Luzern
17.07.2017 07:20

Betreuungsangebote sind gefragt

  • Für organisierte Mittagstische ist die Nachfrage besonders gross. (© Symbolbild: Georgios Kefalas/Keystone)
    Für organisierte Mittagstische ist die Nachfrage besonders gross. | Symbolbild: Georgios Kefalas/Keystone
SCHULE ⋅ Ob Mittagstisch oder Hausaufgabenhilfe: Schul- und familienergänzende Tagesangebote werden immer beliebter. Neue Einrichtungen kurbeln dabei die Nachfrage an.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

 

Seit dem Schuljahr 2012/13 müssen Luzerner Gemeinden für die Volksschule schul- und familienergänzende Tagesstrukturen bereitstellen. Dazu gehören vier Angebote: eine Betreuung vor dem Unterricht am Morgen, eine beaufsichtigte Mittagsverpflegung sowie betreute Hausaufgabenhilfe samt «Zvieri» an unterrichtsfreien Nachmittagen und am frühen Abend (siehe Kasten). Die Elemente lassen sich beliebig kombinieren. Die Preise werden von den Gemeinden festgelegt.

Fünf Jahre nach Einführung zeigt sich: Betreuungsangebote boomen. Heuer zeichne sich «ein starker Zuwachs an Anfragen und Anmeldungen für alle vier Elemente» ab, teilte die 6900-Einwohner-Gemeinde Ruswil kürzlich mit. Pro Tag sind es zwischen acht und zehn Kinder, die ein Angebot nutzen – am häufigsten den Mittagstisch. Dieser kostet in Ruswil – je nach Einkommen der Eltern – zwischen 9 und 17.50 Franken. Bislang stellte die Schule die Angebote über die Tageselternvermittlung «Rundum» sicher. «Aufgrund der steigenden Nachfrage war es aber nicht mehr möglich, die benötigten Plätze allein mit ‹Rundum› abzudecken», sagt Thomas Glanzmann, Gemeinderat Ressort Bildung. Deshalb wird man bis zum Schulstart eigene Räume für Tagesstrukturen bereitstellen. Für die nötigen Umbauten und Einrichtungen sind rund 17 000 Franken budgetiert. «Die neu geschaffenen Strukturen werden fortan kontinuierlich überprüft und die Bedürfnisse der Eltern ermittelt.» Die Zusammenarbeit mit «Rundum» werde weitergeführt: «Die beiden Angebote ergänzen sich hervorragend.»

Rekordjahr bei der Tageselternvermittlung

Die Tageselternvermittlung «Rundum» verzeichnete 2016 ein echtes Rekordjahr: In den Trägergemeinden Ruswil, Buttisholz, Menznau, Wolhusen und Werthenstein wurden über 10 000 Betreuungsstunden geleistet, 1500 mehr als im Vorjahr. «Das ist für unseren Verein ein markanter Anstieg», sagt Vermittlerin Lisa Birrer-Brun. 20 Tagesmütter haben die 36 Kinder betreut, 23 davon waren schulpflichtig. Dass Ruswil nun ein eigenes Angebot auf die Beine stellt, begrüsst Birrer. «Solche Zusatzangebote schauen wir nicht als Konkurrenz an. Es ist gut, wenn die Eltern eine Auswahl haben.»

Gerade in grösseren Gemeinden sei eine Kombination von Schulstrukturen und Tagesfamilien häufig, sagt Josy Jurt Betschart, die bei der Dienststelle Volksschulbildung den Bereich Tagesstrukturen betreut. «Tagesfamilien werden dabei vor allem von Kindern genutzt, die bereits im Vorschulalter von Tageseltern betreut wurden und deren Eltern später im Sinne der Betreuungskontinuität weiterhin auf dieses Angebot setzen.»

Beide Modelle hätten ihre Vor- und Nachteile, sagt «Rundum»-Vermittlerin Lisa Birrer: «Tagesmütter können Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten eine Flexibilität bieten, die bei Schulangeboten fehlt. Sie stehen teils auch während der Ferien zur Verfügung.» Je nach dem falle aber der Weg zur Tagesmutter länger aus. «Gewisse Kinder fühlen sich in der Mittagstischgruppe in der Schule zudem wohler als allein bei der Tagesmutter.»

Neue Strukturen gehen mit steigender Nachfrage einher

Boomende Betreuungsangebote verzeichnet nicht nur Ruswil: «Seit die Pflicht eines bedarfsgerechten Angebots besteht, sind die Tagesstrukturen kontinuierlich gewachsen. Eltern greifen auf das Angebot vor Ort zurück und wissen die Kinder ausserhalb der Unterrichtszeit gut betreut», sagt Josy Jurt von der ­Dienststelle Volksschulbildung. Mittelgrosse und grosse Schulen würden die vier Angebote meist selber organisieren. «Wenn Tagesstrukturen an einer Schule neu eingerichtet werden, zeigt die Praxis, dass Kinder diese zuerst eher weniger besuchen. Die Anzahl nimmt aber stetig zu, wenn Qualität und Kontinuität des Angebots gesichert erscheinen.» Davon geht auch der Ruswiler Gemeinderat Thomas Glanzmann aus: «Wir rechnen mit einem Anstieg der Nachfragen. Ich denke, es gibt einige Familien, die das Angebot zunächst beobachten wollen, um es später dann zu nutzen.»

Ein «stark steigendes Bedürfnis» nach Betreuung beobachtet auch Werner Ottiger, Rektor der Schule Hochdorf. «Die un­terschiedlichen Betreuungsangebote verzeichneten 2016 über 10 000 Belegungen, das ist über ein Drittel mehr als 2015.» Am meisten besucht sei auch im 9700 Einwohner zählenden Hochdorf der Mittagstisch, der 12 Franken kostet und wie die übrigen Angebote von der additiven Tagesschule organisiert werden. «Teilweise servieren wir bis zu 70 Essen pro Tag. Damit stösst unsere Infrastruktur an Grenzen.» Die ehemalige Mensa in der Kantonsschule reiche nicht mehr aus, man müsse die Kinder auf weitere Räume verteilen. Im Zuge der Schulraumplanung (Ausgabe vom 2. Juni) müsse nun auch zusätzlicher Platz für die additive Tagesschule und eine neue Küche geschaffen werden. «Konkrete Zahlen zu den nötigen Investitionen liegen noch nicht vor», sagt Ottiger. Kein Thema sei es derzeit, die Betreuung auf die Ferien auszuweiten. «Aber hält der jetzige Trend an, werden wir ein Ferienangebot überdenken müssen.»

Schwarzenberg muss Mittagstarife anpassen

Laut Jurt von der Dienststelle Volksschulbildung gibt es «einzelne, kleine Gemeinden», die die Tagesstrukturen nur über Tageseltern lösen. In Schwarzenberg etwa betrifft dies die Betreuung vor und nach dem Unterricht. «Diese Angebote werden nur minim genutzt. Vielfach wird die Betreuung in diesen Zeiten innerhalb der Familie oder in der Nachbarschaft privat sichergestellt», sagt Doris Ott, Gemeinderätin Ressort Bildung. Was in der 1700-Einwohner-Gemeinde hingegen gut genutzt werde, sei der Mittagstisch, der das Abwartehepaar organisiere. «Je nach Wochentag sind es bis zu 20 Kinder, die in der Schule verpflegt werden. Die Zahlen sind recht stabil», sagt Ott. Die Anmeldung dafür ist unkompliziert: In der Vormittagspause können die sogenannten Milchsuppen-Bons gekauft werden.

Die Tarife werden aufs neue Schuljahr angepasst und einkommensabhängig gestaltet. «Damit erfüllen wir eine Vorgabe des Kantons. Bisher haben wir den Eltern nur die Kosten für das eigentliche Mittagessen in Rechnung gestellt», sagt Ott. 8 statt 7 Franken kostet die Mittagsbetreuung neu. Bei steuerbaren Einkommen unter 50 000 Franken erhalten Eltern von der Gemeinde pro Mittag eine Entlastung zwischen 50 Rappen und 2.50 Franken.

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