Luzern
14.07.2017 04:40

Eine wohltätige Ader seit 100 Jahren

  • Das interkulturelle Kinder- und Jugendstreichorchester des Quartiers Basel-/Bernstrasse «BaBeL Strings» wurde 2016 vom Rotary Club Luzern unterstützt. (© Bild: Nadia Schärli, Luzern, 27. Juni 2016)
    Das interkulturelle Kinder- und Jugendstreichorchester des Quartiers Basel-/Bernstrasse «BaBeL Strings» wurde 2016 vom Rotary Club Luzern unterstützt. | Bild: Nadia Schärli, Luzern, 27. Juni 2016
ROTARY ⋅ Vor hundert Jahren wurde in Chicago die Rotary Foundation gegründet, die heute Förderprogramme weltweit unterstützt. Luzern kam wenig später eine wichtige Rolle zu.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Rotary Foundation feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Mit humanitären, erzieherischen und kulturellen Programmen unterstützt und fördert sie die Bestrebungen von Rotary International beim Einsatz für Völkerverständigung und Weltfrieden. Für Förderprogramme schüttet die Stiftung jährlich etwa 100 Millionen US-Dollar aus – in erster Linie dank freiwilliger Spenden ihrer Mitglieder. Den Rotary Club selber gibt es seit 112 Jahren. Er ist der weltweit älteste Service-Club mit mittlerweile rund 1,2 Millionen Mitgliedern, die sich in 31600 Clubs in 166 Ländern zusammengeschlossen haben. Ihr Motto: «Gemeinnutz geht vor Eigennutz».

Begonnen hat die Geschichte der Rotarier in Amerika: 1905 scharte der Chicagoer Rechtsanwalt Paul Harris in der damals boomenden Industriestadt fünf Freunde um sich, von denen jeder einen anderen Beruf vertrat. Sie trafen sich wöchentlich zum Lunch und wechselten dabei von einem Geschäftsdomizil zum andern. Aus dieser «Rotation» entstand der Name «Rotary Club». Bald wurden weitere Clubs gegründet, zunächst nur in Nordamerika, bald auch in Europa. Ende des Ersten Weltkriegs gab es 500 Clubs, 1921 bereits 1000. 1924 wurde der erste Rotary Club im deutschsprachigen Eu­ropa gegründet: in Zürich.

Die Geburtsstunde des Clubs in Luzern

Wenig später wurde auch Luzern eine wichtige Rolle zuteil: Am 28. Mai 1925 wurde im Hotel Schweizerhof der Rotary Club Luzern aus der Taufe gehoben – als 2091. Mitglied der weltweiten Rotary-Familie. Unter den fünfzehn Gründungsmitgliedern waren Persönlichkeiten, die das damalige Wirtschafts- und Gesellschaftsleben Luzerns prägten. Einige Namen sind noch heute bekannt, darunter Buchdrucker C. J. Bucher, Optiker Wilhelm Ecker, Uhrmacher Eduard Gübelin, Redaktor Fritz Keller, CKW-Direktor Fritz Ringwald, Schindler-Direktor Adolf Sigg und Hotelier Victor Wiedemann.

Gemeinnützigkeit stand auch bei den Luzerner Rotariern von Beginn an zuoberst auf der Agenda. Ebenso fleissig wurde jedoch auch politisiert. Mit Bezug auf einen Artikel im damaligen «Luzerner Tagblatt» beklagten Rotarier an einer ihrer Sitzungen, dass «viele Luzerner in Zürich statt in Luzern einkaufen». Das sei «gar nicht patriotisch». Die Luzerner Ladenbesitzer sollten etwas kreativer sein, «statt mit der Pfeife im Mund die Ladentüre zu blockieren», formulierte es ein damaliger «Tagblatt»-Redaktor. Nachzulesen ist dies in einem Dokument aus dem Rotary-Archiv.

Frauen wurden erst 1989 zugelassen

Im Jahr 1957 fand in Luzern der Rotary-Weltkongress statt. Damals gab es weltweit 442 000 Rotarier. 5238 Delegierte und 4464 Gäste aus 78 Ländern besuchten den Kongress, der im Kursaal-Casino stattfand. Dazu gibt es eine heute zum Schmunzeln anregende Anekdote: Als Begleitveranstaltung für die Rotarier-Damen fand im Kursaalgarten «eine fantastische Modeschau» statt, berichtete das «Luzerner Tagblatt»: «In den apart wirkenden Räumen des Kursaals war eine auserle­sene Gesellschaft von Damen aus aller Welt beim gemütlichen Tee versammelt und freute sich an den bezaubernden Modellen, die von den vielen Mannequins über den Laufsteg geführt wurden.» Als Rotary-Mitglieder sind Frauen erst seit 1989 zugelassen.

Zu einem weiteren Rotary-Meilenstein in Luzern kam es am 4. und 5. März 2005 im KKL bei der 100-Jahre-Feier von Rotary International. Ein Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt des reformierten Pfarrers Gerit de Haan und des katholischen Pfarrers Gerold Beck, beides Rotarier. Bemerkenswert war dies auch deshalb, weil die Kirche katholischen Geistlichen bis in die 1970er-Jahre hinein die Rotary-Mitgliedschaft verbot. Dies, weil Rotariern wegen ihrer nach aussen gepflegten Verschwiegenheit eine Nähe zum verpönten Freimaurertum nachgesagt wurde – was heute längst kein Thema mehr ist.

Gemäss Rotary-Chronik verwies Gerold Beck auf das «humanitäre, christliche Anliegen von Rotary International, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, arm und reich, nah und fern». «Die Stadt Luzern ist mit ihren fünf Brücken wie keine andere Stadt prädestiniert, Brücken in die fünf Kontinente hinaus zu bauen.» Ein schönes Bild, das von Rotariern heute noch gepflegt wird.

Hinweis

www.rotaryclubluzern.ch

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