Luzern
20.05.2017 05:00

Paul Winiker: «Ich war über alle Schritte informiert»

  • «Der direkte Vorgesetzte Stefan Weiss hat den Entscheid gefällt», sagt Paul Winiker, Justiz- und Sicherheitsdirektor
Kanton Luzern (SVP).
    «Der direkte Vorgesetzte Stefan Weiss hat den Entscheid gefällt», sagt Paul Winiker, Justiz- und Sicherheitsdirektor Kanton Luzern (SVP). | Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 29. März 2017)
GROSSHOF ⋅ Sicherheitsdirektor Paul Winiker nimmt jetzt erstmals Stellung zum abrupten Abgang von Gefängnisdirektor Hanspeter Zihlmann. Der Regierungsrat verteidigt den Entscheid. Die Medien seien der offiziellen Kommunikation zuvorgekommen.

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Die Personalie Hanspeter Zihlmann bewegt. Nach elf Jahren als Direktor der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens wurde am Donnerstag bekannt, dass er seit dem 3. Mai nicht mehr im Amt ist. Nachdem das SRF-«Regionaljournal» zuerst von einer Freistellung sprach, teilte die zuständige kantonale Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug am Nachmittag mit, das Arbeitsverhältnis sei «in gegenseitigem Einvernehmen» aufgelöst worden (Ausgabe von gestern). Nun nimmt der Luzerner Justizdirektor Paul Winiker (SVP) Stellung.

Paul Winiker, warum wurde dieser Personalentscheid nicht aktiv kommuniziert?

Er ist aktiv kommuniziert worden. Und zwar am Donnerstagnachmittag.

Da ist das «Regionaljournal» aber bereits mit der Recherche heraus.

Wir hatten einzelne Details zur Vertragsauflösung noch nicht geklärt, als wir vom «Regionaljournal» kontaktiert wurden. Wir konnten erst kommunizieren, nachdem die Vereinbarung un­terzeichnet war.

Zihlmanns Vertrag wurde per 3. Mai aufgelöst. Gut zwei Wochen später macht das «Regionaljournal» den Vorfall publik. Ein paar Stunden später wird offiziell kommuniziert. Ist das aus Ihrer Sicht also ein unglücklicher Zufall?

Das kann man so sagen.

Wann wurden Sie von wem über den Personalentscheid informiert?

Der Dienststellenleiter Stefan Weiss hat mich über sämtliche Schritte informiert.

Ist der Entscheid und dessen Kommunikation nicht Chefsache?

Doch, das ist sie. Der direkte Vorgesetzte, Dienststellenleiter Stefan Weiss, hat den Entscheid getroffen und auch kommuniziert.

Wann wussten Sie von der Vertragsauflösung?

Das war ein laufender Prozess.

Ist die Aufsichts- und Kontrollkommission (AKK) des Kantonsrats im Bild?

Ja, die AKK ist über alle wichtigen Schritte informiert.

Erst war von Freistellung die Rede, dann von einer Vertragsauflösung «in gegenseitigem Einvernehmen». Warum kam es zur Trennung?

Hier kann ich nicht ins Detail ­gehen. Der Entscheid ist von Dienststellenleiter Stefan Weiss, dem direkten Vorgesetzten von Hanspeter Zihlmann, gefällt worden und unterliegt dem Persönlichkeitsschutz.

Lag es an Zihlmanns Führungsstil?

Wie gesagt, ich kann nicht ins Detail gehen. Es gab unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Führung, wie es schon offiziell mitgeteilt worden ist.

Warum wird Hanspeter Zihlmann nicht bis zum Ende der ordentlichen Kündigungsfrist weiterbeschäftigt?

Das hat der Dienststellenleiter mit Hanspeter Zihlmann so vereinbart und kommt auch in der Privatwirtschaft vor, wenn es für beide Seiten besser ist.

Welche Kündigungsfrist gilt für Zihlmann, und wird er dafür entschädigt?

Die ordentliche Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Eine Entschädigung ist gemäss Personalreglement Teil der Vereinbarung. Auch hier kann ich nicht mehr ins Detail gehen. (Anm. der Red.: Im Fall von Hanspeter Zihlmann ist gemäss Personalgesetz eine Entschädigung von maximal zwölf Monatslöhnen möglich.)

Unserer Zeitung ist eine schlechte Stimmung unter den Gefängnismitarbeitern zugetragen worden. Was sagen Sie dazu?

Der Dienststellenleiter rapportiert mir jede Woche über den Grosshof. Mir wurde beschieden, dass sowohl die Abläufe als auch die Stimmung in Ordnung sind.

Wann wird Hanspeter Zihlmanns Nachfolger präsentiert?

Stefan Weiss hat jetzt die interimistische Leitung. Es liegt an ihm, eine Nachfolge zu präsentieren.

Hinweis

Paul Winiker (61) ist seit dem 1. Juli 2015 Regierungsrat und Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. Zuvor war der SVP-Politiker während acht Jahren Gemeinderat in Kriens, vier Jahre davon auch Gemeindepräsident.

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