Luzern
10.08.2017 06:30

Die Biervielfalt in der Region wächst

  • André Meyer betätigt die kleine Bierabfüllanlage der Mikrobrauerei MN Brew.
    André Meyer betätigt die kleine Bierabfüllanlage der Mikrobrauerei MN Brew. | Bild: Jakob Ineichen (Rothenburg, 28. Juli 2017)
GETRÄNKE ⋅ In der Region gibt es nicht nur Eichhof, Luzerner Bier oder die Rathaus-Braui. In letzter Zeit sind viele Mikrobrauereien entstanden. Trotz steigender Nachfrage ist das Biergeschäft aber keine Goldgrube.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

«Wir wollen etwas Neues ausprobieren und die Vielfalt fördern», sagt Adrian Minning von der Rothenburger Brauerei MN-Brew. Damit bringt er die Motivation der wohl meisten Hobby-Braumeister auf den Punkt. Ihre Zahl wächst stetig. In den letzten Jahren sind in der Agglomeration ­Luzern gemäss der Homepage bov.ch elf sogenannte Mikrobrauereien gegründet worden, wobei die meisten als Vereine organisiert sind.

MN-Brew etwa existiert seit Februar 2015. Gegründet wurde der Verein in Emmen, daher kommt auch der Name. In Rothenburg habe man in einer alten Metzgerei nun aber eine geeignetere Lokalität gefunden. Der Initiant sei ein Amerikaner gewesen, sagt Minning. Das ist kein Zufall: Der Trend der Mikrobrauereien kommt aus den USA. Gebraut werden in der Regel keine Lager, sondern beispielsweise verschiedene Ale-Sorten oder Stouts. «Das heisst nicht, dass ich kein Lagerbier trinke», sagt Minning. «Es gibt aber schon genug davon, darum wollen wir etwas anderes machen.»

Brauen, Etikettieren und Abfüllen

Bei MN-Brew machen fünf Personen mit, die alle zu 100 Prozent berufstätig sind. «Wir investieren total rund 50 Stunden pro Woche in die Brauerei», sagt Minning. Neben dem Brauen fallen auch Arbeiten wie das Etikettieren und das Abfüllen an. Nur die Zutaten stellen sie nicht selbst her. Die kauft MN-Brew, wie zahlreiche andere Mikrobrauereien auch, beim Brau- und Rauchshop in Densbüren AG. Produziert werden rund 600 Liter pro Monat. Zum Vergleich: bei Luzerner Bier sind es rund 16 000 Liter. Eichhof gibt keine Zahlen bekannt, diese sind aber noch um ein Vielfaches höher. Erhältlich ist das MN-Bier nur während des Rampenverkaufs an der Gerliswilstrasse 62 in Emmen freitags von 18 bis 22 Uhr.

Ganz neu ist der Verein Braubär in Luzern. Seit Ende 2016 produzieren Christoph Kramer und Mazlum Toprak rund 100 Liter Bier pro Monat in einem Hobbyraum an der Sempacherstrasse 34. Wer das Bier kaufen will, muss sich vorher anmelden. «Die Nachfrage ist da, und wir suchen nun ein grösseres Lokal», sagt Kramer, der als Koch die «Freude am Tüfteln mit Lebensmitteln» nun auf das Bier übertragen hat. Eines Tages vom Brauen leben zu können, sei derzeit nicht das Ziel. «Aber träumen kann man immer.»

Einen kleinen Durchbruch hat die Brauerei Unterkuonimatt in Kriens mit ihrem Reib-Bier geschafft. Dieses ist an der neuen Sommerbar Nordpol im Reusszopf erhältlich. Geld verdienen die sieben Vereinsmitglieder aber keines damit. «Brauen ist ein Hobby. Davon eines Tages leben zu können, wäre schon schön. Aber das ist nicht einfach, es wären sehr hohe Investitionen nötig», sagt Vereinsmitglied Ramon Bur. Bisher habe man rund 6000 Franken für die Infrastruktur aufgewendet und viele Arbeiten selbst ausgeführt. «Das wäre bei einem professionellen Betrieb aber nicht mehr möglich.» Der Verein existiert seit 2014. «Für die ersten Versuche haben wir Youtube-Videos als Anleitung verwendet», sagt Bur. Inzwischen werden in einem umfunktionierten Keller rund 200 Liter Bier pro Monat gebraut.

Grösster Verein produziert 1200 Liter

Der wohl grösste Brauverein ist der Verein der Luzerner Bierbrauer, der bis zu 1200 Liter pro Monat produziert. Die Brauerei befindet sich in Kriens an der Nidfeldstrasse 1, dort kann man das Bier auch beziehen. Ausserdem wird es in der Wirtschaft zur Ente Luzern sowie im Hotel-Restaurant Felmis in Horw ausgeschenkt. Dennoch bleibt das Brauen für die Vereinsmitglieder ein Hobby. «Unser Ziel ist es, durch den Bierverkauf die Ausgaben zu decken», sagt Präsident Rolf Matter. Es gehe daher eher um «die Pflege der Bierkultur».

Der wohl bekannteste Mikrobrauer dürfte Urs Krügel sein. Da er hauptberuflich als Quartierpolizist in der Luzerner Altstadt arbeitet, war Krügel bereits als «Bierpolizist» ein Thema in den Medien. Er stellt seit dem Jahr 2008 Bier her. Die Brauerei befindet sich in Inwil, noch dieses Jahr zügelt sie aber an die Luzerner Baselstrasse. Erhältlich ist das Krügel-Bier, von dem monatlich rund 170 Liter gebraut werden, im Restaurant Geissmatt in der St.-Karli-Strasse.

Und wie schmecken die Biere aus Mikrobrauereien? Generell wohl etwas intensiver als jene der grossen Brauhäuser, sonst sind allgemeine Aussagen kaum möglich. «Wir experimentieren mit unserem Bier und setzen die Grenzen nicht beim deutschen Reinheitsgebot», sagt Ramon Bur von der Brauerei Unterkuonimatt. So entstehen Biere mit Frucht- oder gar Fichtezusätzen.


Fehlt Ihre Brauerei oder haben Sie Anmerkungen zur Karte? Schreiben Sie uns: redaktion.online@luzernerzeitung.ch

Das ultimative Bier-Quiz


Frage 1 von 18:

Beginnen wir mit ein paar einfachen Fragen: Lagerbier ist die in der Schweiz am häufigsten getrunkene Biersorte. Wie hoch ist der Alkoholgehalt in der Regel?


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