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LUZERN

Bourquin versucht verzweifelt, das Beachvolley-Turnier zu retten

Die Zukunft des Beachvolleyball-Turniers in Luzern ist längst noch nicht gesichert. Der Grund: In der Vergangenheit häuften die Organisatoren unter dem Chef Marcel Bourquin hohe Schulden an.
13.05.2017 | 22:30

Auf dem Kurzfilm sind in einer ersten Sequenz das Luzerner Seebecken, die Reuss, die Kapellbrücke und der Wasserturm zu sehen. Danach werden Bilder von durchtrainierten, geschmeidigen Beachvolleyball-Spielern gezeigt. Es folgt der Kameraschwenk über die menschenleere Lidowiese vor dem Verkehrshaus. Und dann steht er da, wirkt einsam und verlassen: Marcel Bourquin, weisses Haar, mit einer schwarzrandigen Brille im Gesicht. Sein Auftritt wirkt hölzern, ein Lächeln will ihm nicht wirklich gelingen. Er hat einen fast traurigen Gesichtsausdruck, als wolle er in Konkurrenz zu Buster Keaton treten.

Der 60-Jährige wendet sich im beschriebenen Video an die Öffentlichkeit und versucht damit, Geld fürs internationale Beachvolleyball-Turnier in Luzern zu sammeln. Schwarmfinanzierung nennt sich das auf Deutsch, besser bekannt unter dem englischen Begriff Crowd­funding. 50 000 Franken will der Luzerner so generieren. Ziel ist es, dass die Organisatoren der künftigen Turniere finanziell unabhängiger werden, selber Gerätschaften wie eine Maschine zur Sandreinigung anschaffen und damit die Auslagen für Mieten herunterfahren können.

Marcel Bourquin ist Präsident des Vereins Pro Beachvolleyball Luzern. Diese Organisation war dafür verantwortlich, dass in den vergangenen zwei Jahren hochklassiger Beachvolleyball-Sport in Luzern zu sehen war mit den U21-Weltmeisterschaften 2016 als Höhepunkt.

Schulden von mehreren hunderttausend Franken

Geplant war, dass im laufenden Monat ein weiteres international besetztes Turnier im Lido stattfindet. Wie in den Medien zu erfahren war, wird daraus aber nichts. Der Termin ist auf den September verlegt worden, weil aus Sicht der Stadtverwaltung «die Rahmenbedingungen für eine Bewilligung nicht gegeben waren», wie Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, sagt. Konkret: Es fehlt schlicht und einfach an einer Trägerschaft, die den Anlass überhaupt durchführen kann.

Denn jene Organisation, die Marcel Bourquin präsidiert, Pro Beachvolleyball Luzern, darf nicht mehr operativ tätig sein. Der Verein befindet sich in Nachlassstundung. Die Gläubiger haben bis Ende Mai Zeit, ihre Forderungen gegenüber dem Verein geltend zu machen, und zwar beim Stadtluzerner Sachwalter Alain Bachmann. Wie viel Geld vom Verein eingefordert werden wird, ist noch unklar. Aber es ist davon auszugehen, dass es sich um mehrere hunderttausend Franken handeln wird.

Wie aber konnte es so weit kommen, dass Pro Beachvolleyball Luzern in relativ kurzer Zeit derart hohe Schulden anhäufte? Marcel Bourquin erwähnt in diesem Zusammenhang unter anderem zwei Sponsoren, die ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen seien. Um wen es sich dabei konkret handelt, sagt Bourquin nicht. Dafür kommentiert er in allgemeiner Form: «Es ist wirklich jammerschade, dass wir so am Seil heruntergelassen wurden.» Und der Präsident erwähnt noch, dass die Gläubiger dem Verein gut gesonnen seien und es bislang noch zu keinerlei Betreibungen gekommen sei.

Nun also muss eine neue Trägerschaft für die Organisation der Beachvolleyball-Turniere aus der Taufe gehoben werden, und zwar bis Ende Mai. Es soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, die gemäss Bourquin mit einem Gesellschaftskapital von 2 Millionen Franken ausgestattet werden soll. Sachwalter Bachmann sagt: «Im Vordergrund steht eher die Gesamthöhe der Eigenmittel. Wie diese auf Aktienkapital und Darlehen verteilt werden, ist zweitrangig.» Die zu gründende AG habe, so Bachmann, primär zwei Aufgaben zu erfüllen: einerseits die Durchführung künftiger Turniere, andererseits die Sanierung des Vereins. Kommt die AG nicht zu Stande, ist der internationale Beachvolleyball-Sport in Luzern in akuter Gefahr.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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