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BILDUNG

Gemeinsame Kaderausbildung für Offiziere und Zivilisten an der Uni Luzern

Die Uni Luzern startet eine neue Kooperation: Ab Herbst 2018 bietet sie in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee einen neuen Studiengang an. Dabei hat sie nicht nur Militärkader im Visier.
21.03.2018 | 20:39

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Dem neuen Projekt wird grosse Bedeutung zugemessen, wie sich an der Präsentation am Mittwoch deutlich zeigte: Gleich zwei Vertreter der Luzerner Regierung, der Rektor der Universität Luzern sowie ein Divisionär der Schweizer Armee stellten den neuen Master «Effective Leadership» vor. Dieser wird ab Herbst 2018 an der Uni angeboten. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Weiterbildungsprogramm der Uni Luzern und der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA), welche in der Stadt Luzern beheimatet ist.

Das Angebot richtet sich sowohl an Absolventen der HKA als auch an zivile Führungspersonen, welche bereits über einen Hochschulabschluss verfügen und beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung, bei Non-Profit-Organisationen oder in privatwirtschaftlichen Unternehmen Erfahrungen gesammelt haben. Nahe liegt, dass diese im Sicherheitsbereich tätig sind. «Unsere Weiterbildung fokussiert sich auf die Führung, nicht auf das Alltagsgeschäft», sagte Uni-Rektor Bruno Staffelbach. «Man lernt beispielsweise, wie man mit Stresssituationen umgehen kann, wie man Krisen erkennt und sie bewältigt.» Es würden Fähigkeiten vermittelt, um «durchdachte Entscheidungen» zu treffen, Verhandlungen zu führen oder in unübersichtlichen Lagen die richtigen Informationen zu erhalten. Zudem werde der Umgang mit Unsicherheit und komplexen Situationen trainiert. «Damit füllen wir eine Ausbildungslücke – das ist national und international einmalig», freute sich Staffelbach, der selber als Milizoffizier im Grad eines Brigadiers aktiv war.

Nicht zu verwechseln ist der neue Studiengang mit der Militärakademie an der ETH Zürich. Dort werden ausschliesslich Berufsoffiziere ausgebildet. Das neue Angebot an der Uni Luzern hingegen richtet sich eben auch an das Milizkader ab Stufe Einheit. Sprich: An Kommandanten einer Kompanie oder Batterie, bis hin zu Divisionären. «Die Armee und die Wirtschaft brauchen qualifizierte Entscheidungsträger», bilanzierte Staffelbach.

Die Weiterbildung umfasst drei Studienblöcke, welche mit einem CAS-Diplom abgeschlossen werden. CAS steht für «Certificate of Advanced Studies» und ist in der Regel eine fachlich spezialisierte Weiterbildung. Absolventen erhalten ein eidgenössisch anerkanntes Diplom. Haben die Kaderleute diese drei CAS-Blöcke à 10 Creditpoints abgeschlossen, steht ihnen die Möglichkeit offen, mit einem weiteren Modul und einer Abschlussarbeit den Master mit total 60 Creditpoints zu erlangen. Das Ganze soll – berufsbegleitend – zwei Jahre dauern. Genau hier liege die Stärke, sagte Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP): «Dieses Abschlussdiplom ist überall anerkannt und auch in der Privatwirtschaft ‹lesbar›». Das sei bei herkömmlichen militärischen Leistungsnachweisen nicht immer der Fall.

Der Militär-Master kostet zivile Studenten zwischen 36000 und 40500 Franken. Den Kursteilnehmern mit militärischer Vorbildung können Veranstaltungen erlassen werden, das Mastermodul müssen aber auch sie bezahlen. Für die Uni ist das Angebot kostendeckend. Angestrebt wird, dass sich pro Jahr 20 bis 25 Personen einschreiben. Zum Vergleich: Die HKA besuchen jährlich rund 6500 Armee-Kaderleute. Winiker: «Das bedeutet einen Mehrwert für den ganzen Wirtschaftsraum Zentralschweiz.»

Militär im Zivilen verankern

Auch Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) ist vom Nutzen für die Uni überzeugt: «Die Universität Luzern ist noch jung und die anzahlmässig kleinste der Schweiz. Deshalb ist es wichtig, Kooperationen mit externen Institutionen einzugehen.» Mit dem Militär-Master könne man das kultur- und sozialwissenschaftliche Profil der Uni schärfen, so Wyss, der gleichzeitig auch Präsident des Universitätsrates ist. Denn gerade auch Themen der Ethik oder zwischenmenschliche Abläufe würden gelehrt.

Auch die HKA profitiere von der Zusammenarbeit mit einer «Miliz-Institution», wie Daniel Keller, Divisionär und Kommandant der HKA, beteuerte. «Es ist wichtig, die militärische Ausbildung im zivilen Kontext zu verankern.» Schliesslich sei die Armee immer noch im Milizsystem organisiert. «Kaderleute sind ein knappes Gut, um das wir uns bemühen müssen. Das gelingt uns nun – gemeinsam mit der Universität Luzern.»

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