Luzern
19.06.2017 05:00

Hochzeitsfeste stören die Idylle

  • Die St. Charles Hall in Meggen.
    Die St. Charles Hall in Meggen. | Bild: Dominik Wunderli (10. April 2016)
MEGGEN ⋅ Anwohner haben wegen Hochzeiten in der St. Charles Hall Lärmklagen eingereicht. Nun reagiert die Besitzerin: Sie verschärft die Nutzungsbedingungen und begrenzt die Dauer der Anlässe.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die St. Charles Hall in Meggen wird für Konzerte, weitere Kulturveranstaltungen und private Anlässe genutzt. Beliebt und bekannt ist die in einem ruhigen Quartier gelegene Villa vor allem als Veranstaltungsort für Hochzeiten. Jetzt wurde für die Liegenschaft eine neue Nutzungsstrategie beschlossen. Das ist dem Jahresbericht 2016 der Stiftung St. Charles Hall zu entnehmen.

Demnach wird eine ausgewogenere Nutzung der Liegenschaft über das ganze Jahr angestrebt. «In erster Linie werden wir unser Angebot im Bereich Tagungen und Seminare zielgerichtet ausbauen», hält der neue Stiftungspräsident Bernhard Kobler im Jahresbericht fest.

Hochzeiten «auf heutigem Niveau stabilisieren»

Was bedeutet dies für die Hochzeiten? «Die Hochzeiten sind die wichtigste Umsatzkomponente und werden es wohl auch in nächster Zukunft bleiben», sagt Bernhard Kobler auf Anfrage. Die Villa sei für solche Anlässe «geradezu prädestiniert». Dennoch soll die Anzahl Hochzeiten «auf dem heutigen Niveau stabilisiert und nicht weiter ausgebaut werden», sagt Kobler, der im Herbst 2016 Peter Erni als Stiftungs­präsident ablöste.

«So gerne wir unsere Liegenschaft auch für Hochzeitsanlässe zur Verfügung stellen, müssen wir auch die Kehrseite der Medaille im Auge behalten», betont Kobler. «Mit Hochzeiten sind erhöhte Lärmimmissionen in der Nacht verbunden.» Dadurch sei es zu vereinzelten Reklamationen aus der Nachbarschaft gekommen. «Wir haben diese Beschwerden ernst genommen und uns mit den Nachbarn zusammengesetzt, um Lösungen für die Zukunft zu diskutieren.» Daraus ist das neue Nutzungskonzept entstanden. Es sieht folgende Ziele vor:

Die Anzahl der Anlässe soll gesteigert werden. Kobler: «Damit generieren wir die für den Unterhalt der Liegenschaft notwendigen Erträge.»

Die Anlässe sollen gleichmässiger auf das ganze Jahr verteilt werden, und es sollen vermehrt auch gesellschaftliche Anlässe und Seminare tagsüber durchgeführt werden. «Damit tragen wir den Anliegen der Nachbarschaft Rechnung», sagt Kobler.

Die abendliche Lärmbelastung in den Sommermonaten soll reduziert werden.

Um Mitternacht ist Schluss

Um die Lärmbelastung zu verringern, werden die Mietbedingungen verschärft. Ein Anlass darf höchstens bis 24 Uhr dauern (bisher 1 Uhr). «Wird die Anlassdauer überschritten, erhöht sich der Mietpreis um das Doppelte», so das Nutzungsreglement. Der Veranstalter muss dafür sorgen, dass Ruhestörungen, insbesondere bei der Rückreise, vermieden werden. Ab 22 Uhr ist Lärm rund um die Villa zu vermeiden.

Um künftig mehr Seminare durchzuführen – diese verursachen weniger Lärm –, wurde der ehemalige Wintergarten der St. Charles Hall in Sitzungszimmern für bis zu 18 Personen umgestaltet. Er soll nun vermehrt vermarktet werden. «Wir stellten fest, dass viele Firmen und Veranstalter nicht wissen, dass die Villa St. Charles Hall öffentlich zugänglich ist», sagt Kobler. Auch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Villa seien wenig bekannt. Die Stiftung habe deshalb in diesem Frühjahr die grösseren Firmen in der Zentralschweiz für eine Führung durch die Räumlichkeiten eingeladen.

71 Anlässe fanden in der St. Charles Hall statt

Letztes Jahr fanden in der St. Charles Hall 71 Anlässe statt (mit über 5700 Teilnehmern); im Jahr zuvor waren es 60 gewesen. Besonders frappant war die Steigerung bei den Hochzeiten (Zunahme von 17 auf 27). Die Mieteinnahmen stiegen entsprechend von 320 842 Franken auf 458 956 Franken. Dennoch resultierte ein Defizit von 30 430 Franken. Grund dafür sind unter anderem die hohen Unterhaltskosten für die Villa (knapp 100 000 Franken im vergangenen Jahr).

An Freitagen, Samstagen und Sonntagen kostet die Miete der St. Charles Hall je nach Anzahl Räume 3900 bis 4500 Franken (Montag bis Donnerstag 2900 bis 3500 Franken). Den Rittersaal allein kann man von Montag bis Donnerstag für 1600 Franken mieten.

Zunehmend beliebt sind in der St. Charles Hall Hochzeiten im Winter. Will man auch deren Anzahl begrenzen? «Nein», sagt dazu Stiftungspräsident Kobler. «Gegenüber Hochzeiten im Winter sind wir sehr offen. Die St. Charles Hall ist auch in den Wintermonaten sehr romantisch; zudem kommt dieser Trend unserem Ziel entgegen, die Anlage ganzjährig zu nutzen.» Die St. Charles Hall war im vergangenen Jahr auch als Ort für Filmaufnahmen begehrt. Unter anderem war sie einer der Drehorte für den Historienfilm «Gotthard».

Ihr heutiges Aussehen erhielt die St. Charles Hall beim Umbau in den Jahren 1921 bis 1925 durch die damaligen Besitzer Tonio und Marie-Harriet von Riedemann. Vorher diente das Landgut unter anderem als Erholungsheim für französische Geistliche. 1963 ging die Liegenschaft in das Eigentum einer privaten Stiftung über. Die als schützenswert eingestufte Villa wurde in den vergangenen Jahren für 230 000 Franken renoviert.

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