des Kantons und vieler Gemeinden gegenüberstehen. Auch die Bauwirtschaft wird fraglos ihre Position einbringen.

Die Bauzonenstatistik liefert aussagekräftige Daten

Zur Bildung einer persönlichen Meinung helfen Fakten. Besonders viele spannende Daten finden sich in den Bauzonenstatistiken des Kantons – die wichtigsten haben wir hier zusammengestellt. So sind etwa in der Grafik auf dieser Seite die verbleibenden Baulandreserven aufgelistet. Sie sind sehr unterschiedlich auf die Gemeinden verteilt: Die Spitzenreiter Emmen (78 Hektaren) und Luzern (77 Hektaren) haben etwa über 100 Mal so viele Reserven wie die Gemeinde Ebersecken (0,7 Hektaren). Mit Blick auf einen möglichen Einzonungsstopp bietet diese Tatsache einiges Potenzial für Krach.

Auch interessant: Das gesamte Siedlungsgebiet bedeckt einen Vierzehntel des Kantons. Und: Im vergangenen Jahr wurden kantonsweit 75 Hektaren Kulturland überbaut. Hier beginnt die Diskussion: Ist das viel oder wenig?

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