Luzern
26.05.2017 07:06

Grämlishof: Widerstand wächst

  • Der Bauernhof Grämlis in Horw. (© Boris Bürgisser)
    Der Bauernhof Grämlis in Horw. | Boris Bürgisser
HORW ⋅ Die Pläne des Gemeinderats, den Betrieb auf mehrere Landwirte zu verteilen, geraten unter Druck. An einem Podium verschafften Anwohner ihrem Ärger Luft. Gar von einer Volksabstimmung ist die Rede.

Stefan Dähler

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Der Erhalt des Grämlishofs ist für viele Horwer eine emotionale Angelegenheit. Dies war am Podiumsgespräch spürbar, welches die linke Partei L20 am Mittwochabend im Pflegeheim Kirchfeld durchführte. Mit rund 120 Besuchern war der Raum prall gefüllt. Voten, die das Vorgehen des Gemeinderats unterstützten, blieben aus. «Ich war schockiert, als ich von den Plänen für den Grämlishof erfuhr», sagte etwa Walter Frei, pensionierter Landwirt auf der Horwer Halbinsel.

Der Gemeinderat will bekanntlich die 17 Hektaren Land des Hofs, der auch oft von Schulklassen besucht wird, aufteilen. Dies, weil die langjährige Pächterfamilie den Vertrag per März 2018 gekündigt hat. Dank der Aufteilung sollen andere Landwirte auf der Horwer Halbinsel mehr Land erhalten, was deren Überleben langfristig sichern soll. Der Grämlishof allein sei ohne Nebeneinkünfte nicht mehr überlebensfähig (wir berichteten). Diese Argumente überzeugten die Besucher des Podiums nicht. «Die Strategie, den Betrieb auf mehrere andere Landwirte zu verteilen, sichert niemandem langfristig das Überleben. Es ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein», sagte etwa Heiri Niederberger. Der ehemalige CVP-Einwohnerrat ist stellvertretender Leiter des Nidwaldner Amts für Landwirtschaft und betreibt selbst einen kleinen Hof auf der Halbinsel. Er fügte an: «Dass Bauern einen Nebenerwerb haben, ist heute normal.»

«Muss der Hof Gewinn abwerfen?»

Zahlreiche Besucher erwähnten ausserdem den emotionalen Wert des Grämlishofs. «Warum muss er finanziellen Gewinn abwerfen? Der Erhalt in heutiger Form ist auch ein Gewinn für die Bevölkerung», sagte ein Anwohner. Dies vor dem Hintergrund, dass die Aufteilung des Landes auch finanzielle Hintergründe hat. Der Gemeinderat rechnet für die Sanierung der Gebäude mit Kosten von 1,3 Millionen Franken. Falls dort jedoch kein Landwirt mehr wohnt und die Gemeinde diese im Baurecht abgeben könnte, würden stattdessen Einnahmen resultieren (Ausgabe vom 20. April).

Der Gemeinderat selbst nahm an der Podiumsdiskussion nicht teil. Man wolle sich erst wieder offiziell äussern, wenn der vom Einwohnerrat verlangte Planungsbericht zum Grämlishof vorliegt, teilte die Exekutive auf Anfrage mit. Dies wird frühestens im September der Fall sein. Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) mischte sich dennoch als Hörer unter das Publikum und wurde prompt zu einer Stellungnahme aufgefordert. Er würde die Stimmung am Podium auch in die Gemeinderatssitzungen mitnehmen, so Zemp. Man müsse aber auch einen Pächter finden, der den Hof in seiner heutigen Form weiterführen wolle.

Gemäss Barbara Küttel von der Kleinbauern-Vereinigung, die ebenfalls am Podium teilnahm, sollte dies durchaus möglich sein. Im Raum Luzern gebe es zahlreiche Familien, die auf der Suche nach einem Bauernhof seien. Die Kleinbauern-Vereinigung betreibe seit drei Jahren eine Anlaufstelle für ausserfamiliäre Vergaben von Höfen. Dabei habe man festgestellt, dass die Nachfrage sehr gross sei.

Ein weiteres Thema war, wie man politisch auf die Zukunft des Grämlishofs Einfluss nehmen könnte. Obwohl der Planungsbericht noch in Arbeit ist, liess der zuständige Gemeinderat Robert Odermatt (SVP) durchblicken, dass die Exekutive ihre Meinung kaum ändern werde (Ausgabe vom 7. April). Der Quartierverein Felmis sammelt daher Unterschriften für eine Petition zum Erhalt des Grämlishofs als Ganzes. Weitere Podiumsbesucher erwähnten ausserdem die Möglichkeit einer Volksabstimmung.

Komplizierter Weg zur Volksabstimmung

Doch ist dies überhaupt möglich? Die Kompetenz über den Grämlishof liegt rechtlich gesehen alleine beim Gemeinderat, seine Beschlüsse sind nicht referendumsfähig. «In welcher Form es eine Volksabstimmung geben könnte, ist noch offen», sagte dazu L20-Einwohnerrat Peter Bucher. Allenfalls möglich wäre eine Abstimmung über eine Änderung der Gemeindeordnung, um die Kompetenz dem Gemeinderat zu entziehen – ähnlich wie 2014 bei der Stadtluzerner Hängeordnung auf der Kapellbrücke. Bucher rechnet aber nicht damit, dass es so weit kommt. «Der Druck auf den Gemeinderat ist nun so hoch, dass er seine Haltung nochmals überdenken muss.»

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