Luzern
17.07.2017 07:20

In Südafrika wurde der Weltenbummler von der Liebe gebremst

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    «Nicht ein Reifen platzte auf den bisher 6 | Bild: PD
ZWEIRAD ⋅ Werner Frey (59) aus Inwil schmiss 2015 seinen Job als Geschäftsführer zweier Firmen, um mit einer Harley-Davidson Street Glide auf Weltreise zu gehen. Ob er je so richtig zurückkehrt?

Werner Frey, Sie machen mit einer Harley-Davidson eine Weltreise. Mutig. Sie müssten gemäss Klischee jede Werkstatt auf Ihrer Route kennen.

Alle haben mir von dem Vorhaben abgeraten, weil sie glauben, Harleys seien unzuverlässig. Doch mein Bike hat mich nie im Stich gelassen.

Selbst ein Harley-Fahrer kann das kaum glauben.

Es ist aber so. Im Sudan bei 50 Grad befürchtete ich, dass der Motor aufgibt. Ich verbrannte mir zwar die Beine – aber der Töff rollte.

Keine Panne, kein Sturz?

Nicht ein Reifen platzte auf den bisher 65 000 Kilometern.

Die Bilder auf Ihrer Homepage zeigen abenteuerliche Strassen und krasse Unfälle. Wie gefährlich ist Ihre Reise?

Man kann das Risiko minimieren. Ich habe extrem gutes Licht mit drei Scheinwerfern. Man sieht, dass ein richtiger Töff kommt. Ich hatte keinen Unfall, und mir wurde nie der Weg abgeschnitten.

Harleys liegen tief. In einem Schlammloch sind Sie sicher schon stecken geblieben!

Bei schlechten Strassen in Äthiopien stand der Rahmen schon mal an. Damit rechnete ich. Aber ich wollte mit diesem Bike fahren. Es ist vielleicht die erste Harley, die alle Kontinente bereist.

Warum mit einem Töff?

Ich fuhr einst mit dem Bike durch Australien. Seither wusste ich, dass ich etwas Ähnliches noch einmal machen wollte. Meine Vision war, wie ein Adler um die Welt zu fliegen. Nun realisiere ich den Traum nicht fliegend, sondern mit meinem Motorrad, der «Black Eagle».

Sie haben dafür einen richtig guten Job geschmissen.

Ich konnte nicht warten, bis ich nicht mehr fit bin. Ich musste entscheiden, ob ich bis zur Pensionierung arbeiten will. Mit 55 sagte ich mir: Jetzt ist genug.

Sind Sie geflüchtet, oder haben Sie etwas gesucht?

Weder noch. Aber ich lernte in ­Südafrika eine Schweizerin kennen, die ein Gästehaus betreibt.

Lernten Sie sie gut kennen?

Marlies und ich sind jetzt ein Paar. Darum habe ich meine Weltreise in Kolumbien unterbrochen und bin für ein Jahr nach Südafrika gegangen.

Die Liebe hat Sie gebremst?

Vorübergehend. Unterdessen habe ich den Trip fortgesetzt. Marlies ist vor einigen Tagen in Los Angeles zu mir gestossen. Derzeit fahren wir nach Seattle. Sie fliegt danach zurück nach Südafrika. Mein Weg führt via Milwaukee, wo die Harley gebaut wird, weiter nach Calgary und Alaska, wo ich ein Flugzeug nach Seoul nehme. Von dort geht’s mit der Fähre nach Wladiwostok, dann entlang der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau. Via Skandinavien fahre ich schliesslich in die Schweiz.

Gab’s nie prekäre Situationen?

Die Welt ist anders, als in den Medien beschrieben. Es ist erstaunlich, aber man trifft auf dieser Welt viel mehr gute Leute an, als man glaubt. Natürlich gibt es in Ägypten, Israel und in Südame­rika Checkpoints mit schwerbewaffneten Polizisten und Soldaten. Aber wer mit einem Motorrad auf Weltreise ist, hat eine gute Geschichte. Für Kleinkriminelle ist man ein Held. Mit einem Mietauto wäre man eher Opfer.

In einige Gebiete würde ich mich auch mit dem Töff nicht wagen!

Im Nordsudan kamen mir Männer in fünf weissen Toyotas mit Maschinengewehren entgegen. Vermutlich IS-Kämpfer. Da habe ich lange in den Rückspiegel geschaut und Tempo zugelegt.

Wie planten Sie die Route?

Die habe ich mehrere Male geändert. Afrika kann man nur im Osten befahren. Über Ägypten, Sudan, Äthiopien, Tansania bis Südafrika. Die Mitte mit Nigeria und der Elfenbeinküste ist zu gefährlich. Der Sudan aber ist ein sicheres Land. Anders, als man es sich vorstellt. Die Strassen sind gut und die Leute sehr hilfsbereit.

Sie haben in noblen Hotels übernachtet – aber auch schon im Zelt ...

Genau. Wenn Lodges oder Hotels voll waren, schlief ich im Zelt. In Botswana, wo wilde Tiere leben, war’s speziell. Aber ich lebe noch.

Werden Sie nie müde unterwegs?

Doch, das ist eines der Hauptprobleme. Bei Hitze wird man schnell müde und muss vom Töff steigen.

In Kolumbien haben Sie den Motorradclub «Red Devils» getroffen. Wie verstanden Sie sich mit den Rockern?

Das war bei Harley-Davidson Bogotá. Ein Hammerabend. Die Jungs sagten mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. In Bogotá sei noch nie eine Harley gestohlen worden. Die Räuber hätten zu viel Angst, dass es ein Bike der Red Devils sein könnte.

Ein klare Aussage.

Man muss die Gefahr auch in Kolumbien relativieren. Ich fand es in Bogotá und Cali unproblematisch, mich abends zu bewegen.

Was war das Eindrücklichste?

Afrika. Weil ich auf der Flüchtlingsroute fuhr, traf ich Massen von armen Leuten, die nach Libyen wollten, um das Mittelmeer zu überqueren.

Und Sie fahren als Abenteurer genau den umgekehrten Weg. Keine Gewissensbisse?

Vor Ort wird man schon nachdenklich. Die Schere zwischen Arm und Reich ist extrem. In Südafrika gibt es zum Beispiel Luxusrestaurants, wie man sie in Europa kaum antrifft. Das ist fast nicht zu ertragen, wenn Leute nebenan verhungern.

Wie war es an den Grenzen?

In Ägypten musste ich 26 Stunden warten, ehe ich in den Sudan einreisen konnte. Mir fehlte ein Papier, das beweisen sollte, dass ich unfallfrei durch Ägypten gefahren bin. Die schickten mich zurück nach Assuan. Aber ich setzte mich einfach hin und wartete. Es ergab sich dann eine Lösung, die mich 15 Dollar kostete.

Wollten Sie Ihre Reise nie abbrechen?

Nein. Einige Leute meinten, ich schaffe es nicht. Wenn man aber auf andere hören würde, kämen solche Projekte nie zu Stande.

Wann erreichen Sie das Ziel?

Ende August komme ich voraussichtlich in der Schweiz an.

Wo Sie bleiben werden?

Nein. Danach baue ich in Kapstadt eine Farm.












Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


 

Hinweis

www. black-eagle.ch

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