Luzern
13.10.2017 05:05

In den kommenden Tagen lockt der goldene Herbst

  • Die Leute geniessen das warme Herbstwetter auf dem Stanserhorn.
    Die Leute geniessen das warme Herbstwetter auf dem Stanserhorn. | Bild: Manuela Jans-Koch
  • Herbstimpression vom Sarnersee. | Bild: Manuela Jans-Koch (12. Oktober 2017)
  • Spiel der herbstlichen Farben und Lichter.
    Spiel der herbstlichen Farben und Lichter. | Bild: Manuela Jans-Koch
FREIZEIT ⋅ In den vergangenen Wochen verzeichneten die Bergbahnen ein eher durchzogenes Geschäft. Doch das ändert sich nun: Die Wettervorhersagen für die kommenden Tage sind geradezu sensationell.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Die Wetterprognosen für die kommende Woche sind vielversprechend. Der Himmel präsentiert sich tagsüber blau, die Temperaturen werden dank einem kräftigen Hoch im Alpenraum beinahe sommerlich. Gemäss den Voraussagen der Meteorologen kann man mit leichter Kleidung in die Berge. «Ab Samstag wird es auch in höheren Regionen ausgesprochen mild. Wir rechnen bei 1000 bis 1500 Metern über Meer mit Temperaturen von über 20 Grad», sagt Bernd Konantz von Meteo Schweiz.

Etwas kühler bleibt es in Melchsee-Frutt auf 1920 Metern Höhe. Mit Höchsttemperaturen von 16 Grad am Wochenende sind die Bedingungen zum Wandern jedoch geradezu perfekt. Ein durchschnittlicher Sommertag lockt gegen 1500 Besucher auf die Frutt. In den nächsten Tagen dürften demzufolge zahlreiche Personen den Weg ins Melchtal auf sich nehmen. «Endlich erleben wir mehrere aufeinanderfolgende Tage mit richtig schönem Herbstwetter, das diesen Namen auch verdient», sagt ­Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen Melchsee-Frutt.

Er spricht seinen Kollegen der Bergbahnen in der Zentralschweiz wohl aus dem Herzen, wenn er sagt: «Jetzt freuen wir uns auf das Traumwetter und die Gäste.» Fast sämtliche Wochenenden der letzten Monate seien regnerisch oder durchzogen gewesen, sodass nur wenige Besucher einen Ausflug in die Berge unternommen hätten.

Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhornbahn, bestätigt: «Es gab in den letzten Monaten kaum eine Phase mit sechs schönen Tagen am Stück. Wir kamen nie richtig auf Touren, da wir sehr vom Wetter abhängig sind. So liegen wir 10 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.» Grund: Die Stanserhornbahn befördert zu 85 Prozent Gäste aus der Schweiz. Und die fahren laut Balsiger nur bei schönem Wetter in die Berge. Im Gegensatz zu den wenigen ausländischen Touristen, die nur kurz in der Zentralschweiz weilen und bei jedem Wetter hochfahren würden. Deshalb freut sich Balsiger enorm auf die kommenden sonnigen Tage. Er erwartet zwischen 1300 und 1700 Gäste täglich. Durch das ­Online-Boarding System kann er eine ziemlich genaue Hochrechnung der Besucherzahl anstellen. Der Donnerstag von letzter Woche, also der 5. Oktober, sei mit 1834 Besuchern übrigens Rekordtag in diesem Jahr gewesen.

Auch für die Rigi-Bahnen AG war dieser Tag mit rund 6000 Fahrgästen spitze, wie Sandrina Glaser, Leiterin Kommunikation, sagt. Auf hohe Besucherzahlen ist man vorbereitet. So übt ein Teil des Personals bei Bedarf Doppelfunktionen aus. Zum Beispiel übernehmen Mitarbeiter des Depots Fahrdienste, wenn die Besucherzahl den Einsatz zusätzlicher Wagen erfordert.

Die Wettervorhersage ist ein Trumpf für die Bergregionen, wie Carolina Rüegg, Tourismusdirektorin der Region Sörenberg-Flühli, sagt. «Entschuldigung, wenn ich es so ausdrücke. Es ist fantastisch. Ihr im Flachland sitzt im Nebel, und bei uns scheint die Sonne. Diese Voraussetzung hilft uns sehr. Wer sich jetzt im Moor bewegt, kommt ob der Landschaft garantiert ins Schwärmen, weil die Situation im wahrsten Sinn des Wortes goldig ist.» Wie viele aus dem Unterland nach Sörenberg reisen werden, sei schwierig zu beziffern. Rüegg gibt aber einen vielsagenden Vergleich. «Wenn sich am Abend der Verkehr bis nach Wolhusen staut, wie am letzten Mittwoch, dann kann man von einem Spitzentag reden.»

«Gute Zahlen – aber der Berg ist noch lange nicht voll»

Die grösste Fahrgastgruppe der Bergbahnen sind im Herbst die Wanderer. In den kommenden Tagen rechnet Peter Reinle, Marketingleiter der Titlis-Bergbahnen, mit 2500 bis 3000 Gästen pro Tag. «Der Berg ist damit zwar noch lange nicht voll, aber das sind gute Zahlen. Die Monate von September bis Oktober sind bei uns in der Regel die schwächsten. Aber durch das Jahr hindurch gleicht sich dies meistens aus.» In Spitzenzeiten fahren im Sommer 5000 Gäste mit den Titlis-Bergbahnen, im Winter sind es gegen 10000. Laut Reinle war der September wetterbedingt schwach, der Oktober werde dafür sehr gut, was jedoch keine aussergewöhnliche Organisation seitens der Tourismusorte oder der Bergbahnen voraussetze. «Wir müssen nichts umdisponieren. Die Leute verteilen sich oben rasch, und die Möglichkeiten sind vielfältig. Auf dem Trübsee nehmen viele Ausflügler ein Ruderboot, beim Jochpass findet man zahlreiche Wanderer, und das Ziel der Skifahrer ist der Titlis.»

Ebenfalls ein erfreulich hohes Besucheraufkommen verzeichnen die Pilatus-Bahnen AG. «Wir können derzeit nicht klagen, obwohl der September etwas schwieriger war», sagt Tobias Thut, Leiter Marketing und Verkauf. So reisten am letzten Mittwoch 4000 Leute auf den Krienser Hausberg. Anders als auf dem Titlis pilgern im Sommer mehr Leute auf den Pilatus als im Winter. Thut spricht von 6500 an einem Tag mit guter Auslastung. Wobei im Winter, je nach Schlittelwetter, 3000 bis 4000 Gäste anreisen. Thut erwartet bis am 22. Oktober gute Frequenzen. Danach wird die Bahn auf Krienser Seite für drei Wochen wegen Revision ausser Betrieb gesetzt, sodass der Pilatus vorübergehend nur via Alpnach mit der Zahnradbahn erreichbar ist.

Auf guten Zulauf freut man sich auch auf der Klewenalp. Res Schmid, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG, ist zuversichtlich und erwartet einen starken Monat sowie viele Gäste mit verschiedenen Interessen und Vorlieben. «Unsere Region zieht vor allem Wanderer und Biker an. Der Gottfried-Stutz-Weg mit den zahlreichen Feuerstellen, die von uns mit Brennholz bereitgestellt werden, dürfte gut genutzt werden. Auch beliebte Bike-Routen gibt es in der Region. Die Luftseilbahn Beckenried–Klewenalp und die Gondelbahn Emmetten–Stockhütte befördern Bikes gratis», sagt Schmid.

Für Radfahrer und Fussgänger also perfekte Aussichten. Apropos: Ab dem Wochenende herrschen laut dem Meteorologen in den Bergen nicht nur stabile Bike- und Wanderverhältnisse, es besteht auch gute Fernsicht.

 

Schicken Sie uns die schönsten Herbstbilder!

Nehmen Sie die Kamera aus der Tasche und lassen Sie ihrer Kreativität freien Lauf. Gesucht sind die schönsten Herbst-Fotos aus der Zentralschweiz. Die Online-Redaktion hat unter www.luzernerzeitung.ch/leserbilder eine Galerie für Herbstbilder eingerichtet. Dort werden alle Bilder publiziert, die besten auch in der Zeitung. Bilder nimmt die Online-Redaktion unter www.luzernerzeitung.ch/leserbildeinsenden entgegen

Bilderserien zum Artikel (1)

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
  • Anmelden
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Ihre Daten sind leider unvollständig.
Ergänzen Sie bitte Ihre Benutzerdaten, um den Vorgang abschließen zu können.

Meist gelesene Artikel

Das Gebäude des Marktforschungsinstitut Gfk in Hergiswil. Ab Montag ist die Firma in Rotkreuz beheimatet.
HERGISWIL/ROTKREUZ

GfK streicht in der Zentralschweiz 77 Stellen

Der Hauptsitz der Musikpunkt AG in Luzern.
LUZERN

Adrian Lohri kauft Musik Hug

Der ferngesteuerte Bagger (rechts) ist bei der Bergung nicht die gewünschte Hilfe.
RUOSALP

Einsatz des Funkbaggers eingestellt

Hier stand der Pferdestallbetreiber vor Gericht: das bernische Wirtschaftsstrafgericht.
BERN

Luzerner Ex-Grossrat zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

LUZERN

Ihr Traum vom Fliegen rückt in greifbare Nähe

In einem Uhren- und Schmuckgeschäft im Zentrum von Zermatt konnten Diebe Waren im Wert von mehr als einer Millionen Franken erbeuten.
EINBRUCHDIEBSTAHL

Ein Uhrenräuber von Zermatt gefasst – weil er auf der Autobahn angefahren wurde

Sie sind die ersten: Schon vor acht Uhr standen Fans der Toten Hosen für Tickets der Düsseldorfer Kultband an.
LUZERN

Die Toten Hosen auf der Allmend: Die ersten Tickets sind weg

VATIKAN

Luzern ist Gastkanton bei der Vereidigung der Schweizergarde

Medikamentenabgabe durch Ärzte treiben Gesundheitskosten in die Höhe. (Symbolbild)
GESUNDHEIT

Medikamentenabgabe treibt Kosten in die Höhe

Sepp Blatter und Wladimir Putin
WM 2018

Blatter als Putins Ehrengast an der WM

Zur klassischen Ansicht wechseln