Luzern
20.05.2017 05:00

Längere Arbeitszeiten beim Kanton Luzern: Das Spital macht eigene Regeln

  • Der Spitalrat hat bereits im Herbst 2016 entschieden, dass das Spital die Änderungen des Kantons nicht übernehmen wird. Auf dem Bild: Blick in den Operationssaal.
    Der Spitalrat hat bereits im Herbst 2016 entschieden, dass das Spital die Änderungen des Kantons nicht übernehmen wird. Auf dem Bild: Blick in den Operationssaal. | Bild: Corinne Glanzmann (Wolhusen, 27. April 2017)
SPAREN ⋅ Der Kanton passt seine Personalordnung an, um 20 Millionen zu sparen. Diese gilt eigentlich auch für kantonsnahe Institutionen. Doch das Spitalgesetz erlaubt Ausnahmen – davon machen nun die Psychiatrie und das Kantonsspital Gebrauch.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

In Zukunft werden Kantonsangestellte 1,25 Stunden pro Woche länger arbeiten. Doch das Luzerner Kantonsspital (Luks) und die Luzerner Psychiatrie (Lups) werden sich nicht den im Konsolidierungsplan 17 vorgesehenen Änderungen des Personalgesetzes fügen, die dem Kanton helfen sollen, 20 Millionen Franken zu sparen. Das bestätigten die beiden Institutionen gegenüber unserer Zeitung.

Eigentlich gilt grundsätzlich das kantonale Personalrecht auch für verselbstständigte Institutionen des Kantons. Also auch für die beiden grossen Luzerner Gesundheitsinstitutionen. Im Spitalgesetz ist allerdings festgehalten, dass «aus betrieblichen Gründen» mit Bezug auf Entlöhnung, Arbeitszeit, Ferien, der beruflichen Vorsorge sowie der Beendigung des Arbeitsverhältnisses Spitäler davon abweichen dürfen. Darauf stütze sich der Spitalrat bei seinem Entscheid, wie Ramona Helfenberger, Mediensprecherin des Luks, gegenüber unserer Zeitung Auskunft gibt. «Der Spitalrat hat bereits im Herbst 2016 im Grundsatz entschieden, dass das Luks die Änderungen des Kantons nicht übernehmen wird.» Eine Rücksprache mit dem Kanton sei dazu nicht notwendig. «Als selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt entscheidet das Luks eigenständig, ob aus betrieblichen Gründen Abweichungen vom Personalrecht des Kantons erforderlich sind.»

Die Psychiatrie tut es dem Luks gleich

Auch die Luzerner Psychiatrie handhabt es wie das Luks. Begründet wird beiderorts mit demselben Argument. «Als Spital bewegen wir uns mit unseren Mitbewerbern in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld. Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv bleiben», so Helfenberger. Deshalb habe der Spitalrat entschieden, die bisherigen Anstellungsbedingungen beizubehalten, um auf dem umkämpften Arbeitsmarkt der Gesundheitsberufe Chancen zu haben.

«Das Gesamtpaket von Angeboten und ausgewogenen Anstellungsbedingungen macht einen attraktiven Arbeitgeber aus», führt Helfenberger aus. Mit Blick auf die Anstellungsbedingungen der Mitbewerber legte der Spitalrat besonderen Wert darauf, die bisherige wöchentliche Arbeitszeit beizubehalten. «Dies ist vor allem wichtig im Vergleich mit anderen Spitälern, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.»

Um zu verhindern, dass das geltende Personalrecht am Luks automatisch durch das neue kantonale Personalrecht ersetzt wird, war eine Änderung im Personalreglement des Luks notwendig. Diese hat der Spitalrat im April beschlossen.

Das Luks prüfe zudem wie angekündigt andere Optionen, um statt beim Personal an anderer Stelle zu sparen. «Nach wie vor fokussieren wir dabei nicht primär auf das Personal, sondern auf die Optimierung von Prozessen und Strukturen wie durch die Einbindung neuer Technologien», so Helfenberger. «Wir werden hier auch in Zukunft sehr gefordert sein», ergänzt sie.

Gewerkschaft unterstützt den Entscheid des Luks

Zuletzt hatte das Luks 2015 das Personalreglement angepasst und war dafür von den Gewerkschaften kritisiert worden. Diese forderten einen Gesamtarbeitsvertrag und eine erhöhte Mitsprache der Mitarbeiter. Diese Forderung bleibe bestehen, so Martin Wyss, Sprecher des VPOD. Den Entscheid des Luks, das Spitalgesetz zur Anwendung zu bringen, unterstützt er aber: «Gerade im Gesundheitsbereich sind die kantonalen Sparmassnahmen beim Personal verheerend», betont er. «Ein Spital kann sich das in Zeiten des Fachkräftemangels nicht erlauben.» Daher sei der Entscheid der Spitalleitung nachvollziehbar.

Das Luks wendet jährlich 555 Millionen Franken für sein Personal auf. Gemäss Jahresbericht 2016 hat das Spital 6853 Mitarbeiter. Beim Lups sind es rund 1100 Mitarbeitende bei einem Personalaufwand von 84 Millionen Franken.

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Das Auto mit angehängtem Wohnwagen stellte sich quer.
UNFALL

Wohnwagen blockierte A2 – mehrere Kilometer Stau

Lichtspektakel an der Fassade des KKL während des Luzerner Fests.
LUZERNER FEST

Erstmals Lichtspektakel anstatt Feuerwerk

Das im Kanton Obwalden ausgewilderte junge Bartgeierweibchen BG960 setzt nach seinem Erstflug zur Landung an.
MELCHSEE-FRUTT

Ausgewildertes Bartgeierweibchen ist tot

Frisch gekürt und dennoch ganz entspannt: Martha, der "Hässlichste Hund der Welt" 2017.
TIERE

Martha ist der «hässlichste Hund der Welt»

Nach dem Durchzug einer Gewitterfront mit Sturmböen wurde auch die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug am Freitagabend zu insgesamt neun Unwettereinsätzen in der aufgeboten.
ZUG

Heftiges Hitzegewitter richtet im Kanton Schäden an

Der Deutsch-Albaner Dren Feka im Einsatz mit der 2. Mannschaft des HSV.
FUSSBALL

HSV vermeldet Wechsel von Dren Feka zum FC Luzern

Tobias Geisser wird in der nächsten Saison im NLA-Team des EVZ spielen.
NHL

Washington draftet Obwaldner Tobias Geisser

Feuerwehr und Rettungsdienst holen den 11-Jährigen zurück auf die Strasse.
RICKENBACH

11-jähriger Bub stürzt in Tobelbach

Das Kriminalgericht des Kantons Luzern.
LUZERN

Sein Faible für schöne Autos wurde ihm zum Verhängnis

Rosige Aussichten trotz Wolken: Gabriel Gerber, Jana Portmann, Kim Meyer und Lars Ulrich freuen sich über die bestandenen Prüfungen. Oben rechts: Michelle Flückiger und Raphael Theiler betrachten ein Zeugnis. Unten rechts: Rektor Victor Baumann überbringt den Maturi und Maturae Blumen und Zeugnisse.
ABSCHLUSS

Die Matura ist geschafft – jetzt wird gefeiert!

Zur klassischen Ansicht wechseln