Luzern
12.08.2017 20:17

Darum ist das «Heitere» so grossartig

  • Feststimmung unter den 36 000 Besuchern während des Konzerts von Dabu Fantastic.
    Feststimmung unter den 36 000 Besuchern während des Konzerts von Dabu Fantastic. | Bilder: Roger Grütter (Zofingen, 12. August 2017)
OPEN AIR ⋅ Jedes Jahr zieht es Tausende Luzerner auf den Zofinger Hausberg. Wir sagen Ihnen, warum die Musik an diesem Festival beinahe zur Nebensache wird.

Christian Hodel

christian.hodel@zentralschweizamsonntag.ch

Es gehört mit 36 000 Besuchern nicht zu den ganz Grossen. Und auch ein wahrer Headliner fehlt an diesem Festival – einmal mehr. Warum ist das Heitere-Open-Air in Zofingen trotzdem seit Monaten ausverkauft, so wie jedes Jahr?

Beim Line-up ist die Antwort nicht zu finden. Natürlich hat es den einen oder anderen bekannten Namen dabei. Doch ein internationaler Star fehlt. Und trotzdem zog es auch dieses Wochenende Tausende Luzerner auf den Zofinger Hausberg. Bis heute Abend werden die Besucher vor der Lindenbühne schaukeln. Und spätestens wenn der deutsche Popsänger Andreas Bourani, als letzter Musiker am diesjährigen Open Air, auf die Bühne tritt, werden die Emotionen auch auf die Letzten überschwappen. «Wer friert uns diesen Moment ein. Besser kann es nicht sein», wird er singen. Tausend Hände werden in die Höhe schnellen. «Ein Hoch auf uns», wird die Menge mit einstimmen. «Auf dieses Leben. Auf den Moment, der immer bleibt. Ein hoch auf uns. Auf jetzt und ewig. Auf einen Tag. Unendlichkeit.» Es wird ein Gänsehautmoment. Feuerzeuge werden in die Luft gehalten. Es wird Umarmungen geben. Ganz sicher. Und Tränen auch. So wie jedes Jahr.

Der Blick vom Riesenrad übers Luzerner Wiggertal

Das Heitere ist für viele mehr als nur ein Musikfestival. Eine grosse Familie sei das heimelige Open Air, schrieb das Schweizer Radio SRF 3 vergangenes Jahr auf seiner Website und verlieh dem Open Air den SRF 3-Festivalaward 2016. Von ungefähr kommt das nicht. Das Heitere unterscheidet sich in der Tat von anderen Festivals. Vom Senior bis zum Kleinkind tummeln sich Besucher jeden Alters auf dem Gelände. Warum? Weil man es kann. Bewusst schöpfen die Veranstalter die Platzkapazität nicht aus. Auch bei den Konzerten von «bekannteren» Künstlern fühlt sich der Besucher nicht wie in eine Sardinenbüchse gepresst. Er hat Bewegungsfreiheit. Kommt hinzu: Die Heitere-Besucher sind kreativ. Meterhohe Türme samt integrierter Bar bauen sie. Manch einer verbringt wohl mehr Zeit auf dem Zeltplatz als auf dem Festivalgelände. An­dere wiederum treffen sich, ganz romantisch, bei Sonnenuntergang auf dem Riesenrad. Und wer dann von hoch oben über den Heitere bis ins Luzernische blickt, weiss, warum das Festival einfach grossartig ist.

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