Luzern
16.06.2017 07:00

Angriff auf verhafteten Mann: Untersuchung gegen Kaderpolizist

  • Ein Kadermitglied der Luzerner Polizei ausser Dienst soll in der Stadt Luzern einen verhafteten Mann tätlich angegriffen haben.
    Ein Kadermitglied der Luzerner Polizei ausser Dienst soll in der Stadt Luzern einen verhafteten Mann tätlich angegriffen haben. | Symbolbild: Getty
LUZERN ⋅ An der vergangenen Fasnacht soll ein ranghoher Polizist ausser Dienst zwei gefasste Männer beschimpft und einen von ihnen tätlich angegriffen haben. Jetzt läuft eine Administrativuntersuchung. Im Juli wird der Schlussbericht erwartet.

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Die Medienmitteilung der Luzerner Polizei über den vergangenen «rüüdigen Samstag», dem 25. Februar, vermittelt einen beruhigenden Eindruck. «Die Luzerner Polizei zieht eine allgemein positive Bilanz», schrieb sie am 26. Februar. Von einer zwischenzeitlichen Sperrung des Rathausstegs in der Stadt Luzern war die Rede, von vereinzelten Streiten zwischen Fasnächtlern, die geschlichtet werden mussten.

Ein Ereignis teilte die Polizei allerdings nicht mit. Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, nahm eine Polizeipatrouille an jenem Samstagabend Unter der Egg zwei mutmassliche Taschendiebe fest. Die beiden Polizisten schienen die Situation unter Kontrolle zu haben, als sich plötzlich aus der Menge ein Mann löste und auf die Verhafteten zuging. Dann soll er die mutmasslichen Diebe beschimpft und einen von ihnen tätlich angegriffen haben. Wie Quellen gegenüber unserer Zeitung berichten, soll es sich um einen Faustschlag ins Gesicht eines Verhafteten gehandelt haben. Sicher ist: Beim mutmasslich gewalttätigen Mann handelt es sich nicht etwa um einen einfachen Bürger, sondern um ein Kadermitglied der Luzerner Polizei, das sich in seiner Freizeit an die Fasnacht begeben hat.

Staatsanwaltschaft stellte Verfahren ein

Der Vorfall ist polizeiintern gemeldet worden. Nach Erhalt der Meldung hat Kommandant Adi Achermann eine Administrativuntersuchung eröffnet und eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht, wie Achermann auf Anfrage schriftlich mitteilt. Die Luzerner Staatsanwaltschaft untersuchte den strafrechtlichen Bereich des Vorfalls. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Administrativuntersuchung sistiert, wie dies auch üblich ist.

Am 7. März entschied die Luzerner Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Der Grund dafür war bis dato nicht in Erfahrung zu bringen. Gemäss Einschätzungen von Rechts­experten dürfte es sich allerdings um ein Antragsdelikt handeln. Das heisst: Der Angegriffene hätte – sofern er nicht gravierend verletzt worden ist – selber Anzeige erstatten müssen.

Doch der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Denn die Administrativuntersuchung wurde wieder aufgenommen. «Diese läuft aktuell noch, ein Abschluss ist im Juli 2017 zu erwarten», teilt Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) gegenüber unserer Zeitung mit. Er sei am Aschermittwoch von Adi Achermann informiert worden. Und weiter: «Mit der Untersuchung wird geprüft, ob Dienstpflichten verletzt worden sind. Ferner, ob und in welchem Umfang personalrechtliche Massnahmen an­gebracht sind.» Die Untersuchung leitet ein ausserkantonaler Rechtsanwalt. Dabei handelt es sich um Roberto Zalunardo aus Baar. Er ist auf Mediation im Strafverfahren spezialisiert. Wem im Polizeikorps Zalunardos Ergebnis präsentiert wird, ist noch unklar. Das hängt unter anderem vom Ergebnis selbst ab, teilt das Justiz- und Sicherheitsdepartement mit. So könne ein weiterer Kreis informiert werden, wenn Abläufe oder Zuständigkeiten anders geregelt werden müssen.

Der Vorfall wird für die Polizei zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt publik: Kommandant Adi Achermann und Kripo-Chef Daniel Bussmann müssen sich am kommenden Montag vor dem Bezirksgericht Kriens verantworten, weil ihnen fahrlässige Tötung vorgeworfen wird. Dies, nachdem am 9. März 2016 eine 65-jährige Frau im Rahmen einer Hausdurchsuchung in Malters Suizid beging. 2013 geriet die Luzerner Polizei zudem schweizweit in die Schlagzeilen, unter anderem, weil ein Elite-Polizist einen wehrlosen Einbrecher mit Füssen traktierte. Als Konsequenz daraus trat Achermanns Vorgänger Beat Hensler am 15. Dezember 2013 als Kommandant zurück.

Kommentare

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16.06.2017 11:11

Täusche ich mich, oder hat die Luzerner Polizei ein Personalproblem? Wieder wird ein Vorfall öffentlich der eine Führungsperson der Polizei betrifft. Übergriffe auf Verhaftete? Für mich ein absolutes NO GO. Jeder Polizeibeamte schwört am Anfang seiner Polizeilaufbahn seinen Diensteid. Dieser Eid wurde durch den Angriff in den Dreck gezogen... Wer ,notabene als unbeteiligter Polizeibeamter so reagiert der sollte sich fragen ob er am richtigen Ort seinen Job versieht. Luzern braucht keine "Rambos" als Polizisten. So wird das Vertrauen zerstört. Herr Bussmann, Herr Achermann, bitte treten sie zurück und öffnen sie den Weg zu einem Polizeiapparat zu dem die Bevölkerung Vertrauen haben kann. Herr Winiker für sie wird es langsam Zeit sich zu entscheiden, in welche Richtung die luzernische Sicherheitspolitik gehen will. Will sie das Vertrauen der Bevölkerung oder muss die Bevölkerung sich Sorgen machen?

Marcel Moser ⋅ Beiträge: 14
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17.06.2017 09:27

Schon sonderbar - ich hatte bisher noch nie negative Erfahrungen mit Luzerner Polizisten gemacht. Liegt das daran, dass ich nicht fremdländisch aussehe?

Jacek Kwasny ⋅ Beiträge: 6
» antworten

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