Luzern
18.05.2017 20:25

Ein Freilichtspektakel inmitten der Natur

  • Eindrücke aus den Probenarbeiten zum Stück «Die Stickerin und der Fergger».
    Eindrücke aus den Probenarbeiten zum Stück «Die Stickerin und der Fergger». | Bilder: Dominik Wunderli (Grossdietwil, 14. Mai 2017)
GROSSDIETWIL ⋅ 320 Menschen sind in unterschiedlichsten Bereichen für das neue Theaterstück unter freiem Himmel engagiert. Und über 4500 Zuschauer könnten die berührende Schicksalsgeschichte mitverfolgen.

Die Theatergruppe Grossdietwil steht für amüsante Lustspiele – und seit 1986 wird alle paar Jahre ein Freilichttheater einstudiert. Nach drei Gotthelf-Inszenierungen wagen sich die Grossdietwiler heuer ans Stück «Die Stickerin und der Fergger» von Markus Keller, das die Zuschauer in die harten Zeiten vor 120 Jahren mitnimmt. Ein Fergger war damals der Mittelsmann zwischen Textilhändlern und Heimstickern.

Zeitreise beginnt schon bei der Zufahrt

Der Tod eines Arbeiters wird zum Schicksal für alle, es geht um Machtverhältnisse, Recht und Unrecht, Tod und Liebe. Die Zeitreise beginnt für den Zuschauer schon bei der Zufahrt zum idyllisch gelegenen Hof Erpolingen der Familie Steiner. Oberhalb des Hofes, der inmitten der Natur mit Weitblick über das Hinterland gelegen ist, stehen vier prächtige Kulissenhäuser. Ein echter Brunnen plätschert, Gartenanlagen wurden angelegt, es riecht nach Landluft. Und überall trifft man auf Menschen in historischen Gewändern. «Es sind 52 Spieler im Alter zwischen 9 und 72 Jahren», sagt Regisseur Bruno Müller, für den es das vierte Freilichttheater ist. An diesem Probensonntag herrscht eine ruhige Stimmung vor, obwohl es der erste Durchlauf vor Ort ist. «Seit Anfang Jahr probten wir zweimal die Woche im leeren Restaurant neben meiner Metzgerei», sagt Müller.

Die Spieler, die gleich ihren Einsatz haben werden, stehen mit ihren Textbüchern hinter den Kulissen, konzentrieren sich. Man spürt die Ernsthaftigkeit, mit der hier jeder dabei ist. «Auf der Personalliste sind 320 Personen verzeichnet, davon sind 90 Prozent aus Grossdietwil», sagt OK-Präsidentin Kathrin Ledermann. Darunter findet sich auch jene Familie, von der beide Eltern sowie vier der fünf Kinder eine Rolle haben. Auch zwei Geissen sowie die beiden Pferde Melody und Hera wurden zu «Schauspielern» berufen.

Ob Mensch, Musiker, Handwerker oder Helfer hinter den Kulissen: Sie alle widmen einen grossen Teil ihrer Freizeit dem Ziel, mit viel Enthusiasmus, Motivation, Begeisterung und Herzblut ein beeindruckendes Theaterspektakel auf die Beine zu stellen. Eine solche Produktion auf der «grünen Wiese» zu realisieren, verdient Beachtung. Kein Wunder, sind viele der insgesamt über 4500 Plätze der elf Vorstellungen schon reserviert.

 

Yvonne Imbach

kanton@luzernerzeitung.ch

Hinweis: Premiere am 24. Mai, 20 Uhr. ­Weitere zehn Aufführungen bis 17. Juni. Hof Erpolingenweg 7, 6147 Altbüron. Reservation unter: www.freilichttheater2017.ch

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