Luzern
07.11.2017 05:00

Das sagt der Gesamtprojektleiter der Mall of Switzerland

  • Bernd Hofer, CEO der Freo Switzerland AG, beim Eingang zur Mall of Switzerland. Der Österreicher war Gesamtverantwortlicher für den Bau des Shoppingcenters.
    Bernd Hofer, CEO der Freo Switzerland AG, beim Eingang zur Mall of Switzerland. Der Österreicher war Gesamtverantwortlicher für den Bau des Shoppingcenters. | Bild: Roger Grütter (Ebikon, 24. Oktober 2017)
EBIKON ⋅ Am Mittwoch eröffnet die Mall of Switzerland. Gesamtprojektleiter Bernd Hofer über Konkurrenz, Verkehr und Ladenöffnungszeiten.

Interview: Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

*Bernd Hofer, die Mall of Switzerland ist das erste Grossprojekt, das die Freo AG in der Schweiz entwickelte. Welchen Eindruck haben Sie von den hiesigen Verhältnissen gewonnen?

Ich selbst war bereits in Bern als Totalunternehmer des Westside-Centers verantwortlich. Für die Freo ist es aber tatsächlich das erste grosse Engagement in der Schweiz. Die Hauptherausforderung in Ebikon war, die Interessen des internationalen Investors mit denjenigen der lokalen Firmen und Bevölkerung zu verbinden. Das war eine unserer wichtigsten Aufgaben. Heute darf ich sagen, dass uns dies auch sehr gut gelungen ist.

Viele lokale Firmen haben aber immer noch Bedenken, dass die Mall ihnen die Kunden wegnimmt ...

Die Mall wird für einen Mitbewerb sorgen, vielleicht gibt es punktuell auch Verdrängungstendenzen. Ich bin aber überzeugt, dass sich die Mall of Switzerland auch belebend auf die ganze Branche auswirkt. Wenn dieses Projekt dazu führt, dass einige Geschäfte die ausgetretenen Pfade verlassen, um sich neu zu erfinden, dann profitiert doch die ganze Region Luzern von einer stärkeren Dynamik. Wir haben übrigens immer mit offenen Karten gespielt. Seit 2015 sind wir im Austausch mit Quartiervereinen, der City-Vereinigung, der Wirtschaftsförderung sowie mit den anderen grossen Shoppingcentern der Region.

Die Planer der Mall haben immer betont, dass es sich nicht bloss um ein weiteres Shoppingcenter handle, sondern um eine Erlebniswelt mit Freizeit, Sport, Events und Gastronomie. Steht das Einkaufen also gar nicht an erster Stelle?

Wir verstehen uns als Familien- und Freizeitdestination. Am Ende geht es natürlich schon darum, dass die Leute auch einkaufen. Unsere Überzeugung ist: Ein attraktives Projekt bringt mehr Kunden und somit auch zufriedene Retailer, und dies wiederum führt zu einem zufriedenen Investor.

Die Mall wurde zu einer Zeit geplant, als Online-Shopping noch kein Thema war. Inzwischen ist dies die grösste Herausforderung für Shoppingcenter. Würde man das Projekt in Ebikon heute noch genau so planen?

Sagen wir es so: Man würde noch stärker auf Modulbauweise setzen. Trends und Kundenbedürfnisse ändern sich heute viel schneller und kurzfristiger als früher. Die Geschäfte müssen in Bezug auf Konzept, Grösse und Architektur flexibel bleiben. Ein Gebäude muss in der Lage sein, aktuelle Entwicklungen der Gesellschaft jederzeit aufnehmen zu können. Die Bausubstanz muss beweglicher werden. Insgesamt hat man heute eine andere Sicht aufs Bauen – das bringt neue Herausforderungen mit sich, etwa im Hinblick auf Bewilligungsprozesse und Sicherheitsanforderungen. Vieles davon ist in der Mall aber bereits realisiert.

Ein grosses Thema sind die Ladenöffnungszeiten. Diese sind in Luzern am restriktivsten in der ganzen Schweiz. Wie sehr schmerzt Sie das?

Eines gleich vorweg: Wir waren uns immer bewusst, dass die Öffnungszeiten in Luzern so sind, wie sie sind. Doch wir hoffen immer noch, dass sich dies irgendwann ändert. Davon würde die ganze Region Luzern profitieren, selbstverständlich auch der etablierte Einzelhandel. Die Mall of Switzerland liegt wenige Kilometer von den Kantonen Zug und Zürich entfernt. Insbesondere gegenüber Zürich haben wir einen immensen Nachteil infolge der strengen Öffnungszeiten.

Sie hoffen, dass sich etwas ändert – können Sie aktiv etwas dafür tun?

Eine Änderung muss die Politik beschliessen. Und wir wollen uns nicht in die Politik einmischen. Wir arbeiten aber hart daran, den bestehenden Spielraum voll auszunutzen. Mit den Kinos, der Surfwelle und dereinst vielleicht einem Hotel und einem Medical Center könnten wir uns als touristischer Hotspot etablieren und von flexibleren Tourismusöffnungszeiten profitieren.

Ein umstrittenes Thema ist auch der Verkehr. Wie stellen Sie sicher, dass die Mall nicht noch mehr Stau bringt?

Während des Morgenverkehrs ist die Mall noch geschlossen. Da gibt es also kaum ein Problem. Nicht immer auszuschliessen sind Staus hingegen am Abend. Wir tun aber alles, was in unserer Macht steht, um zusätzliche Staus zu verhindern. Es ist schliesslich auch in unserem eigenen Interesse, dass die Mall gut erreichbar bleibt. Deshalb beteiligen wir uns mit insgesamt 9 Millionen Franken am Ausbau und Betrieb des Busnetzes, namentlich an der Linie 1. Wir glauben an den öffentlichen Verkehr und rechnen damit, dass nach dem Vollausbau der geplanten ÖV-Infrastruktur rund 40 Prozent mit Bus, Zug oder Velo anreisen. Das wäre eine hervorragende Quote.

Lange Zeit war Coop als Anker­mieter für die Mall of Switzerland im Gespräch. Dass nun Migros das grosse Los gezogen hat, kam entsprechend überraschend. Ist die Tür für Coop definitiv zu?

Ein Coop-Supermarkt wäre vertraglich ausgeschlossen. Hingegen wären wir offen für Sub-Brands aus der Coop-Gruppe. Zurzeit ist dies jedoch kein Thema.

Mit dem Grossprojekt in Ebikon wollte die Freo erste Erfahrungen im Schweizer Markt sammeln. Wird sich die Firma nun bei weiteren Projekten engagieren?

Wir arbeiten bereits an neuen Akquisitionen im Schweizer Markt und werden sicher mit neuen Projekten überraschen.

Zur Person

*Bernd Hofer wurde 1965 in Kärnten geboren. 2006 kam er in die Schweiz, um als Gesamtprojektleiter im Auftrag der Strabag das Westside-Center in Bern zu realisieren. Ab 2009 war er Direktionsleiter für Strabag in der Schweiz. Seit 2014 ist er Geschäftsführer der Freo Switzerland AG. Die Freo mit Sitz in Root D4 hat die Mall of Switzerland geplant und entwickelt. Nach der Eröffnung wird der Betrieb sukzessive an eine Betreibergesellschaft übergeben: Die Zürcher Firma CBRE mit Center-Manager Jan Wengeler ist künftig für Betrieb und Vermietung der Mall zuständig. (rk)
 

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  • Bau der Mall of Switzerland in Ebikon im Zeitraffer

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