Luzern
01.07.2017 16:53

Drohende Museumsschliessung: Jetzt rächt sich die gescheiterte Investitionspolitik

  • Unter anderem dem Naturmuseum droht die Schliessung.
    Unter anderem dem Naturmuseum droht die Schliessung. | Roger Zbinden (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung)
LUZERN ⋅ Wird die Schuldenbremse nicht gelockert, wird das Natur- und das Historische Museum geschlossen. Mit dieser kulturellen Hiobsbotschaft droht die Luzerner Regierung aktuell. Die Ankündigung sorgt bei Museumsbesuchern für Entsetzen.

Seit der Regierungsrat letzten Mittwoch das mögliche Aus der kantonalen Museen ankündigt hat, klingelt das Telefon von Christoph Lichtin, Direktor des Historischen Museums und Leiter der Kantonalen Museen nonstop. «Auch an den Kassen melden sich Besucher, die entsetzt darüber sind, dass die Museen geschlossen werden könnten.» Die Massnahme stösst insbesondere deshalb auf Unverständnis, weil sich die Besucherzahlen in den letzten Jahren positiv entwickelt haben. Erstmals seit der Zusammenführung haben sich über 95'000 Personen Ausstellungen des Historischen und des Natur-Museums angesehen. Im ersten Jahr der Zusammenführung waren es 85'000, was einer Zunahme von 12 Prozent innert drei Jahren entspricht.

Es werden Ausstellungen vorbereitet, die vielleicht nie kommen

Lichtin wird derzeit nicht nur von besorgten Museumsliebhabern angerufen, sondern auch von alarmierten Projektpartnern. «Die Lage ist verzwickt», sagt der Museumsdirektor. Grund: Die Ausstellungen haben einen Vorlauf von mehr als einem Jahr. «Es stehen einige grössere Aufträge an, zu denen wir uns jetzt verpflichten müssten, sonst wird die Planung nicht weiter vorangetrieben.» Gleichzeitig ist nicht mal klar, ob es die Museen dann überhaupt noch gibt. «Wir arbeiten also in dem Wissen, dass die Planungen vielleicht im Papierkorb landen.»

Ähnlich präsentiert sich die Situation für den Gletschergarten. Aktuell laufen Gespräche mit dem Kanton, ob dieser eine Kooperation mit dem Natur-Museum eingehen könnte. «Diese Verhandlungen laufen noch», sagt Direktor Andreas Burri. Doch unabhängig vom Ausgang schliesst er eines klar aus: «Dass der Gletschergarten das Natur-Museum ab 2018 übernimmt, ist weder realistisch noch sinnvoll.»

Das Haus wurde jahrzehntelang nicht saniert

Auch für andere private Geldgeber und Stiftungen dürfte das Natur-Museum unattraktiv sein. Seit 1978 wurden an dem Gebäude keine grösseren Sanierungen vorgenommen, zudem ist die Ausstellung veraltet. Das 12-Millionen teure Erneuerungsprojekt bleibt vorerst eine tolle Vision. Der Kanton hat das Vorhaben zum wiederholten Male sistiert, obwohl es schon im Jahr 2000 beschlossene Sache war. Die gescheiterte Investitionspolitik könnte sich jetzt rächen. Museumsdirektor Christoph Lichtin ist überzeugt, dass es in der momentanen Situation «völlig aussichtslos» ist, dass eine Stiftung die Museen übernehmen würde. Diese Einschätzung teilen mehrere angefragte Experten. Das Natur-Museum sei in seinem heutigen Zustand wenig attraktiv für private Geldgeber.

Massiv optimistischer ist der Museumsberater Kilian T. Elsasser. Der Gletschergarten und das Verkehrshaus würden ja schliesslich auch privat geführt, findet er. «Die Erhaltung der Sammlung ist sicherlich eine staatliche Aufgabe, aber die öffentliche Hand muss sie nicht selber ausführen», so Elsasser. Man könne auch einen Leistungsauftrag an einen Verein oder eine Stiftung vergeben, das sei keineswegs exotisch. Eine solche Organisation habe den Vorteil, dass man flexibler agieren und sich auf die Suche nach privaten Geldgebern machen könnte. Wird die Schliessung bereits auf nächstes Jahr ins Auge gefasst, dürfte allerdings kaum Zeit bleiben, um eine entsprechende Trägerschaft aufzubauen. Auch diese Chance wurde also verpasst.

Regierung wollte das Natur-Museum schon vor Jahren schliessen

Die Museen erhielten bisher vom Kanton jährlich je rund zwei Millionen Franken. Bei einer Schliessung im Jahr 2018 rechnet die Regierung aber nur mit Einsparungen von 1,6 Millionen Franken. «Das liegt daran, dass der Kanton nicht damit rechnet, dass die Schliessung direkt auf den ersten Januar erfolgt», erklärt Karin Pauleweit, Leiterin der zuständigen Dienststelle Hochschulbildung und Kultur. Wie gross das Sparpotenzial tatsächlich wäre, dürfte auch davon abhängen, was mit den Sammlungen und den frei werdenden Immobilen passiert. «Dazu gibt es noch keinerlei Planungen oder Überlegungen. Zunächst bleibt abzuwarten, wie der Kantonsrat entscheidet», sagt Pauleweit.

Die Regierung hatte übrigens bereits im Jahr 2005 die Schliessung des Natur-Museums beschlossen. Der Kantonsrat hat das Vorhaben damals gestoppt. Ob das wieder passiert, wird sich im September entscheiden.

Lena Berger

 

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